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Das Neue Regime

Das Neue Regime als ein Leviathan, an dem wir gemeinsam bauen

 

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„Das Gesetz der Übereinstimmung wird zur Tyrannei gegen das Individuum.“ Friedrich Schiller

Der Totalitarismus kehrt zurück. Unentdeckt vom öffentlichen Diskurs, oft im Gewande der überlegenen moralischen Position, bildet sich ein neues Regime. Doch es ist unsichtbar. Es herrscht unter uns, zwischen uns, über uns. Es ist, im Unterschied zu einem Hitler oder Stalin, oder anderen Diktatoren der Vergangenheit und Gegenwart, nicht physisch repräsentiert. Es wird gespeist, wie ein Leviathan, aus den Gedanken und Gefühlen von vielen Menschen. Wir geben dem Neuen Regime die Substanz, es speist sich nicht aus Erkenntnissen (welche stets zur Freiheit führen), sondern aus Vorstellungen.

Dieses Neue Regime ist der Herr der „politischen Korrektheit“. Das ist die neue Ideologie. Vieles, was die früheren laut und äußerlich taten, geschieht unter der Herrschaft des Korrektismus leise und mit einem smarten Gesicht. Der Wolf hat sich einen Schafspelz angezogen. Er verbietet abweichendes Denken und nennt sich dabei tolerant. In seinem Namen ist es erlaubt, die öffentliche Meinung zu manipulieren, man hat ja „das Recht und die Gerechtigkeit“ auf seiner Seite. Daß auch der Gesinnungsgegner ein Mensch ist, wird beflissentlich übergangen, denn wer die falsche Meinung hat, darf mit Gnade nicht rechnen.

Der neue Totalitarismus ist unsichtbarer als die alten

Viele Menschen, die tatsächlich guten Willens sind, gehen dieser Strömung auf den Leim, weil sie sich mit moralischen oder moralisch wirkenden Inhalten schmückt. Die guten Inhalte lenken vom Wie dieser Strömung ab: daß diese nicht auf dem Freiheitsprinzip aufruht, sondern daß bei ihm „alle gleich sind, nur einige sind gleicher“(aus George Orwells Animal Farm). Der Korrektismus ist überhaupt, zusammen mit dem Medien- und Überwachungswahn, eine Ausfaltung dessen, was Orwell als Dystopie, als neue Metamorphosestufe des Faschismus vor Augen hatte: Das Prinzip ist das gleiche geblieben, aber es verbirgt sich unter einem Mantel der Täuschung: Das Ministerium für Liebe zum Beispiel, abgekürzt Minilieb, ist zuständig für Folter, Verhör und Hinrichtung.

Das Neue Regime kommt aus diesem Geist, wenn es auch noch nicht „so laut brüllt“, wie Orwell das beschreibt. Aber das Prinzip der Täuschung haben sie gemein (Karen Swassjan: „Das Zeitalter der Aufklebung“) Ein wirklich freies gesellschaftliches/geistiges Leben würde zum Beispiel bedeuten, daß alle Meinungen im öffentlichen Diskurs zugelassen werden und sie von ihrem argumentativen Gehalt her in Wettstreit treten. Das ist gegenwärtig nicht der Fall. Heute gibt es ein „Meinungsmonopol“, gegen das nicht verstoßen werden darf.

Die Waffe ist, entsprechend dem unsichtbaren Regime, ebenfalls unsichtbarer als früher. Man wird sozial geächtet, sprachlich- photographisch oder sonstwie verdreht wiedergegeben, sodaß „kritische Stimmen“ nicht in die Öffentlichkeit gelangen, oder als das Gegenteil dessen, was sie eigentlich wollten. Ich habe selbst einige Demonstrationen miterlebt und hinterher den Bericht über sie gesehen oder gelesen und habe genau dies festgestellt. Dadurch ist mein kritisches Bewußtsein gegenüber dem was öffentlich (gemacht) wird, erwacht.

Das alte System schützt sich, indem es Kritik verunglimpft und Sündenböcke kreiert

Man gilt heute bereits als rechts oder als Verschwörungstheoretiker, was meist zusammengebracht wird, wenn man eine Kritik am bestehenden System äußert, die im Grunde schon die Spatzen von den Dächern pfeifen. Kritik überhaupt ist schon „rechts“-verdächtig. Die „wachen Zeitgenossen“, die noch lauter das vertreten, was alle sowieso schon vertreten, gelten als gut, fortschrittlich und frei, die Kritik übenden als reaktionär und von Ängsten besetzt.

Die neue vermeintliche Moralität, der Korrektheitsdruck, ist, etwas überspitzt formuliert, der Schutzschild eines Systems, das im Untergang begriffen ist. Um dies zu verschleiern, um gewissermaßen in Ruhe untergehen zu können, sucht es instinktiv neue Feinde, die man als die Buhmänner hinstellen kann. Damit soll nicht gesagt sein, daß diese in allem „gut“ seien, sondern daß sie im öffentlichen Diskurs weitgehend diese Funktion einnehmen. Hierzu zählen auch einige der „Neuen Rechten“. Bei ihnen, oder bei solchen, denen das Rechtssein angehängt wird, gibt es viele, die einfach nur ein wahrnehmendes Denken praktizieren, im Unterschied zum sonst geforderten vorstellenden und oft ideologisch verbrämten. Das gilt sicher nicht für alle, aber inzwischen habe ich mich etwas genauer damit beschäftigt, als die Leitmedien es zulassen und hat mich durchaus erschüttert, wie Sachliches und Zutreffendes ich da fand, was mit dem verbreiteten Bild in keiner Weise zusammenstimmt.

Das war ein ähnliches Hallo, wie die Erlebnisse mit den Demonstrationen und den nachfolgenden Berichten. Mit ihnen und anderen Gruppen und Zuschreibungen („Verschwörungstheorie“) geschieht ein klassisches Sündenbockverhalten im öffentlichen Mediendiskurs. Geradeso, wie es auch frühere unfreie Systeme in brenzliger Zeit getan haben – mit Abweichlern, Freidenkern, Kommunisten, Juden und wer noch alles in der Geschichte zum Sündenbock erklärt wurde. Einiges ist dabei, sich um 180 Grad zu drehen, nur als Wolf im Schafspelz. Das wäre ein Thema für sich. Auch Trump paßt in dieses Muster. Nicht daß ich ihn für einen Heilsbringer hielte. Aber er wird konsequent in dieser Weise kommuniziert: Daß er der Böse ist, ist Konsens. Eine abweichende Meinung in den öffentlichen Medien darzustellen, wäre ein Eklat. Wunderbar – durch solche Maßnahmen können all die „anständigen und unbescholtenen“ Polit-Akteure davon ablenken, daß nicht erst ein Trump die Welt an den Abgrund herangeführt hat, sondern ihresgleichen – durch ihr „anständiges und unbescholtens“ Tun seit vielen Jahrzehnten.

Auch das viele Klagen über den „Nationalismus“, der als die Plage der neueren Zeit hingestellt wird . Wunderbar – so kann man hervorragend ablenken von dessen Ursachen, von dem, wovon er nur Ausdruck ist, und diese fein weitertreiben, bis die die Maschine endgültig abstürzt. Zum Beispiel die Beschleunigung und Entgrenzung, bei der die Menschen nicht mehr mitkommen, weil sie eine Dynamik des Kopfes und der Technik, nicht aber des Lebens ist. Ob durch die Medien, die Wirtschaft, oder die Völkerwanderungen.

Ähnliche Sündenbockfunktionen haben übrigens auch die Rauchen-ist-tödlich-Kampagne und der „Dieselskandal“ und sicher vieles andere mehr. Womit ich nicht meine, daß Rauchen und Dieselabgase gut sind für die Gesundheit, sondern die Penetranz, mit der sie in der Öffentlichkeit durchgekaut werden, hat unter anderem auch einen verschleiernden Charakter gegenüber anderen, viel größeren Problemen. Den negativen Auswirkung der Digitalisierung zum Beispiel und der Verstrahung, die damit einhergeht. Auch sonst ist das geradezu usus, daß Nebenschauplätze in den Mittelpunkt gerückt werden und die wirklich brenzligen Themen außer acht gelassen werden vom Kartell aus Medien und Politik.

Doch wovon kündet das „Neue Regime“? – Das Soziale Kunstwerk

Nun will ich aber diese Betrachtung nicht negativ enden lassen, sondern von dem reden, wovon „das unsichtbare Regime“ meines Erachtens kündet. Dem „unsichtbaren Dirigenten“, der ebenfalls durch uns, zwischen uns über uns entstehen sollte. Durch unser freies, wahrnehmendes Miteinander, durch unser Hinorientieren auf die Stimmigkeit, die jeder in Freiheit erfassen kann. Das ist keine Instanz außerhalb von uns, sondern die „Musik“, die aus den Tönen von jedem einzelnen sich bildet, wenn er die Stimmigkeit fühlt und das Erfühlte nach außen setzt.

Das wäre wohl das, was Joseph Beuys mit der Sozialen Plastik gemeint hat. Ein geheiltes Fühlen ist damit gemeint, ein künstlerisches, auf die Stimmigkeit gerichtetes. Durch dieses kann man aus der Freiheit zur Ordnung finden, zu einer Ordnung, mit der jeder einverstanden wäre, weil sie aus jedem hervorgegangen ist. Von dieser unsichtbaren, durch uns, unsere Kreativität und Erkenntnis gebildeten „Instanz“ kündet als das Zerrbild das Neue Regime. Dieses neue Gestaltungsprinzip gälte es auf kleine Gemeinschaften, wie auch auf Staatengemeinschaften anzuwenden, wie etwa die EU.

Was kann man dafür zun? Schiller lesen, zum Beispiel. Seine Ästhetischen Briefe. Und mit ihm erkennen, daß die Bildung, die Erziehung dabei ein Hauptrolle spielt. Hier möchte ich aber auch die Heilung einordnen (Stichwort „geheiltes Fühlen“). Sie muß zu einer künstlerischen, auf Freiheit ausgerichteten Bildung hinzutreten, vor allem bei den Erwachsenen, die ja erstmal dafür sorgen müssen, daß die Gesellschaft diese Richtung nimmt.

Auch die Spaltungsdynamik der Gegenwart beschreibt Schiller genau: Das Auseinanderdriften des verschraubten, verintellektualisierten, Vorschriften machenden oberen Pols des Menschen (heute der Korrektismus, früher der französische Adel und andere, die die Dekadenz dieser Zeit rerpäsentierten, heute meist „links“ zugeordnet) und des unteren Pols, der sich in zunehmender Unflätigkeit und Wut Bahn bricht (bei Schiller der französiche „Mob“, der in seinem Rasen die Adligen und später seine eigenen Anführer lynchte, heute die zunehmenden Selbstmordanschläge, Amokläufe, der Islamische Staat, Wut und Gewalt im Internet und anderes. Aber auch in „Wutbürgerbewegungen“ liegt dieser sich meldende untere/Willenspol als etwas Berechtigtes darinnen. An Raumesrichtungen ist dieser Bauchbereich eher dem „Rechten“ zuzuordnen.) Ja, und vom Schiller geht es dann automatisch in den Beuys über: auf der Grundlage einer geheilten, ihrem Wesen gemäß angelegten Gesellschaft, sind wir auf dem Weg zu einer Sozialen Plastik, zu einem globalen Kunstwerk.

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