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Postkoloniales Durcheinander

Wie Kritik an Corona-Maßnahmen in einen Hut geworfen wird mit Kritik an Gender Studies, Postcolonial Studies oder moderner Kunst

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Im Folgenden wird Bezug genommen auf einen Beitrag im „politischen Feuilleton“ im Sender Deutschlandfunk Kultur vom 2. Juni 2020, der als „Polemik“ klassifiziert wird und in dem Jasamin Ulfat-Seddiqzai fragt: „Ist das noch Wissenschaftskritik oder kann das weg?“

Jasamin Ulfat-Seddiqzai darf im Jahr 2020 regelmäßig im morgendlichen „politischen Feuilleton“ zu den Hörern des Deutschlandfunks Kultur sprechen. So äußerte sie sich am 13. März zu Rassismus, der schon immer in der Mitte der deutschen Gesellschaft verankert sei, am 15. April zu Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Zeit und Frauen in patriarchalen Systemen und nun zuletzt am 2. Juni 2020 zum Thema „Corona-Skeptiker. Ist das noch Wissenschaftskritik oder kann das weg?“ Von Frau Ulfat-Seddiqzai heißt es regelmäßig in der Anmoderation, sie lehre und forsche an der Universität Duisburg-Essen zu britischer Literatur im 19. Jahrhundert – nach Ausweis der Homepage der Universität hat sie vor zehn Jahren einen Magistertitel erworben und ist seit 2011 „Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Anglophone Studien, Sektion Postcolonial Studies“ (https://www.uni-due.de/anglistik/postcolonial_studies/jasamin_ulfat.php).

Ihren Beitrag zu den Corona-Skeptikern beginnt Frau Ulfat-Seddiqzai überraschenderweise mit einer Auseinandersetzung mit der Kritik an den Gender Studies, die von ihren Kritikern „als Beispiel für aus dem Ruder geratene Geisteswissenschaften“ herangezogen, als „Orchideenfach“ klassifiziert oder als „Pseudowissenschaften“ bezeichnet und denen stets die Naturwissenschaften entgegengehalten würden. Dass Frau Ulfat-Seddiqzai sich offenbar selbst angegriffen fühlt, wird deutlich, indem sie im Folgenden auf ihre eigenen Forschungen „als Literaturwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf britischer Kolonialgeschickte“ eingeht, in denen Rassismen herausgearbeitet würden, was in bestimmten Medien (welchen?) als „cancel culture“ diffamiert werde. Dann folgt die überraschende Volte zum Thema der Kritik an Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie, indem deren Vertreter mit den „Genderwahn“-Kritikern gleichgesetzt werden. Im nächsten Schritt werden sie gleichgesetzt mit Menschen, die mit Unverständnis auf moderne Kunst reagieren würden – schließlich werden all diese Einstellungen subsumiert als „kindische Weigerung (…), wissenschaftliche Ergebnisse zu akzeptieren“, als „Unwilligkeit, Fakten zu akzeptieren“, die zuletzt in Morddrohungen gegen den Virologen Christian Drosten und den SPD-Politiker Karl Lauterbach gegipfelt hätten.

Nun könnte man diese Aneinanderreihung von Behauptungen ohne jegliche Belege und voller inhaltlicher und methodischer Unzulänglichkeiten als eine Meinung unter Vielen einfach stehen lassen, aber Anmoderation und Tenor des Beitrags suggerieren eine wissenschaftliche Expertise, die es nicht gibt. Hier darf zu bester Sendezeit im Deutschlandfunk Kultur einfach mal alles durcheinandergeworfen werden: Dies beginnt mit der Behauptung, die Gender Studies würden als stellvertretend für die Geisteswissenschaften gesehen werden und in einen Gegensatz zu den Naturwissenschaften gestellt werden. Erstens gehören die Gender Studies wenn überhaupt zu den Sozialwissenschaften, zweitens sind zahlreiche Kritiker selbst Vertreter von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern und halten keineswegs „als leuchtendes Gegenbeispiel (…) stets die Naturwissenschaften“ hoch, drittens spielt die Begrifflichkeit des „Orchideenfachs“ in dieser Diskussion gar keine Rolle, denn weder die Kritiker noch die Vertreter der Gender Studies verstehen diese als ein solches. Und wo bitte soll der Zusammenhang sein zwischen der Kritik an den Gender Studies und der Kritik an Maßnahmen zur Eindämmung der Virus-Epidemie? Wo der Zusammenhang mit der Kritik an bestimmten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst?

Wenn Frau Ulfat-Seddiqzai schließlich diese ganz unterschiedlichen Diskussionen so zusammengefasst, dass es sich jeweils um die „Unwilligkeit, Fakten zu akzeptieren“ handele, dann zeigt sich der völlige Mangel an wissenschaftlicher Methodik, der diesen Beitrag auszeichnet, der sich herausnimmt, über das Thema „Wissenschaftskritik“ urteilen zu können. Der Beitrag reiht sich vielmehr ein in die Serie der Kommentare von Frau Ulfat-Seddiqzai, in denen diese lediglich ihre eigenen Befindlichkeiten als Muslima mit Migrationshintergrund aus einem stark patriarchalischen Umfeld und Lehrtätigkeit für postkoloniale Studien thematisiert, sich also vor allem selbst erforscht. Mit Wissenschaft hat das jedenfalls nichts zu tun.

Dr. Harald Schulze-Eisentraut ist Herausgeber des Sammelbandes „Die Quotenfalle: Warum Genderpolitik in die Irre führt“ (München 2017) und des Sammelbandes „Gender Studies – Wissenschaft oder Ideologie?“ (Baden-Baden 2019). 

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