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Über den Gender-Begriff (1)

Den Begriff „gender“ haben Sie wahrscheinlich schon einmal gehört oder gelesen. Feministinnen verwenden ihn häufig und gern. Aber wissen Sie eigentlich, was mit „gender“ gemeint ist?

Ich meine, wissen Sie, was genau damit gemeint, und was eben nicht? Damit sie verstehen, wovon Feministinnen wirklich reden oder schreiben? Nun, wir haben es mit einem englischen Begriff zu tun, und die Übersetzung von Begriffen aus Fremdsprachen, und seien sie uns so außerordentlich nah wie es das Englische ist, sie ist manchmal schwierig, und manchmal unmöglich.

Zum Beispiel gibt es für „Gender Mainstreaming“ keine brauchbare, klare, die Bedeutung erhellende Übersetzung. Man muss erst das ganze intentionale Hintergrundprogramm des Feminismus klären, bevor einem klar wird, was das im Kern eigentlich bedeutet, was wirklich damit gemeint ist. Für die Feministinnen erweist sich das als angenehm, nämlich als ein Schutz davor, dass ihre wahren Absichten an das Licht der Öffentlichkeit kommen könnten.

Gender Mainstreaming ist deshalb allererst ein Code-Wort. Nur die relativ wenigen Eingeweihten wissen, was damit gemeint ist. Um das zu dechiffrieren, muß man sich zunächst dem Begriff „gender“ zuwenden, denn ihm kommt die Bedeutung einer begründenden Kategorie zu, und deshalb soll hier damit begonnen werden.

Ohne eine klaren Begriff von der Sache gibt es keine richtige Erkenntis. Ohne richtige Erkenntnis gibt es kein angemessenes Handeln. Ohne angemessenes Handeln gibt es keine Aussicht auf Besserung. Ohne Aussicht auf Besserung schwindet alle Hoffnung. Deshalb muß die Bemühung um den klaren Begriff am Anfang stehen.

Die bezüglich feministischer Themenfelder bekanntlich weitgehend von Feministinnen kontrollierte Wikipedia definiert den Gender-Begriff wie folgt:

“Der Begriff Gender bezeichnet als Konzept die soziale, gesellschaftlich konstruierte oder psychologische Seite des Geschlechts einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen eine Unterscheidung zwischen sozialem („gender“) und biologischem („sex“) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.”

[Kritisch hierzu: http://de.wikimannia.org/Genderismus]

Das bedeutet:

“Gender” ist die soziologistische Fassung von “sex” genau dann, wenn “sex” verleugnet wird und “gender” an dessen Stelle tritt.

Was sind nun “Genderaspekte in der Forschung”?  Dazu lesen wir seitens des Bundesministeriums für Forschung folgendes (Auszug):

“Geschlechterforschung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Wissenschaftssystems. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Forschung zur besseren Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen beitragen und die Innovationskraft stärken. Detaillierte Hintergrundinformationen stellt z. B. das Projekt Gendered Innovations unter http://genderedinnovations.stanford.edu/ zur Verfügung.” (AZ: GZ 124-02500/1 BMF / Dr. Marijke Loman)

Wer nun oben anklickt, der wird sehen, dass es dort um medizinisch-naturwissenschaftliche Forschungsvorhaben im Hinblick auf Männer einerseits und Frauen andererseits geht, zwischen denen es, was niemanden überrascht, mancherlei Unterschiede gibt, von denen etliche im Hinblick auf Diagnose, Therapie und Medikation von erheblicher medizinischer oder pharmakologischer Bedeutung sind.

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Das sind ohne Zweifel wichtige Forschungen; das Beispiel stammt bemerkenswerterweise aus den USA, nicht aus Europa, oder gar aus dem Zuständigkeitsbereich des BMF, wie man das eigentlich erwartet hätte: warum eigentlich? Gibt es im Zuständigkeitsbereich des BMF nichts, was hier als exemplarisches Beispiel hätte genannt werden können? Es scheint zumindest so zu sein.

Nur haben diese Forschungen an der Stanford University mit „gender“ im Sinne der Wikipedia-Definition nicht das geringste zu tun, denn dieser Begriff ist ein rein soziologischer, der im Hinblick auf biologische oder andere Sachverhalte nicht nur völlig leer ist, sondern der dem Begriff „sex“ von den Genderisten sogar kämpferisch entgegengesetzt wird: „gender“ wird begrifflich gegen „sex“ ausgespielt, um „sex“ vollständig durch „gender“zu ersetzen. Das ist das Ziel.

Aber es scheint in den USA wie in Europa kaum möglich zu sein, für eine relevante nicht-naturwissenschaftliche Gender-Forschung einen Beleg zu finden. So hilft man sich mit dem Etikettenschwindel, bei dem etwas als Gender-Forschung bezeichnet wird, was tatsächlich rein naturwissenschaftliche und medizinische, auf Beobachtung der sexuellen Unterschiede und ihrer Bedeutung Wert legende Forschung ist, wie das Beispiel der Stanford-University zeigt. So etwas nenne ich neudeutsch einen „dirty trick“, oder: einen bewussten Schwindel.

Es ist allerdings einzuräumen, dass im Gender Kompetenzzentrum an der Humboldt-Universität dieses Problem, das sich aus der scharfen Entgegensetzung von „gender“ und „sex“ ergibt, anscheinend bemerkt worden ist, immerhin, und dass man dort auf mehr als zehn Seiten Text einen argumentativen, oder wenigstens eine rhetorischen, Ausweg aus dem Paradoxon gesucht hat, wonach dann auch das, was „gender“  gerade nicht ist, nämlich „sex“ bzw. das Biologische, als das bezeichnet wird, was dennoch auch „gender“ sein soll, nämlich wiederum „sex“ bzw. das Biologische:

Doch dazu später mehr.

guenter buchholz
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Prof. Dr. Güter Buchholz, Jahrgang 1946, hat in Bremen und Wuppertal Wirtschaftswissenschaften studiert, Promotion in Wuppertal 1983 zum Dr. rer. oec., Berufstätigkeit als Senior Consultant, Prof. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der FH Hannover, Fakultät IV: Wirtschaft und Informatik, Abteilung Betriebswirtschaft. Seit 2011 emeritiert.

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