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Brecht das Schweigen: Männergesundheit an Universitäten

Männliche Studenten sind in den USA und Kanada eine vergessene demografische Gruppe – besonders wenn es um ihre gesundheitlichen und seelischen Bedürfnisse geht.

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Wenn Millionen junger Menschen ihr Universitätsstudium beginnen, erwartet sie eine Zeit voller Hoffnung, Möglichkeiten und Spannung. Dennoch gibt es einige Studenten, die mit besonderen Problemen zu kämpfen haben, was auch mit mangelnder seelischer Gesundheit einhergeht.

Das amerikanische „National College Health Assessment″ stellt fest, dass einer von vier Studenten an einer klassifizierten psychischen Erkrankung leidet. Ein noch größerer Anteil berichtet davon, sich überfordert (70 Prozent) oder besonders einsam zu fühlen (60 Prozent). Diese Erkenntnisse fordern unsere gemeinschaftliche Aufmerksamkeit.

Unterschiede nach Geschlecht

Interessant ist, dass Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Frauen weisen eine höhere Rate an depressiven Störungen auf während Männer häufiger Selbstmord begehen und anfälliger für Suchterkrankungen sind. Zudem nehmen Männer seltener offizielle Hilfsangebote in Anspruch.

An Universitäten in den USA und Kanada gibt es überall zahlreiche Gruppen, Organisationen und Anlaufstellen, die sich mit den Anliegen von Frauen befassen und sich für den Erfolg weiblicher Studenten einsetzen. Diese Angebote sind allgemein akzeptiert und erhalten vielfältige offizielle Unterstützung.

Dem gegenüber stehen nur wenige Gruppen, die sich um die Belange von Männern respektive deren seelische Gesundheit kümmern. In der Tat wird solchen neu entstehenden Männergruppen oftmals die Akkreditierung durch studentische Vereinigungen verweigert und manchen von ihnen schlagen sogar gewaltsame Proteste entgegen.

Ein Beispiel dafür bietet die Ryerson Universität. Sie verweigerte der „Men’s Issues Awareness Society″ für viele Jahre die offizielle Anerkennung und Unterstützung. Ein anderes Beispiel ist Warren Farell – ein renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Männergesundheit. Eine Veranstaltung mit ihm an der Universität Toronto wurde von heftigem Protest, Raufereien und Festnahmen begleitet.

Wo liegt das Problem?

Viele der Gegner halten die Männergruppen für frauenfeindliche „Hassgruppen″. Diese Haltung wird von der Vorstellung getrieben, dass Männer Machtprofiteure in unserer Gesellschaft und Frauen Opfer dieses Machtgefälles seien – eine altbekannte Zweiteilung in Gut und Böse.

Jedoch spiegeln solche manichäischen Dichotomien nicht die vielen Nuancen der wirklichen Welt wider. Ich selbst habe viele Veranstaltungen solcher Männergruppen besucht. Häufig setzen sich diese Gruppen aus gleichen Anteilen von Männern und Frauen zusammen. Diskutiert werden dabei durchaus ernsthafte und fundierte Themen, welche Männer an Universitäten und in der Gesellschaft als Ganzes betreffen.

Worüber wird in diesen Gruppen diskutiert?

Zunächst liegt ein starker Fokus auf Problemen im Bildungsbereich. In vielen Bezirken in Kanada ist die Zahl der Schulabbrecher an der Oberschule unter Jungs doppelt so hoch wie bei den Mädchen. Männer stellen gegenwärtig lediglich 40 Prozent der Universitätsabsolventen. Darüber hinaus nehmen männliche Studenten mit psychischen Problemen auffällig selten öffentliche Hilfsangebote in Anspruch. Folglich leiden sie im Stillen oder greifen zur Selbstmedikation mit Alkohol und Drogen. Diese Männer benötigen Hilfe.

Zweitens geht es um soziale Probleme. So führten weitgreifende ökonomische Veränderungen zu steigender Arbeitslosigkeit unter amerikanischen männlichen Arbeitern und Unqualifizierten in vornehmlich ländlichen Gebieten. Dies birgt Potenzial für familiäre Spannungen und Scheidungen, was wiederum mit Isolation und Entfremdung aller Beteiligten einhergeht. Doch besonders trifft es Jungs. Für Studenten mit einem solchen Hintergrund können Gespräche und Unterstützung hilfreich sein.

Ein drittes Feld sind Gesundheitsthemen. Männliche Studenten zeigen weitaus höhere Raten beim problematischen Konsum von Substanzen wie Alkohol und Drogen. Gleichfalls werden 75 Prozent aller Selbstmorde von Männern verübt. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass Suizidgedanken unter männlichen Studenten deutlich präsenter sind als unter weiblichen.

In der Tat sind es solche gesundheitlichen Probleme, welche die Top-Prioritäten bei besagten Männergruppen ausmachen und vor kurzem wurde ich auch von einer Gruppe der Fraser Universität eingeladen, die sich solchen Männeranliegen widmet. Dort hielt ich einen Vortrag über Selbstmord von Männern (siehe Video unten).

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Viele der Studenten, die sich in solchen Gruppen engagieren, sind in schmerzlicher Weise von solchen Erlebnissen betroffen. So erfuhr ich vielerlei tragische Geschichten dieser Studenten, die entweder von ihren Vätern, Brüdern, Freunden oder ihnen selbst handelten. Diese jungen Männer haben sich in couragierter Art entschieden aktiv zu werden, obwohl sich ihnen viele Anfeindungen und Falschdarstellungen entgegenstellen.

Was ist zu tun?

Gruppen, die sich den Anliegen und der Gesundheit von Männern widmen, bieten einen positiven Raum für vielerlei notwendige Diskussionen über Selbstmord, Suchtprobleme und Schulversagen. All dies sind Themen, von denen Männer überproportional betroffen sind. Solche Gruppen helfen Männern, Unterstützung bei Gleichgesinnten zu finden und hilfreiche Informationen unter betroffenen Studenten auszutauschen. Im Ergebnis können gesündere Studenten, gesündere Familien und eine gesündere Gesellschaft stehen.

Darum habe ich einen offenen Brief veröffentlicht, der sich an Studentenvereinigungen und Hochschulverwaltungen richtet. Sie sollten solche Gruppen unterstützen, angesichts der Tatsache, dass diese Gruppen dringliche Themen behandeln, die gegenwärtig zu wenig Beachtung finden.

Dieser Brief wurde von prominenten Akademikern unterzeichnet – darunter Dr. Jordan Peterson und namhafte kanadische Journalisten wie etwa Barbara Kay. Wir werden diesen Brief den entsprechenden Verantwortlichen an den Universitäten vorlegen und die Antworten darauf mit der Öffentlichkeit teilen.

Meine frühere Studentin und heutige Bloomberg-Journalistin Natalie Wong schrieb vor drei Jahren einen exzellenten Artikel für eine Studentenzeitung mit dem Titel „Die stumme Krise der Männergesundheit an Universitäten″. Traurigerweise ist seitdem wenig geschehen, was die bekannte Radio-Persönlichkeit Danielle Smith diesen Sommer dazu veranlasste, einen aufschlussreichen Beitrag zu veröffentlichen, sein Titel: „Die Krise, über die niemand spricht″.

Ich sage: es ist Zeit, dieses Schweigen zu beenden und offen zu reden – jetzt!

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Der Beitrag erschien zuerst bei „Psychology Today″ – übersetzt aus dem Englischen von Kevin Fuchs

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