Aufgeschlagenes Buch mit gegeneinanderströmenden roten und schwarzen Formen als Symbol politischer Sprache
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Pauline Voss und Julian Reichelt (Hrsg.): „Links – Deutsch / Deutsch – Links“ – eine Rezension von Michael Mansion

Man mag die Zeit in der man lebt benennen wie man mag. Meistens erledigen das im Rückblick die folgenden Generationen. Dabei entkommt man jedoch auf keinen Fall dem jeweils herrschenden Zeitgeist, wobei hier der Hinweis auf das Herrschen bedeutsam ist.

Sprache und politischer Zeitgeist

Julian Reichelt weist im Vorwort des Buches berechtigt darauf hin, dass nichts so mächtig ist wie Sprache und fügt hinzu, die aktuelle politisch-mediale Sprache sei wesentlich links konnotiert.
„Der Marsch durch die Institutionen“ sei bis heute der erfolgreichste Eroberungsfeldzug durch alle Orte, die durch Sprache geprägt sind.
Das ist eine in konservativen Milieus gern gepflegte Argumentation, zu der es fairerweise einiges im Umfeld einer Analyse des Linksseins zu sagen gäbe.
Es dürfte durchaus problematisch sein, einen gebildeten Marxisten (so etwas gibt es!) ideologisch mit denen auf eine Stufe zu stellen, die sich aktuell als Linke begreifen wollen.
Es würde im Rahmen dieser Rezension zu weit führen, den Sachverhalt zu erhellen und wir begnügen uns mit dem Hinweis, dass die aktuellen sogenannten Linken jeden ihnen unangenehmen Widerspruch, jede substanziell kritische Anmerkung, als politisch rechts bis rechtsextrem oder gar faschistisch verteufeln, womit sie sich selbst als links ausgewiesen wissen wollen.
Interessanterweise ist dieses etwas seltsame Linkssein in allen derzeit staatstragenden Parteien im Sinne einer Leitlinie zu verorten, was beim Überschreiten derselben mit gnadenloser Ausgrenzung beantwortet wird. So etwas reicht dann schon mal bis weit in die Reihen der CDU/CSU.

Sprache als Mittel der Ausgrenzung

Hier kommen wir zum Kern der Sache, beziehungsweise zu dem des Buches, in dem sich eine Reihe von bekannten Autoren mit Begriffen beschäftigt haben, die aktuell für solcherlei Ausgrenzungen in Szene gesetzt werden oder, umgekehrt, für das Wahre und das Gute stehen.
Das erfolgt in alphabetischer Reihenfolge auf 175 Seiten, was die Leser nicht überfordert und sehr unterhaltsam bei Laune hält.
Nun ist es ja nicht so, dass dem politisch interessierten Zeitgenossen (und den Zeitgenossinnen natürlich auch) nicht auch selbst etwas dazu eingefallen wäre, also zu den Begriffen, mit denen wir täglich und vor allem medial konfrontiert werden Allerdings ist das, was hier zusammengetragen und kommentiert wurde, nicht nur im Sinne humorvoller Schärfe bisweilen kaum zu übertreffen.
Zusätzlich gelingt es, den irreführenden und nicht selten denunziatorischen Charakter von solcherlei Wortschöpfungen offen zu legen, deren Ziel es ist, mit dem Mittel einer bösartigen Verächtlichmachung und Ausgrenzung, Sprache als Herrschaftsinstrument einzusetzen.
Ist die Methode auch nicht neu, so ist nachhaltig zu fordern, dass sich Vorwürfe, mit denen Kritiker in die Nähe des Faschismus oder eines Totalitarismus gerückt werden, einer empirischen Belastbarkeit stellen müssen. Sie sind ansonsten weit mehr als nur üble Nachrede, denn sie tragen methodisch selbst faschistoide Züge!

Fazit

Ein gut zu lesendes und durchaus wichtiges Buch, da es den Mechanismus von sprachlichem Missbrauch aufzeigt, der eine faire und notwendige Diskurskultur nahezu verunmöglicht.

Bibliografische Angaben

Das Buch hat 175 Textseiten mit Inhaltsverzeichnis und Vorwort.
Zusätzlich 25 Autorenhinweise, sowie Anmerkungen zu den Quellen.
Seitenzahl insgesamt 190
Westend-Verlag
ISBN 978-3-98791-369-3

+ posts

Michael Mansion, geboren am 28.05.1943 in Weißenfels (Sachsen Anhalt).
Seit 1945 im Saarland ansässig und aufgewachsen.
Ausbildung zum Zahntechniker und in diesem Beruf bis 1991 tätig.
Ab 1992/93 Wechsel in den Kulturbereich einer stadtnahen Einrichtung als Geschäftsführer.
In den letzten Jahren hauptsächliche Beschäftigung mit gesellschaftlichen und sozialkritischen Themen und Entwürfen vor dem Hintergrund einer als Staatskrise definierten Entwicklung.
Michael Mansion lebt im Saarland in der Gemeinde Wallerfangen.

Bisherige Veröffentlichungen:

Zur Verteidigung des Ressentiments und andere Bösartigkeiten (Kelkel-Verlag)
Unterwegs (Kelkel-Verlag)
Die Gesellschaftliche Wirklichkeit im Spannungsfeld zwischen Erkenntnis und Verweigerung (Selbstverlag)
Guten Tag zusammen (Roman / BoD-Verlag)
Onkel Albert und andere Zeitgenossen (Kurzgeschichten / BoD-Verlag)
Ungeist als Zeitgeist (Essays, Kommentare u. Briefe /BoD-Verlag)
Politische Literatur unserer Zeit (BoD-Verlag)

Zu den Titeln:

„Die gesellschaftliche Wirklichkeit im Spannungsfeld zwischen Erkenntnis und Verweigerung“
„Zur Verteidigung des Ressentiments und andere Bösartigkeiten“, sowie der Titel
„Unterwegs“, können nur noch beim Autor unter mansion.michael@gmx.de bezogen werden.

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