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Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Frauenquote?

Die Frauenquote ist schwach legitimiert, und das merken auch Feministinnen. Sie wiederholen fortwährend Standardformeln, die bei oberflächlicher Kenntnisnahme plausibel wirken mögen, hauptsächlich, wie in der Werbung, durch häufige Wiederholung auf allen medialen Kanälen, aber sie halten einer kritischen Überprüfung nicht stand. Also wird diese Kritik ausgeblendet.

Ein für mich überraschendes, aber eher schlecht durchdachtes Argument ist nun die Behauptung, dass die Frauenquote etwas zur Lösung der sogenannten „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ beizutragen in der Lage wäre.

Es ist tatsächlich so, dass die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in unseren westlich-industrialisierten Ländern heute auf der Tagesordnung steht. Dies aber nicht deshalb, weil angeblich „die Frauen“ (ein  fiktives Kollektiv) von „den Männern“ (ein fiktives Kollektiv) angeblich „patriarchal“ oder „strukturell“ „benachteiligt“ oder „diskriminiert“ würden. Auf dieses feministische Vorurteil und Dogma zugleich braucht sich niemand einzulassen.

Sondern es ist so, weil sich seit der breiten Einführung der Empfängnisverhütung und der (faktischen, nicht juristischen) Legalisierung der Abtreibung (mit der Folge einer quantitativ unzureichenden biologischen Reproduktion) das tradierte, maßgeblich biologisch-anthropologische Geschlechterverhältnis gewandelt hat und tatsächlich neu gestaltet werden muss.

Aber diese Neugestaltung ergibt sich automatisch daraus, dass Frauen, die generativ autonom geworden sind, sich für eine berufliche Karriere entscheiden, um sich als qualifizierte Personen im Beruf energisch zu engagieren, genauso, wie es die Männer immer schon tun. Das ist freigestellt und somit eine individuelle Entscheidung.

Es gibt jedoch nicht wenige Frauen, die dieses intensive Engagement nicht wollen, „weil sie sich das einfach nicht antun wollen“, oder weil für sie Familie und Kinder an erster Stelle stehen, mit der möglichen zusätzlichen Erwerbstätigkeit, meist in Teilzeit. Auch das ist freigestellt.

Schließlich gibt es Frauen, die meinen, dass sie uneingeschränkt beides – oder überhaupt alles zugleich – haben könnten. Es kann aber niemand alles haben, und das gilt universell. Denn eine Entscheidung für etwas ist immer eine Entscheidung gegen etwas anderes. Das, immerhin, hat Kristina Schröder verstanden. Daher leben wir alle mit Kompromissen, mit denen wir jeweils mehr oder weniger zufrieden sind.

Wenn eine Frau Mutter würde und dann glaubte, es sei dem Säugling und dem Kleinkind in seiner Entwicklung förderlich, in einer Kindertagesstätte von Fremden mehr oder weniger lieblos versorgt zu werden, dann befindet sie sich in dem Irrtum, denn im existenziellen Interesse solcher Kinder läge es, dass solche Frauen besser gar nicht Mutter würden.

Niemand muss Karriere machen, und es muss niemand Mutter werden. Die Entscheidung liegt heutzutage allein bei den Frauen selbst. Die Entscheidung liegt bei ihnen, und die jeweiligen Konsequenzen treffen sie dann eben auch. Sie tragen die Verantwortung für sich selbst.

Wenn Männer Familie haben und sich für ein intensives berufliches Engagement entscheiden oder entscheiden müssen, weil sie einerseits die Familie ernähren müssen und wollen und weil sie andererseits damit den Erwartungen des Unternehmens entsprechen, dann ist auch das ein mit Verzichten verbundener Kompromiss, der schwerwiegende Nachteile hat, zum Beispiel ein zeitökonomisch bedingtes distanziertes Verhältnis zu den eigenen Kindern oder eine vergleichsweise zu den Frauen kürzere Lebenszeit, die in Kauf genommen werden (müssen).

Die Frage, ob unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen eine Vereinbarkeit von Berufskarriere und Kindererziehung möglich ist, kann so oder so beurteilt werden. Gewisse Modifikationen mögen realisierbar sein. Aber es spricht einiges dafür, dass eine Vereinbarkeit letztlich nicht gegeben ist.

Aber die Feministinnen thematisieren das Problem nicht in einem gesellschaftstheoretischen, sondern in einem ideologischen Zusammenhang. Aus gesellschaftstheoretischer Sicht liegt eine Entschärfung oder Lösung des Problems in der Perspektive einer allgemeinen gesellschaftlichen Verkürzung der Arbeitszeit, worauf seinerzeit schon André Gorz hingewiesen hat. Nur müssten sich Feministinnen theoretisch und praktisch direkt mit der Logik des Kapitalverhältnisses statt mit einem eingebildeten „Patriarchat“ auseinandersetzen.

Sicher ist jedenfalls, dass eine Frauenquote hierbei überhaupt keine Rolle spielt, denn es gibt gar keinen Zusammenhang zwischen den beiden Themen. Keine Quote mindert das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ein Problem, das selbstverständlich nicht nur für Frauen, sondern grundsätzlich ebenso für Männer besteht.

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Es ist eine Frage des freien „Geschlechterarrangements“ der Paare (Gerhard Amendt), wie das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter gegebenen Bedingungen von ihnen jeweils im Sinne eines Kompromisses beider Partner gelöst wird.

In Zeiten der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und in Zeiten eines Diskrimierungsverbots (Art. 3 GG), also seit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949, ist jede Frau in der Lage und aufgefordert, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten, ohne auf die feministische und infantilisierende Ausrede zu verfallen, sie werde als Frau benachteiligt.

Die Frauen sind gleichberechtigt, aber das heißt so wenig wie bei Männern, dass ein Karriereerfolg garantiert wäre. Die Vorstellung, dass irgendein beruflicher oder akademischer Abschluss sozusagen einen Anspruch auf beruflichen Erfolg bedeuten soll, wie man das immer wieder hört, ist extrem unsinnig. Es ist doch offensichtlich, dass nur ein kleiner Teil der beruflich oder akademisch qualifizierten Männer dann auch eine Karriere machen. Bei den allermeisten ist sie weder lang noch steil, sondern kurz und flach. Aber die feministische Gier auf Verteilungsbeute lässt sie das völlig übersehen. Um zu vergleichbaren Ergebnissen wie die Minderheit der beruflich erfolgreichen Männer zu kommen, müssen sie sich eben vergleichbar engagieren und ihre besondere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, statt nach Sondervorteilen durch Quoten zu rufen. Es geht also um praktische Bewährung auf der beruflichen Langstrecke unter allgemeinen Konkurrenzbedingungen und eben nicht um leistungslose Ämterübernahme auf dem Silbertablett der Frauenquote.

Eine angebliche Benachteiligung kann subjektiv natürlich behauptet werden, ebenso wie ich behaupten kann, ich sei wegen meiner Haarfarbe, ein biologisches Merkmal wie das Geschlecht, lebenslang benachteiligt worden. Ich kann das genauso präzise nachweisen wie die Feministinnen die vermeintliche Benachteiligung „der Frauen“. Nur fordere ich deswegen keine Rothaarigenquote, weil ich eine solche Forderung als die Absurdität weiß, die sie ist.

Ich empfehle generell die Lektüre zweier erhellender Märchen, und zwar:

Erstens: „Der Fischer und seine Frau“, in dem die weibliche Wunschhybris dargestellt und entlarvt wird, und sodann, zweitens: „Die Prinzessin auf der Erbse“, im Hinblick auf die hysterische Dimension des Feminismus.

guenter buchholz
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Prof. Dr. Güter Buchholz, Jahrgang 1946, hat in Bremen und Wuppertal Wirtschaftswissenschaften studiert, Promotion in Wuppertal 1983 zum Dr. rer. oec., Berufstätigkeit als Senior Consultant, Prof. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der FH Hannover, Fakultät IV: Wirtschaft und Informatik, Abteilung Betriebswirtschaft. Seit 2011 emeritiert.

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