picture 2600hhzzgtr56

Väter sind keine Unterhaltspreller

Väterverbände weisen auf prekäre Lage vieler Väter hin

Pressemitteilung der Interessengemeinschaft Jungen Männer Väter (IG-JMV)

picture 2600hhzzgtr56

Berlin. „Väter sind keine Unterhaltspreller!“ Mit dieser Feststellung wendet sich Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) entschieden gegen die pauschalen Unterstellungen aus der Politik. Bundesfamilienministerin Giffey beispielsweise hatte erst am 22.08.2018 zum Ärger vieler getrennt erziehender Väter davon gesprochen, säumige Väter mit Führerscheinentzug zu bestrafen: „Wer nicht zahlt, läuft“. 

Aus einer solchen Aussage spreche, so Riedmeier, überdeutlich eine undifferenzierte und untragbare Haltung gegenüber unterhaltspflichtigen Vätern. Hier werde auf Kosten von Männern Stimmung gemacht, ohne dabei einen Gedanken an die Hintergründe und persönlichen Lebenssituationen Betroffener zu verschwenden. 

Die Interessengemeinschaft weiß hingegen aufgrund ihrer täglichen Arbeit und intensiven Beschäftigung mit dem Thema: Getrennt erziehende Väter wollen Verantwortung in der Betreuung ihrer Kinder und für ihre finanzielle Versorgung übernehmen. Jedoch fehlen vielen Vätern schlicht die Mittel, um ihren finanziellen Verpflichtungen vollumfänglich nachzukommen.

Geschuldet sei dies u.a. dem Niedriglohnsektor, der in Deutschland während der SPD-geführten Bundesregierung unter Gerhard Schröder entstand. Ist ein Vater heute in diesem Bereich Vollzeit erwerbstätig, so verdient er monatlich netto ca. 1200 €. Das entspricht der Höhe der Pfändungsgrenze. Bei zwei Kindern wäre er jedoch verpflichtet, mehr als 700 € Unterhalt für seine Kinder zu leisten, wozu er nicht in der Lage ist.

Exportweltmeister – zu welchem Preis?

Deutschland wird regelmäßig Exportweltmeister, auch aufgrund des Niedriglohnsektors. „Zu welchem Preis?“ fragt die IG-JMV. Noch in den 50er-Jahren konnte ein Alleinverdiener in Deutschland mit seinem Gehalt eine ganze Familie ernähren. Heute reiche es vielfach nicht mehr für den Kindesunterhalt.

Die IG-JMV kritisiert das regelmäßige und populistische Väter-Bashing durch die Politik. Sie fordert eine Auseinandersetzung mit den Ursachen der prekären Lage vieler getrennter Eltern. Nachtrennungsfamilien stünden die gleichen steuerlichen Entlastungen zu wie „intakten“ Familien. Aktuell werden getrennte Väter jedoch steuerlich wie Alleinstehende behandelt.

Als besonders ärgerlich bewertet die IG-JMV die Tatsache, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Ausbleiben von Unterhaltszahlungen zum reinen Männerproblem stilisiert. Dass auch getrennt erziehende Mütter häufig keinen Unterhalt bezahlen, wird verschwiegen.

Die IG-JMV fordert einen offenen, vorbehaltslosen und unideologischen Umgang mit diesem sensiblen Thema. 

Einen Videomitschnitt des Pressegesprächs gibt es auf Youtube.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Rezension: „Muslimische Immigration und das Versagen der politischen Vernunft Europas“

    Muslimische Immigration und das Versagen der politischen Vernunft Europas von Rudolf Brandner ein Kommentar von Michael Mansion Schon wieder eine Auseinandersetzung mit dem Islam, könnte man vorschnell vermuten, aber dieses mit 131 Seiten ja nicht besonders dicke Buch verdient im Rahmen der Auseinandersetzung mit der vornehmlich muslimischen Immigration eine besondere Beachtung. Dies vor allem deshalb, weil der Autor, ein notabler Kulturwissenschaftler, den kritischen Blick auf…

  • Der unbegabte Jürgen Trittin

    Die folgende Sequenz aus der Plenardebatte vom Freitag im Deutschen Bundestag hat mir Andreas Rheinhardt zugeschickt, dem ich hiermit ausdrücklich meine Bewunderung dafür ausdrücke, dass er sich offensichtlich durch die Protokolle von Plenarsitzungen liest – eine schlimmere Form der geistigen Folter kann ich mir kaum vorstellen. Apropos vorstellen, zuweilen stellen wir uns beim Frühstück vor, was wohl Wissenschaftler in, sagen wir 500 Jahren, sagen, wenn…

  • Geopolitik und strategische Strukturen

    Der Zweite Weltkrieg endete 1945 mit dem Sieg der Allierten, deren Allianz aufgrund ihres Sieges in eine bipolare Weltordnung überging, mit der Führungsmacht USA auf der einen und mit der Sowjetunion auf der anderen Seite; diese geschichtliche Periode ging 1989 mit der Implosion der Sowjetunion zu Ende. Seit 1989 verstehen sich die USA als einzige Weltmacht, und ihre weltweite militärische Präsenz verdeutlicht das. Gleichwohl haben…

  • Islamismus und Demokratie: Nous sommes Charlie Hebdo?

    13. Januar 2015, von Sebastian Müller Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verschleiert, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nur auf den ersten Blick durch den Islamismus, in Wirklichkeit aber durch den Westen selbst bedroht werden. Nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris bleibt, wenn der Pulverdampf verzogen ist, eine zentrale Frage: Wenn der Anschlag islamistisch motiviert war, bleibt er dann als…

  • Macht Sozialismus glücklich?

    Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org Bei bestimmten Büchern kann man die Rezeptionsgeschichte quasi vorher sagen. Als Richard Wilkinson und Kate Pickett (übrigens in genau der Autorenreihenfolge und nicht etwa umgekehrt, wie Liana Fix in einem Anfall von Genderismus  meint) ihr Buch “The Spirit Level” veröffentlicht haben, in dem Belege zusammengetragen sein sollen, die zeigen, “dass eine … Gesellschaft, in der Einkommen, Vermögen und Macht möglichst gleich…

  • Politik als Event – offener Brief an Jürgen Trittin

    Offener Brief an den Bundestagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der „GRÜNEN/ BÜNDNIS 90“, Jürgen Trittin, bezugnehmend auf den Essay von Harald Welzer „Das Ende des kleineren Übels“, Spiegel 22/ 2013 und die Erwiderung von Jürgen Trittin „Kämpfen oder Schmollen“, Spiegel 27/ 2013 Vor der Wahl ist nach der Wahl! Auch nach der Wahl wird es eine Perspektive für künftige politische Führung nur mit einem Mehr an direkter…