you write what youre told

Zensur zum Weltmännertag

Ausgerechnet am Samstag, den dritten November, am Weltmännertag, veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung (SZ), Print wie Online, einen Artikel der Schriftstellerin Amelie Fried

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Dass kaum jemand den Weltmännertag wahrnahm, entspricht meinen Erwartungen und bleibt zugleich bezeichnend. Den Weltfrauentag kann man(n) nie vergessen – dafür sorgen die gefühlten 62.487 Medienbeiträge, wochenlang. Gefühlt besteht der Weltfrauentag ohnehin ganzjährig. Die Nachrichtenlage lässt kaum einen anderen Schluss zu. Jeden Tag geht es auf die eine oder andere Weise um explizit weibliche Belange. Männerspezifisches scheint nicht zu existieren.

Kein Wunder, dass kaum jemand vom Weltmännertag erfuhr, denn in den „Qualitätsleitmedien“ las, hörte und sah man davon nichts. Stattdessen in der Süddeutschen Zeitung mal wieder ein Pro-Frauenquote-Propagandabeitrag, diesmal von Amelie Fried, die sich bedenklicher Weise dazu bereit erklärte.

Ich nehme an, dass da SZ-Redakteurinnen gezielt Gleichgesinnte von außen suchten und angesprochen haben, um gegen die aus ihrer Sicht vorhandene Malaise vorzugehen, dass die Mobilisierung pro Frauenquote in der Bevölkerung weniger als inexistent ist. Dafür versucht Amelie Fried in gezielt manipulativer Absicht, so zu tun, als ob sie mal gegen die Frauenquote war und jetzt dafür sei. Damit sollen andere Frauen (und Männer) „dort abgeholt werden, wo sie stehen“, um sie – so der inoffizielle Plan – in die Pro-Quote-Community zu integrieren.

der-falsche-feindBesonders beklemmend erscheint mir, dass der Artikel – wie geschrieben – am Weltmännertag (!) erschienen ist und den hämischen Titel „Schluss mit dem Gejammer, Jungs!“ trägt. Dabei gehören die SZ-Redakteurinnen und ihre Gleichgesinnten in allen Parteien, Schriftstellerinnen, Gender-Professorinnen u. V. m. zu den ohnehin schon privilegiertesten Jammererinnen dieser Gesellschaft schlechthin…

Die Abendzeitung (az) hingegen, ein Münchner Boulevardblatt, brachte tatsächlich ein kurzes „Spezial“. Hierdurch erst wurde ich darauf aufmerksam, dass heute Weltmännertag ist. Die Leitfragen – gleich auf der Titelseite – sind, wiederum erwartungsgemäß, erbaulich: Sie sind komplett aus Frauensicht formuliert, was sofort eindeutig klar wird, selbst wenn man die Redaktion gar nicht kennt:

„Männer – warum sie nerven, warum wir sie brauchen.“

Im Inneren der Zeitung wird dann schnell klar: Die Seiten zum Weltmännertag (!) wurde ausschließlich (!) von Frauen gestaltet. Eilends bemühen sie sich, ebenfalls schon auf der Titelseite, zu betonen, das „Spezial“ sei selbstverständlich nicht ernst gemeint.

Dabei wollen sie natürlich nicht ihre egozentrischen Diffamierungen relativieren, sondern meinen unterschwellig ganz im Ernst, dass eine ernsthafte Beschäftigung mit den Lebenslagen von Männern nicht nötig ist und diese so etwas auch weder wollen noch verdienen.

Ich erwarte eine ähnliche Berichterstattung am 08.03. zum Weltfrauentag – undenkbar!

Dabei bedeutet Gleichberechtigung doch angeblich, dass Menschen unterschiedlichen Geschlechts in jeder Lebenssituation „switchen“ können (müssten), jede Rollenzuschreibung sei variabel. Aber warum kümmert sich dann niemand um Männer, sondern verhöhnt noch die Wenigen, die diese Diskrepanz problematisieren?

Also las ich den Beitrag von Amelie Fried, am Weltmännertag, in Unwissenheit, dass Weltmännertag ist. Zunächst gedruckt, später online. Ebenso sah ich zwei Tage später alle bisherigen Leserkommentare durch, wobei mir sofort auffiel, dass die Kommentarfunktion der Süddeutsche Online strukturell verändert wurde: Plötzlich gibt die Redaktion dort „Leseempfehlungen“ ab, es gibt zudem Empfehlungen seitens der Leser und dann erst, in der dritten von drei Spalten, die geschriebenen Leserkommentare themselves. Mehr zur Art der Vorselektion von Lesermeinungen durch die Redaktion auf Grundlage ihrer ideellen Auffassungen weiter unten!

Ich entschied mich, auf einen anderen Leserkommentar (es waren mehrere, die im Kern ähnlich argumentierten), zu antworten. In ihm wurde u. A. suggeriert, „gut Ding braucht Weil“, die Absolventinnenzahlen in allen Fächern stiegen und außerdem seien Mädchen/junge Frauen sowieso in jeglichen Bildungseinrichtungen besser als Jungen/junge Männer. Bald würden dann genauso viele Frauen Konzernlenkerinnen sein wie Männer – und diese Entwicklung müsse befördert werden: Mir blieb wenig Schmeichelhafteres übrig, als zu erwidern:

„Ich würde Ihnen raten, den ersten Absatz Ihres Beitrages gründlich zu überarbeiten!
Er strotzt nur so vor sachlichen Fehlern, um es mal undiplomatisch zu formulieren.
Vorab: Was haben Tiermedizinerinnen mit den höheren Leitungsebenen in Konzernen zu tun??
Der Frauenanteil unter den Doktorandinnen beträgt zur Zeit 39 % und konzentriert sich auf wenige geisteswissenschaftliche Fächer sowie Medizin. Nicht selten sind die „Ausgabestellen“ derartiger Doktortitel reine Titelmühlen, frei von wissenschaftlichem Anspruch oder auch nur Verifizierbarkeit. Dies wird unkontrolliert und unkritisch hingenommen, ganz abgesehen davon, dass die Leistungserwartungen gegenüber Frauen zumeist ohnehin schon präventiv drastisch abgesenkt werden. Davon, dass man in Soziologie, Pädagogik oder Geschichte viel leichter eine 1 bekommt als in Maschinenbau oder Physik, ganz abgesehen. So vergleichen die „Studien“!!
Schauen Sie sich die Studierendenzahlen in den karriererelevanten MINT-Fächern an, werden Sie feststellen, dass die Steigerungen der dortigen Frauenanteile bestenfalls in homöopathischen Dosen verlaufen ist – trotz Jahrzehnten einseitigster Frauenförderung.
Wenn man sich ansieht, wer ein Fach wirklich beherrscht, sich spezialisiert, forscht, über Jahre dranbleibt, seine ganze Energie in die Arbeit steckt, Wochenenden im Labor verbringt, tüftelt, prüft, experimentiert, Dinge erledigt, Konzepte erstellt, Kontakte aufbaut u. V. m., so sind dies fast immer Männer.
Männeranteil unter den Patentanmeldern in Deutschland: 98%.

An den Schulen sind Mädchen nicht im Schnitt besser als Jungen, sondern nur im Median. Die Leistungsdifferenz innerhalb der männlichen Schülerschaft ist – entsprechend der weiteren genetischen Variationsbreite bei Männern – erheblich ausgeprägter als bei Mädchen. Letztere profitieren auch von einer diffusen Frauensolidarität der Lehrerinnen, die vermeintliche Nachteile im späteren Leben zugunsten der Mädchen präventiv „kompensieren“ wollen, sowie von Lehrern, die sich von Schuldgefühlen befreien möchten, mit denen sie in ihrer eigenen Sozialisation geschlechtsspezifisch beladen wurden.
In Österreich bspw. entsteht der überwältigende Teil der besseren Zeugnisschnitte von Mädchen dadurch, dass sie in der Kopfnote, d. h. dem Betragen, weit vor den Jungen liegen.
Um im Rahmen der sozialen Konventionen weiblich geprägter Bildungseinrichtungen gut abzuschneiden, muss das Kind v. a. ruhig sitzen können, fleißig auswendig lernen und sich habituell anpassen.“

Wenige Minuten zuvor hatte ich einen anderen Kommentar verfasst. Doch die Redaktion zensierte ihn schlicht und ergreifend vollständig. Bislang glaubte ich, dass dies nur in totalitären Systemen üblich ist:

„Schön, dass die SZ-Redaktion Beiträge als Leseempfehlungen auswählt, die zwar den Ansichten der SZ-Redakteurinnen nahestehen und ihnen daher gefallen, jedoch kaum mit dem Grundtenor der meisten Leserbeiträge übereinstimmen!
Offenbar ertragen die Redakteurinnen, die meinten, Frau Fried für ihre Sache einspannen zu müssen, nicht, dass die Mobilisierung für die Quote in der Bevölkerung mangelhaft ist, von einer riesigen Mehrheit derartige staatliche Eingriffe kategorisch abgelehnt werden und selbst die Basis der linken Parteien in Deutschland keineswegs pauschal „mehr Frauen“ in Führungspositionen hieven will.
Lediglich eine verschwindend geringe Minderheit (vermeintlich) linksliberaler, urbaner Akademikerinnen, zumeist kinderlos, die sich aus narzisstischen Motiven Berufsfelder gesucht haben, in denen rasche Anerkennung garantiert ist, zahlreiche soziale Kontakte und ein Alltag, in dem „Spaß“ und „Selbstentfaltung“ im Mittelpunkt stehen, will Quoten für sich erzwingen.
Ihre Netzwerke aus Politikerinnen, „Expertinnen“ und Funktionärinnen imaginieren, wie die männlich geprägte Arbeitswelt, insbesondere in der Privatwirtschaft, wohl funktioniert. Dabei werden sie von Gleichgesinnten in den Medien mit Hilfe jahrzehntelanger Desinformation gestützt, die die Definitionsmacht über Geschlechterfragen systematisch monopolisiert haben.
Würden die Deutschen über jene – nicht selten steuerfinanzierten – Machenschaften, manipulierte Studien, einseitige Berichterstattung, Unterdrückung von Opposition gegen den Genderismus aufgeklärt sein, gäbe es eine Männerbewegung, der sich auch viele Frauen anschlössen und die sich in ihrer Wirkungskraft kaum von derjenigen der Frauenbewegung der 1970er Jahre unterschiede.
Quotendebatten, in denen alle Medien und Parteien, der gesamte öffentliche Raum nur eine Meinung zulässt, wären dann unmöglich.
Ich hoffe, dass der Wille der riesigen Mehrheit der Menschen gehört wird und Zeitungen wie Politiker ihre aufs Schlimmste feministisch gefärbten Brillen abnehmen.
Mit klarem Blick wird leicht ersichtlich, dass es keine Gleichheit zwischen den Geschlechtern gibt, weder hinsichtlich im Median anzutreffender Fähigkeiten noch Interessen und schon gar nicht in Bezug auf Lebensprioritäten.
Mit dieser Einsicht würde es sich erübrigen, einer winzigen Schicht ohnehin mehr als privilegierter Frauen weitere leistungsentkoppelte Erleichterungen einzuräumen.“

Dieser Beitrag wurde also nicht online gestellt, was im Prinzip eine Formsache zu sein hat, sondern gelöscht! Die Redaktion begründete ihre Totalverweigerung wie folgt:

„wir haben Ihren Beitrag gelöscht. An dieser Stelle möchten wir Sie bitten, in Ihren Diskussionsbeiträgen auf eine sachliche Ebene zurückzukehren und falsche Unterstellungen zu unterlassen. Selbstverständlich werden Leseempfehlungen nicht dann vergeben, wenn der Beitrag die Meinung der Redaktion spiegelt, sondern wenn sich der Beitrag durch Niveau und Inhalt von den anderen Beiträgen positiv abhebt.“

Ich blieb mit vielen Fragen zurück: Wann hebt sich ein Beitrag ab? Welche Anzahl Fakten bzw. Argumente muss er enthalten, wie eloquent verfasst sein? Aber sind das wirklich die Kriterien? Ein Schelm, wer argwöhnt, es handle sich hier um eine Selektion, die gezielt quotennahe Auffassungen – die zweifellos mit der Sichtweise der feministisch geprägten Redaktion korrelieren – ins rechte Licht rücken und entgegengesetzte Haltungen ins Abseits drängen will!

Was kann man(n) dagegen tun? Was, wenn sich alle wesentlichen Medien und alle großen Parteien – gegen den entschiedenen Willen der überwältigenden Bevölkerungsmehrheit – im Wesentlichen an diesem Wahn beteiligen? Ist das pluralistisch?

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