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So machen Sie Quotengegnergegner mundtot

So machen Sie Quotengegner mundtot“ verspricht die SZ anhand von den beliebtesten handentkräfteten Gegenargumenten zu erklären.

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Klappe halten!

Was folgt, ist ein jeweils „beliebtes“ Gegenargument zur Quote in Vorständen, um danach entsprechende Pro-Quote-Argumente zu bringen. Das ist natürlich ein Spiel, das zwei spielen können, daher soll hier Stellung zu den Quote-Argumenten genommen werden, zu deren Gegnern ich ja bekanntlich gehöre. Die jeweiligen SZ-Entkräftungen zitiere ich hier nur auszugsweise, um nicht mit dem Urheberrecht in Konflikt zu kommen.

Frauen werden ohnehin schwanger – und damit regelt sich das „Problem“ von selbst.

Dieses Argument ist schon einmal keins. Wenn die Schwangerschaft das Problem „eh löst“, warum dann nicht eine Quote? Die Schwangerschaft hat mit der Quote überhaupt nichts zu tun. Die rosige Welt vom „modernen Chef“, die hier skizziert wird, existiert ohnehin nicht. In den Jobs, für die die Quote gelten soll – Vorstände der großen Unternehmen – ist die Frau ohnehin selbst der „moderne Chef“, und die Vorstellung, man könne einfach mal zwölf Monate Auszeit von der Leitung der Deutschen Bank nehmen und danach weitermachen, wo man aufgehört hat, ist völlig absurd. Die weitere Argumentation der SZ wird dann auch noch gleich sexistisch:

Die Zeit, die Männer mit Machtspielchen verbringen, investieren Frauen in die Arbeit.

frauenquote-danischEs gehört zu diesen typischen, leicht hingesagten Geschlechterklischees, dass Frauen irgendwie „netter“ wären als Männer. Weder Angela Merkel noch Andrea Nahles dürfte jemand vorwerfen, schlechter als Männer Machtspielchen betreiben zu können – besonders, wenn sie in einem Job essentiell sind, wie eben in Führungspositionen. Wer blauäugig glaubt, ohne Machtspiele auskommen zu können, wird solche Posten weder halten noch vernünftig erreichen können. So oder so haben Quote und Schwangerschaft aber nichts zu tun – das Problem der elementaren Benachteiligung schwangerer Frauen im Beruf muss vom Gesetzgeber angegangen werden, daran kann überhaupt kein Zweifel bestehen, und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt ein Mythos. Wie eine Quote hier helfen soll, erschließt sich mir nicht. Es wäre im Zweifel eine Quote für Frauen ohne Kinder, die gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen mit Kindern gewaltige Vorteile hätten. 

Es ist doch demütigend, wenn eine Frau nur wegen der Quote eingstellt wird.

Dieses Argument wird von der SZ damit entkräftigt, dass Männer bei Beförderungen und Postenvergaben wegen gläserner Decke und Netzwerken bevorzugt würden. Dass Netzwerke existieren, ist zweifellos richtig, sie gehören zu den luftigen Höhen der Spitzenpositionen dazu wie der Regen zu England. Dass die älteren dieser Netzwerke (man denke nur an das Bekannteste, den Andenpakt) nur aus Männern bestehen, ist ebenfalls richtig. Hier hätte eine Quote den positiven Effekt, diese Macht zu brechen und quasi eine Abkürzung zu schaffen, was sicherlich ein positiver Effekt wäre, denn Netzwerke fördern nicht zwingend den qualifiziertesten Aspiraten. Warum aber nur ein Geschlecht in den Genuss dieser Abkürzung kommen soll, während Männer danach ja sogar noch mehr denn je auf diese Netzwerke angewiesen wären, kann auch die SZ nicht erklären. Und der Titel einer „Quotenfrau“ bleibt auch mit dem noblen Hintergrund der Netzwerkzerstörung erhalten und demütigend. 

Die Quote hilft Müttern nicht – denn Teilzeitarbeit ist ein Karrierekiller.

Meine Argumentation des ersten Arguments wird jetzt auch von der SZ aufgegriffen, die feststellt, dass Kinder derzeit ein Karrierekiller sind (übrigens auch für Männer, wie Sigmar Gabriels „Elternzeit“ einmal mehr deutlich zeigt). Warum eine Quote aber Müttern helfen soll, bleibt neben dem (unterstützenswerten) Appell für familienfreundlichere Regelungen zweifelhaft. Dass das Argument an sich ein dämliches ist, sollte klar sein – Frauen einfach generell in Teilzeit abzuschieben, ist kaum einer gleichen und aufgeklärten Gesellschaft angemessen. 

Die Frauenquote ist ungerecht, weil sie Männer benachteiligt.

Jetzt kommen wir zur Gretchenfrage der Quote. Die SZ  entblödet sich auch nicht, hier das dämlichst-mögliche Argument zu bringen: bisher sind Frauen benachteiligt. Also sind jetzt mal Männer dran. Das ist zwar unfair, aber im Dienst der Sache. Nur, eine Ungerechtigkeit mit einer anderen auszumerzen ist grundsätzlich falsch, wie die SZ selbst gerne ausführlich bekräftigt, wenn es um Umverteilungspläne von Linken geht. Warum also eine Benachteiligung plötzlich angebracht sein soll bleibt offen. 

Frauen behaupten immer, so emanzipiert zu sein – warum braucht es dann eine gesetzlich geregelte Quote?

Das tatsächlich dümmste Argument von Quotengegnern ist es, das stellt die SZ richtig fest, auf einige erfolgreiche Frauen zu verweisen und anhand ihres Beispiels die Quote für überflüssig zu erklären. Eine Ausnahme kann eine Regel bestätigen, das ist kein Argument. Die Entkräftung der SZ aber auch nicht:

Aber: Irgendwann stößt sie gegen die berühmte gläserne Decke, Kopf voran. Das tut weh und daran wird sich auch nichts ändern, so lange im Stockwerk drüber fast ausschließlich Männer sitzen. Warum sollten sie ihre Konkurrenz zusätzlich vergrößern, indem sie die Frauen zu sich nach oben holen? Ein paar Jahrzehnte lang haben die Frauen versucht, es aus eigener Kraft zu schaffen. Jetzt haben sie erkannt, dass das so nichts wird, die Quote muss her. Aus Fehlern zu lernen: auch so eine gute weibliche Eigenschaft.

Aha. Hier haben wir gleich zweimal Quatsch. Einerseits gibt es keine Geschlechtssolidarität unter Männern, wie das hier behauptet wird – für einen Mann in Spitzenposition ist jeder, der versucht an den Job zu kommen, Konkurrent, unabhängig vom Geschlecht. Wären die Strukturen so, wie die SZ behauptet, wäre es clever, als oberster Chef Frauen Zugang zu verschaffen, weil dann alle männlichen Konkurrenten auf der nächstniedrigen Stufe die Frauen bekämpfen und ungefährlich werden. Dieses Szenario ist allerdings völlig absurd. Zum zweiten finden wir schon wieder sexistischen Unfug: Frauen lernen besser aus Fehlern als Männer? Soso.

Die Frauenquote ist schlecht für den Erfolg der Firma.

frauenquotenquotenfrauen Bei dem letzten Argument, in dem sie SZ erklärt, eine entsprechende Studie über die Börsenkurse norwegischer Unternehmen (die die Frauenquote einführen mussten und seither im internationalen Vergleich verloren) sei wenig aussagekräftig, ist wenig hinzuzufügen. Der Zeitraum ist zu kurz, die Zahl untersuchter Unternehmen zu klein, die Faktoren zu wenig trennbar, als dass belastbare Aussagen getroffen werden könnten. Dieses Argument sollen Frauenquotegegner besser beiseite lassen.

Insgesamt gilt für die SZ-Argumentation, dass immer wieder Aussagen einfach pauschal gemacht werden, ohne, dass deren Wahrheitgesgehalt irgendwie überprüfbar wäre. Dies ist bei den salopp dahingeworfenen Bemerkungen zur Überlegenheit der weiblichen Biologie, die wohl auflockernd wirken sollen, nur ärgerlich, wird aber bei den anderen wie der gläsernen Decke, den Netzwerken oder dem Gehaltsgefälle mehr als ärgerlich. Außerdem ist das Werfen in denselben Topf von Argumenten der Familienfreundlichkeit der Arbeitswelt (für Mann und Frau!) und der Quote völlig unverständlich, denn beides hat nichts miteinander zu tun. Die Quote ist und bleibt ein Karrierevehikel für eine verschwindend geringe Minderheit innerhalb der weiblichen Bevölkerung und lässt die realen und unleugbaren Probleme der Berufswelt völlig unangetastet. Und davon gibt es genug: Die praktische Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, die nur unter großen Opfern der Familie überhaupt im Ansatz leistbar ist, die Häufung von Frauen in Teilzeitstellen und wenig prestige- und karriereträchtigen Jobs, die Hauptlast der Kindeserziehung, die immer noch auf Frauen lastet. All das sind Probleme, die von einer Quote nicht berührt werden und die dringend einer Lösung bedürfen.

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