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Die Erosion der okzidentalen Kultur

Die okzidentale Kultur der Aufklärung und die islamische Kultur der Scharia stehen in einem Spannungsfeld zueinander. Exemplarisch deutlich wird dies im Bereich der ästhetischen Erziehung, die in engem Bezug zu okzidentalen Kulturtechniken steht.

Mit der Bedeutung ästhetischer Erziehung befasst sich auch Tobias Riegel auf den NachDenkSeiten unter dem Titel: „Deutschland verlernt seine Kulturtechniken“:

„Die musikalische Bildung der Kinder in Deutschland wird fatal vernachlässigt, wie eine neue Studie bestätigt. Das ist für die Gesellschaft selbstzerstörerisch. Und es ist ungerecht, denn es trifft einmal mehr Benachteiligte. Der abwertende staatliche Umgang mit dem Kulturgut Musik offenbart eine soziale Kurzsichtigkeit in Zeiten der Polarisierung. Und er stärkt die Gewissheit, dass sich nur Reiche einen armen Staat leisten können.“

Die Kritik, die hier formuliert worden ist, scheint mir berechtigt zu sein, trifft aber sicher nicht nur für den Musikunterricht zu. Es ist ja ohnehin mindestens utilitaristisch-naiv, wenn nicht geradezu ein direkter Ausdruck von Unbildung zu meinen, daß ästhetische Bildung verzichtbar sei; auf derartige Fehlurteile kann man nur kommen, wenn man nichts weiß über die positiven Rückwirkungen auf Hirn- und Persönlichkeitsentwicklung und auf den menschlichen Bildungsprozeß insgesamt, und das ganz abgesehen von dem Eigenwert des Ästhetischen, der es zu einem Ziel erhebt.

In Zeiten der islamischen Migration, d. h. der globalen Hidjra und der schrittweisen Herausbildung von „Eurabia“ (s. u.) finden zugleich zwei Prozesse statt: zum einen die Nivellierung der schulischen Anforderungen nach unten, weil anders Schule mit vielfach mehrheitlich muslimischen Klassen gar nicht mehr stattfinden kann, zum anderen, aufgrund des Wachstums der muslimischen Gegengesellschaften, die zunehmende gesellschaftliche Ignoranz okzidentaler Kulturtechniken, entweder weil die islamische Welt diese nicht kennt oder weil sie diese verwirft und verbietet.

Die okzidentale Kultur der Aufklärung und die islamische Kultur der koranischen Scharia sind inkompatibel und inkommensurabel, aber dieser antagonistische Widerspruch wird von Islamapologeten und meist hochgradig naiven Multikulturalisten verleugnet, teils aus Unkenntnis, teils aus auch anderen Motiven.

Die notorische Verkürzung heutigen „linken“ Denkens besteht darin, alles ausschließlich auf sozioökonomische Parameter, vorzugsweise auf die Einkommens- und Vermögensverteilung sowie letztlich auf soziale Ungleichheit im allgemeinen zurückzuführen. Soziokulturelle und soziopolitische Einflüsse, Fakten und Gesichtspunkte bleiben in der Regel weitgehend oder gänzlich unberücksichtigt: ein schwerer Fehler. Daher springt die vielfach zu beobachtende geradezu reflexhafte Kurzschlüssigkeit der Argumentation sofort ins Auge; bei den öffentlichen  Äußerungen von Mitgliedern der „Linkspartei“ z. B. findet man jede Menge Belege dafür.

„Gleichheit“ kann so durchaus zu einer fixen Idee im negativen Sinne werden, und vieles von dem, was wir heute z. B. identitätspolitisch inspiriert erleben müssen, hat mit einer mißverstandenen Gleichheitsidee, also mit einer Gleichheitsfixierung zu tun, und am meisten, das ist die Ironie der Sache, unter den „Diversen“. Nichts daran ist „links“, rein gar nichts.

Siehe hierzu:
https://de.wikipedia.org/wiki/Prokrustes

und zum Thema der muslimischen Immigration:

https://hintergrund-verlag.de/rezensionen/bat-yeor-europa-und-das-kommende-kalifat-der-islam-und-die-radikalisierung-der-demokratie/

https://hintergrund-verlag.de/rezensionen/rezension-michel-houellebecq-unterwerfung/

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guenter buchholz
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Prof. Dr. Güter Buchholz, Jahrgang 1946, hat in Bremen und Wuppertal Wirtschaftswissenschaften studiert, Promotion in Wuppertal 1983 zum Dr. rer. oec., Berufstätigkeit als Senior Consultant, Prof. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der FH Hannover, Fakultät IV: Wirtschaft und Informatik, Abteilung Betriebswirtschaft. Seit 2011 emeritiert.

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