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Die Novelle „Kammerflimmern“: ein Innenblick toxischer Beziehungen

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Im Spätsommer vergangenen Jahres erschien beim Geraer Verlag „Edition Outbird“ die Novelle „Kammerflimmern“ des Autoren Tomas Jungbluth. „Kammerflimmern“ ist nicht irgendeine Novelle, sie leistet sich vielmehr einen in der deutschen Literaturlandschaft bislang einzigartig präzisen Blick in ein Beispiel von Partnergewalt, die im höchsten Maße zerstörerisch ist. Jedoch ist ein Mann hier das Opfer – die Frau ist Täterin.

Ein Paar, zwei hochsensible Menschen, verliebt sich, überhört alle früh auftauchenden Warnsignale und verliert sich schließlich in emotional zutiefst schmerzhaften Widerfahrnissen und mit ihnen in einer hochgradig triggernden Dynamik. Bereits beim Kennenlernen auf einer Party fährt sie, umringt von Männern, einen narzisstischen Film; bereits beim ersten Date spricht sie davon, dass Liebe eine Psychose sei; bereits nach drei Monaten geht sie fremd; wieder und wieder auch demütigt sie ihren Partner vor seinen Freunden, schwankt sie zwischen liebevoller Zuwendung, arroganten Schüben, hoher Zerbrechlichkeit und eisiger Abweisung; wieder und wieder verliert sie sich in hysterischen Anfällen, die sich an Nichtigkeiten entzünden. Mehrere Male schließlich verzeiht der Partner ihr ihren Seitensprung, die mehrmalige Beendigung der Beziehung und all die Demütigungen. Handlungsmuster, die er erst allzu spät als emotionale Abhängigkeit und völligen Selbstverlust erkennen kann.

Wer dieses Buch liest, fragt sich oft, wie ein Mann so mit sich umgehen lassen kann, wieviel eine tief empfundene Liebe eigentlich zulässt und ab wann man(n) sich verliert. Und vielleicht folgt man als Leser dem Reflex, den leidenden Protagonisten zu bewerten. Doch im tiefsten Inneren weiß man, dass es damit nicht getan ist, dass dieser sezierende Voyeurismus nicht ohne Grund so schmerzhaft offen aufzeigt, welch großes emotionales Missbrauchspotenzial Liebe bietet. Zu viele Paare fallen einem mit der aufkommenden Nachdenklichkeit ob der Lektüre ein, bei denen man hinter dem äußeren Schein ähnlich destruktive wie demütigende Panoramen vermuten kann, zu oft hält man beim Lesen inne, weil man sehr genau auch sich selbst wiederfinden kann und muss.

Tomas Jungbluths Buch „Kammerflimmern“ entwickelt schnell einen starken Sog. Man will es nicht mehr aus der Hand legen, wird erfasst von den hohen und tiefen Emotionen, die in dieser auseinander fallenden oder – gemessen an den „Aussetzern“ der im Monolog angesprochenen Partnerin – aus mutwilligem Fatalismus heraus zerstörten Beziehung zutage treten. Keines der geschilderten Erlebnisse möchte man life erleben und doch kommt einem das skizzierte Klima so bekannt vor. Und dabei ist „skizziert“ das falsche Wort, Jungbluth hat eine Begabung, aus Worten reiche Bild- und Emotionslandschaften zu malen, dass es einen manchmal umwirft. Das hintergründige Thema der weiblichen narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird hier in ein Gemälde gepackt, und gerade das macht es so schön, diesen Abgrund zu betreten, und so schwierig, ihn wieder zu verlassen, den „Kammerflimmern“ da aufzeigt.

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