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Sind Meinungsfreiheit und Debattenkultur an deutschen Hochschulen gefährdet?

Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt wurde von der Uni Frankfurt als Redner ein- und wieder ausgeladen, weil er nicht ins politisch-korrekte Weltbild passte. Wendt ist kein Einzelfall – wie steht es um die Demokratie an deutschen Hochschulen? Diese Frage stellte auch 3-Sat Kulturzeit am 23. Januar. 

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Ich bin nach meiner Abberufung als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar von einigen Universitäten in Deutschland zu Vorträgen eingeladen worden. Das hat mich sehr gefreut, weil ich große Lust hatte Studierenden meine Ideen über strukturelle Diskriminierung von Männern und den Stand der Gleichstellungsarbeit in Bezug auf Männer vorzutragen und meine Erfahrungen und Ideen zur Diskussion zu stellen.

Meinen ersten Auftritt hatte ich an der Uni Kehl. Dort verlief der Vortrag reibungslos. Es saß nur eine etwas ältere Dame im Publikum, der man ansah, wie schwer es für sie zu ertragen war, etwas über mögliche Diskriminierung von Männern zu hören. Sie verließ dann auch sofort den Raum, als ich geendet hatte.

oiefoasijdsIn Berlin nahm ich auf Einladung des damaligen Leiters im Wissenschaftszentrum an einer Podiumsdiskussion teil. Die Moderatorin der Veranstaltung entschuldigte sich gleich zu Beginn vor dem Publikum und distanzierte sich öffentlich von mir und Mitdiskutanten. Geladene Gäste behandelt man anders, dachte ich. Aus dem Publikum gab es auch Misstöne gegen mich zu hören.

In Köln war ich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen worden. Man hatte mir einen Bodyguard zur Seite gestellt, weil es im Vorfeld erheblichen Widerstand gegen diese Veranstaltung gab. Ich wurde im Verlauf des Abends mehrmals gefragt, ob ich mich sicher fühlte. Während der Diskussion gab es lautstarke Attacken aus dem Publikum. Es ist dem Veranstalter zu verdanken gewesen, dass diese Diskussion dennoch stattfinden konnte.

An der Hochschule in Nürnberg gab es bereits im Vorfeld lautstarke Forderungen mich wieder auszuladen. Die Veranstaltung fand dennoch statt, was dem Geschick des einladenden Professors zu verdanken war. Es wurde vereinbart denjenigen, die gegen meinen Vortrag waren, genauso viel Sprechzeit einzuräumen, wie mir. Im Nachgang der Veranstaltung sprach mich eine Professorin an und räumte ein, dass man in der Uni nicht mehr frei reden könne.

In Wiesbaden gab es ebenfalls bereits vor der Veranstaltung in der Uni Aufrufe und Tumulte, die sich auch während meines Vortrages fortsetzten. Es war nur schwer möglich den Vortrag zu halten, da ich immer wieder lautstark unterbrochen wurde.

Ein Interview zur Diskriminierung von Männern, das ein Redakteur einer Unizeitung telefonisch mit mir führte, wurde nicht veröffentlicht, nachdem der Interviewer von seiner Redaktion zurückgepfiffen wurde, wie er mir persönlich mitteilte. Er war leider nicht bereit, das Interview auf andere Weise, als in der Unizeitung zu veröffentlichen.
An der Uni Frankfurt/Oder gab es keinen öffentlichen Widerstand, aber letztlich einen Boykott. Es kam einfach niemand.

An der Uni Düsseldorf, wo ich an einem Männerkongress teilnehmen wollte, wurde ich als Gast dieser Veranstaltung von etwa 20 protestierenden jungen Leuten davon abgehalten, das Gebäude betreten zu können. Bereits im Vorfeld hatte es massive Drohungen gegeben, sogar persönlich gegen Referenten. Nur mit Polizeischutz gelang es, in das Gebäude zu kommen.

Eine Veranstaltung in Leipzig, bei der ich einen Vortrag hielt, wurde bereits im Vorfeld attackiert und es wurde dazu aufgerufen, diese Veranstaltung zu boykottieren. Vor dem Eingang standen ca. 50 Menschen, die lautstark schrien und trommelten und uns nicht in das Gebäude lassen wollten. Der Start der Veranstaltung verzögerte sich, weil Menschen an die blecherne Gebäudewand trommelten, was bedrohlich und lautstark im Inneren widerhallte.

Ein Vortrag in Freising fand statt, aber auch hier gab es starken Widerstand.

Teilweise haben die Personen, die mich eingeladen hatten im Vorfeld und im Nachgang zur Veranstaltung viel Ärger auszuhalten. Das tut mir leid, aber ich honoriere ihren Mut!

So hatte ich mir das Universitätswesen und die Freie Rede in Deutschland nicht vorgestellt. Sind nicht Universitäten jene Orte, an denen auch zutiefst kontroverse Standpunkte auf den Tisch kommen müssen, sollen und dürfen?

Wäre es nicht so, dann gäbe es wohl die Weise Rose nicht, die Erde wäre immer noch eine Scheibe, wir hätten niemals Penicillin erfunden und keine Ahnung vom Humboldtschen Geist.

Der Beitrag erschien zuerst auf Monika Ebelings Blog „Geschlechter-Demokratie“

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