Waffegebrochen-lmxs2314

Von der Wehrpflicht zum nächsten Krieg?

Die 2007 einsetzende und bis heute nicht überwundene globale Finanzkrise, die aufgrund der Theorie des Postkeynesianers Hyman P. Minsky zu erwarten gewesen war, löste ein Déjà-vu-Erlebnis aus, nämlich bezüglich des Schwarzen Freitags der Weltwirtschaftskrise von 1929-32 sowie der nachfolgenden Depression der 30er Jahre bis zum II. Weltkrieg.

Die Ähnlichkeiten hängen damit zusammen, dass die ökonomische Entwicklung damals wie heute derselben Logik folgt bzw. folgen muss. Die Finanzwirtschaft spitzte in beiden Fällen tieferliegende Probleme spekulativ soweit zu, dass es zum Eklat kam.

Mit den Stichworten Sozialisierung der Finanzverluste (in Form der sog. Bankenrettungen und der Staatsverschuldungen), Umverteilung zugunsten der reichen Oberschichten, globale Armutsmigration, den folgenden Integrationsproblemen sowie neuer Fremdenfeindlichkeit, aber auch politisch-ökonomischer Ostexpansion der EU (geplantes Assoziierungsabkommen mit der Ukraine) und militärischer Expansion (NATO) unter Führung der USA (Raketenstationierung in Osteuropa) ist das aktuelle europäische Szenario angedeutet.

Und in einer Situation, in der sich in der umstrittenen und instabilen Ukraine ein Bürgerkrieg anbahnt, und in der Washington, Berlin/Brüssel und Moskau eben dort politisch aufeinander stoßen, in dieser Situation, die derjenigen vor dem I. Weltkrieg verdächtig ähnlich ist, schreibt die Cicero-Redaktion:

“Nach dem Zerfall der Sowjetunion setzte sich fest: Deutschland ist von Freunden umgeben, die Aufgabe der Landesverteidigung hat sich erledigt. Diese Annahme war falsch, schreibt der renommierte Sicherheits-Kommentator Karl Feldmeyer in der neuen Ausgabe von Cicero.”

Es muss wieder mit Krieg in Europa gerechnet werden. Die (nur ausgesetzte) Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden.

Damit ausschließlich männliche Zwangsverpflichtete wieder Krieg führen und sterben müssen? Im Zeitalter der Gleichberechtigung?

Was sagen die männlichen und weiblichen Gleichstellungspropagandisten dazu?

Fordern sie die Wehrpflicht für Frauen jetzt? Das wäre zumindest logisch und konsequent.

Denn Rechte und Pflichten sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille!

Aber die Gleichstellungs-Rosinenpicker, besonders die weiblichen, sie werden NEIN rufen, oder sie werden dazu schweigen.

Waffegebrochen-lmxs2314

Der alte Mist geht mal wieder von vorne los, und dem Herrn Feldmeyer fällt dazu weiter nichts als eben nur dieser alte Mist ein. Es ist wieder einmal nichts gelernt worden. Statt eine weitsichtige intelligente Politik  zu entwickeln, die die eigenen Interessen ebenso reflektiert wie die anderer, und die klug genug ist, immer einen außenpolitischen  Ausgleich  der Interessen herzustellen, die also außenpolitisch nicht – wie in der Ökonomie – ständig das Maximale anstrebt und damit Interessenkonflikte leichtfertig eskaliert, stattdessen also wird das Gegenteil getan und nun sogar die destruktive militärische Karte gespielt. Die Alternative liegt in rechtzeitigen, wohlüberlegten Kompromissbildungen und darin, auf die eigenen Durchsetzungs- und Allmachtsphantasien, die wieder ins Kraut schießen, zu verzichten.

Herr Feldmeyer ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

guenter buchholz
Website |  + posts

Prof. Dr. Güter Buchholz, Jahrgang 1946, hat in Bremen und Wuppertal Wirtschaftswissenschaften studiert, Promotion in Wuppertal 1983 zum Dr. rer. oec., Berufstätigkeit als Senior Consultant, Prof. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der FH Hannover, Fakultät IV: Wirtschaft und Informatik, Abteilung Betriebswirtschaft. Seit 2011 emeritiert.

Ähnliche Beiträge

  • OK, Kill Their Boys. Bring Back Our Girls.

    Im Juni 2013 tötete die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram 42 Jungen bei einem Angriff auf eine Schule: Die Jungen wurden zusammengetrieben, dann warfen die Mörder Sprengstoff auf sie. Im September 2013 griffen Boko Haram-Terroristen nachts das College of Agriculture in Gujiba, Nigeria, an – sie attackierten gezielt die Schlafsäle der jungen Männer und töteten 44 von ihnen. Im Februar 2014 wurden 59 Jungen einer nigerianischen…

  • Evangelisches Männerbasteln (und andere Formen der Hate Speech)

    „Macker sein klappt nicht auf Anhieb. Es gibt da so Übungen.“ Das steht auf der Titelseite einer Zeitschrift, die ich im Urlaub zufällig gelesen habe.  Neben den Sätzen das Bild einer jungen Frau, die einen Mann darzustellen versucht und die sich zu diesem Zweck eine Mütze aufgesetzt hat und böse guckt. Es ist das Titelbild des Magazins chrismon, das von der evangelischen Kirche finanziert und in…

  • Nein, Frauen sind keine Opfer!

    Kritikerinnen der #MeToo-Kampagne wird vorgeworfen, sie verhalten sich unsolidarisch gegenüber anderen Frauen. Dabei gibt es gute Gründe gegen die kollektive Opferidentität des #MeToo-Feminismus. Die Reaktion kam prompt und war heftig. Frauen, die die #MeToo-Kampagne kritisierten, wurden als Verräterinnen beschimpft: „Finde eine, die bereit ist, Solidarität gegen ein Schulterklopfen und einen Keks einzutauschen und nutze ihre Identität als Vorwand, um offen frauenfeindlich aufzutreten“, heißt es in…

  • Occupy Feminism?

    Die internationale Occupy-Bewegung richtet sich vorrangig gegen soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. An ihren Aktionen finden aber auch die unterschiedlichsten anderen Bürgerrechts- und Graswurzelaktivisten Anschluss. Gemeinsam ist ihnen ihr Protest gegen ein als unterdrückerisch empfundenes, aber mit den Machtstrukturen der Gesellschaft fest vernetztes System. Occupy Germany beschreibt sich selbst als eine vor allem über das Internet verbundene Bewegung ohne Hierarchien oder Anführer – das verbindende Element…

  • Auch Männer haben eine Seele!

    Ein umfassendes Buch über die seelische Gesundheit von Männern und Jungen mit Lösungsvorschlägen Psychotherapeutische Praxen und Kliniken sind so etwas wie gesellschaftliche Frühwarnsensoren für die Haarrisse zwischen individuellem Leid und kollektiven Normierungsprozessen. Therapeutinnen und Therapeuten spüren in der Vertraulichkeit ihrer Arbeit schon länger, dass auch Männer unter den Anforderungen des immer noch wirkmächtigen traditionellen männlichen Rollenbildes leiden – und dass sie beginnen, sich im Gespräch…

  • ‚Der deutsche Bürger wird immer noch belogen‘ – die Väterbewegung im Interview

    Er ist die personifizierte Väterbewegung in Deutschland. Seit etwa 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Trennungsväter. Franzjörg Krieg, mittlerweile pensionierter Lehrer und selbst betroffener Trennungsvater. Wer Väterpolitik begreifen und Trennungsväter verstehen will, muss mit ihm reden. MANNdat sprach mit ihm über Trennungsväterpolitik, die Väterbewegung und das neue Familienrecht. MANNdat: Herr Krieg, Sie sind seit Jahrzehnten eine der Leitfiguren der Väterbewegung in Deutschland. Wie…