Politisches Herzblatt – ein Plädoyer für Transpolitität

„Ich bin schwul – und das ist auch gut so“, aber „Du bist rechts – und das ist gar nicht gut so“

Ein Gedanke, so vernünftig er auch sein mag, jedoch aus dem politisch „falschen“ Lager stammend, wird verteufelt. Es ist nicht wichtig, „was“ jemand sagt, sondern „wer“ es sagt. Muss also Jörg Pilawa mit seiner „Herzblatt“-Trennwand zur Rettung der Demokratie reaktiviert werden? 

Manch einer wird sich an die deutsche Flirtshow „Herzblatt“ erinnern. Drei Kandidaten buhlten mit Charme und Witz um die Gunst des sogenannten Pickers. Warum? Weil der Picker erst nach seiner Wahl sah, wen er da auserwählt hatte. Augenschmaus oder Augengraus? Schließlich isst das Auge mit.

Was offensichtlich für das Auge gilt, gilt „wunderlicherweise“ auch für das Ohr. Wie Wissenschaftler der University of Bath empirisch bestätigen konnten, ist bei hochemotionalen (politischen) Themen nicht wichtig, „was“ jemand sagt, sondern „wer“ etwas sagt. Unmittelbar damit sei das „Freund-Feind“-Denken à la „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ verbunden. Diese für totalitäre Systeme kennzeichnende Denkweise befruchtet mittlerweile den politischen Diskurs in Deutschland.

Von dieser „Freund-Feind“-Etikettierung durch die vielen links-grünen Moralkeulenschwinger können „die alten, weißen Männer“ nur ein Lied singen. Denn als „rechts“ oder gar „rechtsextrem“ werden diese etikettiert. Doch dass nicht immer drin steckt, was auf dem Etikett draufsteht, wird von den selbsternannten Staatsgouvernanten nicht in Erwägung gezogen.

Denn was in dem einen Fall außer Acht gelassen wird, wird in einem anderen Fall wesentlich wohlwollender betrachtet. Das Thema der Sexualität etwa. Dort wird nuancenhaft-penibel zwischen den ganzen Sexualitäten von Homosexualität über Bisexualität bis hin zu Transsexualität differenziert. Hier ein Sternchen, dort ein Binnenstrich und fertig ist das Gendersüppchen.

Daher mein Vorschlag zur politischen Verortung für die Moralretter in Analogie zur gendergerechten Binnendifferenzierung: die Einführung der Transpolitität als Pendant zur Transsexualität. Transpolität wäre sozusagen das Gefangensein im politisch falschen Körper. Zum Beispiel ein klimarettender Tofuliebhaber gefangen im Körper eines „alten, weißen Mannes“. Oder aber ein „alter, weißer Mann“ im moralkeuleschwingenden Körper. Wäre das nicht hilfreich?

Doch manch einer mag fragen, ob nicht Burkas oder gar die Reaktivierung Jörg Pilawas beim „Herzblatt“ eine bessere Lösung wären – schließlich umgehe man hierdurch der optischen Verwirrung. Diesen sei jedoch zu entgegnen, dass es noch „das Wort“ gibt. Und dieses ist dank der politischen Korrektheit glasklar in „gut“ und „böse“ etikettiert. Somit kann sich keiner mehr herausreden. Somit wird man politisch positioniert.

Und das ist der Einsatz des „kritischen“, „zweifelnden“ Wortes aus Sicht des links-grünen Establishments. Nur ein „falsches“ Wort, ein „falscher“ Gedanke und man wird als „rechts“ „entlarvt“. Von „Wir schaffen das nicht“ über „Merkel muss weg“ bis hin zu „Gemeinsame Erklärung 2018“ und man wird „zwangsgeoutet“. Frei nach dem sozialdemokratischen Tanzbär Berlins, Klaus Wowereit: „Du bist rechts – und das ist gar nicht gut so“.

Gar nicht gut, geradezu polemisch, wirkt in Anbetracht gesellschaftlicher Realitäten die Empfehlung oben erwähnter Studienautoren. Sie raten die eigene politische Haltung nicht zu früh in einem konstruktiven Dialog zu offenbaren.

Wahrscheinlich wäre das eine Lösung. Jedoch eine antidemokratische Lösung. Denn im Endeffekt bedeutet es das Verstummen „kritischer“, „zweifelnder“ Stimmen im politischen Diskurs, wie es heutzutage der Fall ist. Schließlich „entlarven“ sich die „Bösen“ mit ihren „bösen“ Gedanken.

Doch stammen Gedanken vom politisch „richtigen“ Lager werden aus den „bösen“ Gedanken schnell einmal „gute“ Gedanken. Man sieht: So schnell kann aus „gut“ „böse“ werden, man muss nur wissen mit „wem“ man sich abgibt.

Deswegen lautet mein Appell: Jörg Pilawa muss die Trennwand des „politischen Herzblatts“ ins Regierungsviertel bringen. Statt im Hohen Haus zu debattieren, chatten die Abgeordneten anonym in digitalen Räumen. Doch nicht mit Worten, sondern mit Emojis. Schließlich haben die Moralkeulenschwinger diese noch nicht etikettiert. Aber das wird mit Sicherheit noch kommen.

 

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