Jungen kif720

„Rettet unsere Söhne“

– vor dem Genozid, vor Kriegen und vor Katastrophen

Jungen kif720

„Das Eichhörnchen springt von Baum zu Baum. Das Eichhörnchen ist schwanzgesteuert.“ Das war einmal ein harmloser Schülerwitz. Da hatte ein Junge ein Eichhörnchen gezeichnet und diesen Kommentar dazu geschrieben. Der Spaß ist vorbei.

Heute gibt keine Unschuld mehr. Jungen werden zuerst nach ihrem Geschlecht – nach ihrem Schwanz also – beurteilt, dann nach Leistungen. Sie werden vorverurteilt. Sie werden offen diskriminiert. Allein dass sie Jungs sind, macht sie zu Verlierern.

Wer englisch kann, weiß das schon – oder könnte es wissen. Wer sich nicht an dem großen Wort vom „Genozid“ stört, kann bei you tube unter dem Titel „Genozid of Boys in Canada“ eine Zusammenstellung der Faktoren finden, die zu einer dramatischen Dezimierung von Jungen führen. Das gilt nicht nur für Kanada. Das gilt auch für uns. Auch wir haben es mit einem Krieg der besonderen Art zu tun. Christina Hoff Sommer beschreibt ihn in „The War Against Boys. How misguided feminism is harming our young men“. Als deutsche Leser können wir sehen, wie besinnungslos bei uns ausgerechnet die Fehlentwicklungen in den USA als die jeweils neuesten Schreie übernommen werden.Arne-Buch-kifh2478

Kritische Stimmen aus Übersee gelten bei uns als eine Art Geheimwissen. Das muss nicht sein. Man muss nicht mal Englisch können: Auf den Seiten des Blogs „Critical science. Kritische Wissenschaft“ kann man das System der Benachteiligung von Jungs auch in deutscher Sprache nachlesen. Das sollte man tun, um ein vollständiges Bild zu haben. Sonst muss man die Sache so glauben, wie sie uns die Politik verkaufen will: Die Schäden, die sie den Jungs zumuten, werden als Erfolg der Mädchen hingestellt.

Auch bei uns gibt es große Töne: „Die Jungenkatastrophe“ heißt ein Taschenbuch von Frank Beuster. Da hat es mich schon lange gejuckt zu sagen: Das Buch ist selber eine. Es ist durch und durch vergiftet mit einem geschlechter-rassistischen Männerhass. Männer – leibliche Väter womöglich – kommen ausschließlich als defizitäre Wesen vor (ich erspare mir Belege, man würde sie auf etwa jeder dritten Seite finden), Jungs werden entsprechend als kleine Männer gesehen, die nur stören. Sie haben eine Niete gezogen; sie lassen deutlich den Makel der Männlichkeit erkennen und gehen nun zur Strafe einer Welt entgegen, in der sie nicht willkommen, ja, letztlich überflüssig sind – falls sie sich nicht schnell in eine Art weibliches Wesen verwandeln. Der reißerische Titel lässt die Lesart absichtlich zu: Es sind nicht etwa die Umstände, es sind die Jungen selber, die als „Katastrophe“ angesehen werden sollen. „Diagnose: Junge“ steht auf der Rückseite.

Das wäre Arne Hoffmann nicht passiert. Er hat solche Vorurteile nicht. Er hält sich an die Fakten. Er haut nicht auf die Pauke. Sein Stil ist sachlich und unaufgeregt. Er ist fleißig gewesen und hat eine beeindruckende Menge von Belegen gesammelt, die er gut geordnet und zu einem Gesamtbild zusammengefügt hat, das für sich spricht. Seiner Diagnose kann man kaum widersprechen: Jungs sind nicht etwa minderwertige Ware aus dem großen Bio-Laden des Lebens; ihr Unglück ist vielmehr – hier trifft die Formulierung zu – „sozial konstruiert“. Sie sind so „gemacht“ worden. Es ist so gewollt. Arne Hoffmann nennt die Macher beim Namen und dokumentiert ihr Wirken. Doch dabei bleibt es nicht. Er zeigt auch auf, was dagegen zu tun ist.

Wäre sein „Rettet unsere Söhne“ ein Taschenbuch, würde ich sagen, dass es in jedes Lehrerzimmer gehört, in jedes Jugendzentrum; jeder Mutter und jedem Vater müsste es zur Geburt eines Sohnes geschenkt werden. Nun ist es eben ein E-book. Alle, die wissen wollen, in was für einer Welt die Jungs heute leben, sollten es lesen. Wenn die Jungs ein bisschen älter werden, können sie es selber lesen, sich über die Versäumnisse ihrer Eltern informieren und vielleicht sogar selber ein wenig zu ihrer eigenen Rettung beitragen.

Das wäre ihnen zu wünschen.

Arne Hoffmann: „Rettet unsere Söhne“

Ähnliche Beiträge

  • Erneute Klatsche für Rotrotgrün: Gleichstellungsgesetz nichtig

    Nach Thüringen ist nun auch in Brandenburg das sogenannte „Paritätsgesetz vor dem Verfassungsgericht des Landes gescheitert. Mit dem Paritätsgesetz waren die politischen Parteien verpflichtet worden, bei der Aufstellung ihrer Landeslisten für Wahlen zum Landtag Brandenburg abwechselnd Frauen und Männer („Reißverschlussverfahren“) zu berücksichtigen. Eine solche Vorschrift ist vom Verfassungsgericht – und zwar einstimmig – für verfassungswidrig und deshalb für nichtig erklärt worden. Das ist ein Sieg…

  • Frauenpolitik und Karrierismus

    Oder: Wie die Linken auf ihre Ideale verzichten Früher haben große Teile der Linken Karriere abgelehnt. Sie wurde als Ausdruck der Entfremdung angesehen und galt als Inbegriff von Geldgier, hierarchischen Strukturen, Konkurrenz und Ellenbogenmentalität, kurz: als Inbegriff des falschen Lebens. Seit geraumer Zeit beobachten wir eine Rehabilitierung des Karrierismus, und zwar insbesondere in der sich als links begreifenden Frauenbewegung. Doch welche Gründe gibt es für…

  • Männerdiskriminierung ist legal! – Ist sie das?

    In den Hochschulen wird regelmäßig die vom „Netzwerk- und Karrieremagazin für High Potentials“ in München herausgegebene Zeitschrift „high potential“ verteilt (Hrsg. Caspar Brandi, München). In der Ausgabe 12/2011 & 01/2012 findet sich auf S. 36 ein kurzer Artikel zum Thema „Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?“. Diese von einem Leser des Magazins stammende Frage wird dort von der Univ.-Prof. Dr. Renate Ortlieb, Universität Graz, beantwortet. Sie…

  • Zum Vatertag 2013: Grass als Prophet

    Sind Frauen die besseren Männer? Mit seiner Erzählung „Vatertag“, Teil des großen Romans „Der Butt“, hat Günter Grass vor über 30 Jahren eine Prophetie zum deutschen Feminismus geschrieben. Die jüngsten Rankünen der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, zur Durchsetzung der Frauenquote, das Auftreten der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gegenüber Alice Schwarzer, all dies hat endlich offenbar gemacht, was jedem Beobachter der Emanzipationsbewegung…

  • Vaterlose Krieger

    Bestseller-Autor Leon de Winter beklagt eine Entmännlichung der Gesellschaft. Aber Sex- und Gewaltfantasien taugen nicht für ein Revival der Krieger. Eine Antwort. Lieber Leon de Winter, ist es moderner Fortschritt, dass eine Verweiblichung der Gesellschaft sich global ausbreitet? Sie sagen, es sei eine Bedrohung. Sie beschreiben richtig das Zurückbleiben der Jungs in der Schule, den Vormarsch der Mädchen, die regelmäßig als Klassenbeste abschneiden. Sie haben…

  • Sherlock Holmes und Professorin Moriarty

    3. September 2012, von Prof. Günter Buchholz   Eine Rezension zu Hadmut Danischs Buch „Frauenquote“ Das hier besprochene und empfohlene Buch ist wichtig, weil es bewusst und begründet gegen die Political Correctness (PC) verstößt, die bekanntlich oft nicht mehr als ein öffentlicher sozial-psychologischer Zwang zur Verleugnung oder zur Lüge ist. Und manchmal nimmt sie sogar die Form offener Zensur an. Und wer diese nicht mitträgt,…