Eine Flut von Büchern, Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen hämmert seit mehr als fünfzehn Jahren das Bild von ewiggestrigen Feminismuskritikern, die sich anscheinend miteinander verschworen haben, die Frauen zu unterjochen, in die Köpfe der Bevölkerung. Journalisten lassen ihren Fantasien freien Lauf, und gut vernetzte, staatlich finanzierte Organisationen machen geradezu einen Lebensinhalt daraus, sich zwanghaft an Menschen abzuarbeiten, die nichts weiter tun als sachlich begründet und mit Quellen belegt auf Fehlentwicklungen der Politik hinzuweisen.
Dabei sind es immer wieder dieselben Akteure, die Männerrechtlern dämonische Züge andichten, vor allem die Heinrich-Böll-, die Friedrich-Ebert- und die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Mütterlobbys VAMV und Mia, das Frauenministerium und der Deutsche Juristinnenbund, flächendeckend unterstützt von Frauenbeauftragten, die sich irreführenderweise Gleichstellungsbeauftragte nennen. Einzelne Personen wie Thomas Gesterkamp und Andreas Kemper haben sich dabei besonders unangenehm hervorgetan.
Prinzipiell werden bei dieser Kampagne zwei Strategien gefahren, die auch offen benannt worden sind. Thomas Gesterkamp hat die Parole ausgegeben, niemals mit der Männerrechtsbewegung zu reden, sondern grundsätzlich nur über sie, indem er einen „cordon sanitaire“, also einen Sperrgürtel um sie herum forderte, ein aus der Seuchenbekämpfung entlehnter Begriff. Damit hat er nicht nur jede zivile Diskussion und jegliche Chance, gemeinsam Probleme zu lösen, erfolgreich unterbunden, sondern gezielt den Geschlechterkrieg weiter angeheizt. Der Kolumnist Sascha Lobo wiederum hat denjenigen, die an einem Miteinander und an einer Problemlösung nicht interessiert sind, eine primitive Taktik aufgezeigt, wie man sich nicht mit lästigen Argumenten auseinandersetzen muss, sondern Unbequeme ohne große Anstrengung ins Abseits befördern kann, indem man sie nämlich dort packt, „wo es schmerzt, also bei ihrem Wunsch, kein Nazi zu sein“. Zu diesem Zweck müsse man gezielt die Nazikeule einsetzen, d. h. jeden Andersdenkenden als Nazi bezeichnen.
Andreas Kemper hat dieses Prinzip am Exzessivsten umgesetzt, indem er 2017 mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und damit finanziert durch Steuermittel den Internet-Pranger Agent*In ins Leben rief, in dem Feminismuskritiker und überhaupt jeder, der ihm nicht passte, durch bloße Assoziation in einen sinnfreien Zusammenhang mit Rechtsradikalen und religiösen Fundamentalisten gestellt wurden. Alltägliche Einstellungen wurden durch Szene-Etikettierungen wie „Familismus“ oder „Heteronormativität“ zu extremistischen Positionen umgedeutet und Verleumdungen durch suggestive Vokabeln und Passivkonstruktionen juristisch unangreifbar gemacht (A „scheint“ Kontakte zu B zu haben oder C „nahe zu stehen“, X „fiel durch Y auf“). Dennoch waren diese Methoden offenbar selbst vielen Menschen aus der eigenen Filterblase zu eklig, jedenfalls sahen sich die Verantwortlichen aufgrund massiver Kritik gezwungen, den Pranger vom Netz zu nehmen. Was Andreas Kemper nicht davon abhielt, seinen Kreuzzug fortzuführen und sich mit dem Forschungsnetzwerk Reverse einen neuen Partner zu suchen.
Hilfreich sind natürlich auch die radikalfeministischen Seilschaften innerhalb der Wikipedia, die als Administratoren dafür sorgen, dass dort ausschließlich eine ihnen genehme Sicht auf weltanschauliche Fragen vorherrscht. Andreas Kemper manipuliert das Internetlexikon unter dem Tarnnamen „Schwarze Feder“ mindestens seit 2008, beispielsweise mit seinen Versuchen, die Artikel Maskulismus und Misandrie (Männerfeindlichkeit) zu löschen. Seine Schwester im Geiste, Gabriele Mirhoff alias „Fiona Baine“, nahm sich den Wikipedia-Artikel von Don Alphonso vor, dessen Recherchen die Abschaltung von Agent*In im Wesentlichen zu verdanken war, und stilisierte dafür die ehemalige Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane, Leiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, zur Lichtgestalt. Manipulationen wie diese sind in der Wikipedia Alltag und letztlich wenig verwunderlich, da sich das deutschsprachige Projektmanagement des Internetlexikons mit dem Feminismus auf einer Linie erklärt.
Doppelte Standards und Lippenbekenntnisse
Journalisten und der Mob von der Straße mischen bei den Verleumdungskampagnen kräftig mit. Bezeichnend ist dabei vor allem die Doppelmoral: Während Feministinnen im Internet Parolen wie #KillAllMen verbreiten können und die Journalistin Mirna Funk beim Frauen-Onlinemagazin Edition F davon träumt, eine feministische Terrorgruppe zu gründen „und die alten weißen Männer aus dem Weg“ zu schaffen, ohne dass jemand daran Anstoß nimmt, während Pauline Harmange ein Buch mit dem Titel Ich hasse Männer veröffentlichen kann, dem die Leitmedien begeistert huldigen (ZeitCampus: „Männerhass ist eine befreiende Form der Feindseligkeit“), wird jedes Wort eines Feminismuskritikers mit der Lupe daraufhin untersucht, ob man ihm Frauenfeindlichkeit unterstellen könnte, und sei es mit noch so fadenscheinigen Begründungen. Und dieselben Menschen, die Männer ständig nötigen, über ihre Gefühle und Probleme zu reden, werden zur hysterischen Bestie, sobald Männer (und unterstützende Frauen) genau das tun.
Ob beim akademischen Männerkongress an der Universität Düsseldorf 2010, der nur unter Polizeischutz stattfinden konnte, bei der Podiumsdiskussion Mann und Frau – wie soll’s weitergehen? 2011, gegen die Gleichstellungsbeauftragte und der Deutsche Frauenrat Stimmung machten, beim Kongress Elterntrennung aus Sicht der Väter und Kinder in Düsseldorf 2012, der von einem Aufruf im Internet begleitet wurde, die Veranstaltung zu verhindern, weil man es „nicht tolerieren“ könne, dass solchen Menschen eine Plattform geboten werde, bei den ganzheitlichen Genderkongressen in Nürnberg 2015, 2017 und 2019, die die Profiteure des Geschlechterkriegs zu sabotieren versuchten und dabei u. a. verhinderten, dass Politiker lagerübergreifend Grußworte sprachen (Die Leiterin der Bayerischen Leitstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern: „Wir werden dafür sorgen, dass niemand am Kongress teilnimmt“) – wann immer sich Männer zu artikulieren wagen, werden sie mit allen Mitteln von denen, die angeblich Geschlechterstereotype abschaffen wollen, mundtot gemacht. Selbst eine Veranstaltung wie der Kongress Familienkonflikte gewaltfrei austragen von 2018, dessen Thema eigentlich jedem mit einem Funken Menschlichkeit ein Anliegen sein müsste, wurde massiv angefeindet und gestört.
Journalistische Demagogie
Speziell Journalisten sind nicht zimperlich, wenn es gilt, Andersdenkende zu verleumden und Männer durch Hohn und Beschämung auf die ihnen zugewiesenen Rollen zu reduzieren. Der Spiegel schreibt bereits seit 1984 auf die anscheinend für Journalisten einzig vorstellbare Weise über Männer, die sich für die Belange von Männern einsetzen („Jammerkatalog“, „Klage-Litanei“, „restaurativer Rückfall“, „Chauvis“), einige Jahre später fortgesetzt mit derselben Süffisanz („Hilfeschreie aus tiefster Männerseele“, „Wutgeheul“), mit Psychologisierungen („Minderwertigkeitskomplexe“), seitenweisen Klischees und Verallgemeinerungen sowie ungebremstem Hass („Ticken die Männer nicht ganz richtig?“). Entlarvend das Geschlechterbild der Autorinnen, wenn sie empört befinden: „Statt Anpassung an Frauen-Normen ist Widerstand angesagt.“
Ebenso die Zeit (Maskulisten „wollen weit mehr als nur gegen den Feminismus in den Krieg ziehen“), die Welt („Frustrierte Männer: Hass auf Frauen und der Traum von einer Revolution“), der Freitag („Das Bekenntnis zum Antifeminismus funktioniert weltweit als Bindeglied für reaktionäre Kräfte“), die FAZ („Es zeigt sich immer deutlicher, dass Sexismus und Frauenverachtung Triebkräfte der Neuen Rechten sind“) oder das Neue Deutschland („verunsicherte und gekränkte Würstchen“, „Antifeminismus ist eine gefährliche Verschwörungsideologie, die die Einstiegsdroge in den Rechtsradikalismus darstellt. (…) Diese Männerrechtler (…) sind bestens mit Neonazis vernetzt“). In gleichem Ton schreiben nahezu alle anderen überregionalen Tageszeitungen seit Jahrzehnten über Männer, die nichts weiter tun, als ihre Probleme zu benennen.
Thomas Gesterkamp ist hier besonders rührig und schafft es, den mehr oder weniger immer gleichen dünnen Artikel jedes Jahr bei den unterschiedlichsten Zeitungen unterzubringen, was beinahe schon eine tragikomische Note hat. Einige Beispiele: „Rechte Männer in Angst“ (Taz, 2008), „Wölfe im Schafspelz“ (Neues Deutschland, 2017), „Der Kampf gegen den ‚Genderwahn’ ist ein zentrales, oft unterschätztes Thema in Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Selbst ernannte ‚Männerrechtler’ haben diesen Feldzug seit Jahren mit vorbereitet“ (Taz, 2017), „Am virtuellen Stammtisch machen [die deutschen Männerrechtler] sich Mut, verstärken gegenseitig ihr tief sitzendes Ressentiment gegen Frauen im Allgemeinen und Feministinnen im Besonderen.“ (Freitag, 2018), „Väter auf Abwegen“ (Taz, 2018), „Anti-Gender-Kampagnen sind in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Mobilisierungsfeld rechter Bewegungen geworden“ (Freitag 2020), „Männerrechte oder rechte Männer? Wie die Maskulinisten um Einfluss kämpfen“ (Blätter für deutsche und internationale Politik, 2021), „Wie im Rechtspopulismus deuten [Antifeministen] progressive Begriffe um, vertreten aber rückwärtsgewandte Positionen“ (Freitag, 2022), „Antifeministische Strömungen wurden (…) als Element eines rückwärts gewandten Populismus identifiziert. (…) Massenmorde bejubelnde Netzkommentare zeichnen das zwiespältige Bild eines Milieus, das wenig Abstand hält zu gewaltbereiten Rechten“ (Taz, 2022).
Die öffentlich rechtlichen Medien stoßen ins gleiche Horn: „Maskulinisten – Krieger im Geschlechterkampf“ (SWR), „Feindbild Frau“ (SWR), „Die neuen Frauenhasser“ (BR), „Zerrwelt der Frauenhasser“ (NDR), „Wie Männerrechtler sich als Opfer sehen“ (Funk, ein Internetportal von ARD und ZDF), „Wie Frauen in rechten Ideologien zum Hassobjekt werden“ (Deutschlandfunk), „Toxische Männlichkeit. Männer: Das gefährliche Geschlecht“ (Deutschlandfunk) und so weiter und so weiter.
Dann gibt es da noch die staatlich alimentierte Feministinnenlobby wie etwa in Gestalt der Amadeu-Antonio-Stiftung und der von ihr geförderten Projekte, die mit zahllosen Artikeln und Broschüren Stimmungsmache betreiben: „Deutschlands nervigste Antifeminist*innen“ oder „Männerrechtler sind antifeministische bis frauenfeindliche Aktivisten“ oder „’Männerrechtler’ versuchen, (…) Frauen als Täterinnen zu diffamieren. Dies steigert sich zur sexistischen, frauenfeindlichen Hassrede im Internet bis hin zu Mord- und Vergewaltigungsfantasien. Diese Radikalisierung kann in realen Angriffen auf Frauen und LSBTTQ münden“.
Und natürlich flankiert auch der Staatsfeminismus selbst seine journalistischen Hilfstruppen mit eigenen Beiträgen. Das SPD-Parteiblatt Vorwärts etwa erklärt Männerrechtler zum „gesellschaftlichen Problem“, die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), deren Aufgabe eigentlich ist, „Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken“, übernimmt sowohl das plump-feministische Buch We are Feminists in ihre Publikationsliste als auch das Buch Angry white men des Männerhassers Michael Kimmel (Die „‚zornigen weißen Männer’ bilden den Kern antifeministischer und rassistischer Initiativen und lassen sich dabei (…) nur allzu bereitwillig von der äußersten politischen Rechten instrumentalisieren“). Außerdem bringt die BpB in der Reihe „Rechtsextreme Rückzugsräume“ einen Podcast, in dem der Männerrechtsbewegung wie üblich eine Nähe zum Rechtsradikalismus unterstellt und, ebenfalls getreu der oben erwähnten Strategie, empfohlen wird, jede Diskussion mit ihren Vertretern abzulehnen.
Inzwischen haben Journalisten auch keine Skrupel mehr, Männern, die sich für ihre Belange einsetzen, die Schuld an Massenmorden in die Schuhe zu schieben. Etwa Alexander Harder im Freitag: „Im Internet wächst die Gemeinde der neuen Maskulinisten. Deren Gedankengut hat schon Leben gekostet“. Oder Sebastian Leber im Tagesspiegel: „Etliche rechte Attentäter der vergangenen Jahre waren Antifeministen“. Oder Michèle Binswanger im Schweizer Tages-Anzeiger: „Wie Männerbewegungen sich im Internet zu terroristischen Anschlägen radikalisieren“. Oder Elsa Koester nach dem Amoklauf von Toronto im Freitag: „Schaffen es Maskulinisten, psychisch labile Männer mit einer Umwandlung ihres Ohnmachtsgefühls in Hass auf Frauen abzuholen (…)? Haben wir es dann sogar mit einem maskulinistischen Terroranschlag zu tun?“ Oder Kerstin Wolter und Alex Wischnewski unter dem Titel „Einstiegsdroge Frauenhass“ im Neuen Deutschland: „Emanzipierte Frauen werden zum Hassobjekt ausgerufen. Bei der Amokfahrt in Toronto im April und bei einem Attentat 2014 in den USA gipfelte dieser Hass in der Ermordung von Frauen.“ Oder Veronika Kracher in der Taz: „Todeszone Mann“. Und Donna Zuckerberg, Schwester des Facebook-Gründers, erklärt: „Die Gefahr, die von Männerrechtlern ausgeht, darf nicht unterschätzt werden“.
Studiendemagogie
Um ihrer Hetze einen pseudowissenschaftlichen Anstrich zu geben, werden ständig neue sogenannte Expertisen oder Studien produziert, die sich in pauschalen Unterstellungen ergehen und im Grunde nichts weiter sind als die Hassattacken der Presse, nur etwas aufgeblähter. Vor allem vier Stiftungen versuchen, manchmal in konzertierten Aktionen, den öffentlichen Diskurs in ihrem Sinne zu manipulieren, nämlich die Friedrich-Ebert-, die Rosa-Luxemburg-, die Amadeu-Antonio- und allen voran die Heinrich-Böll-Stiftung.
Thomas Gesterkamp (2010) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung: Geschlechterkampf von rechts. Erfolgreich gelang es dem Autor damit, eine offene Debatte zu verhindern, denn die Broschüre wurde über die einschlägigen Frauennetzwerke und Gleichstellungsbeauftragten landesweit verteilt und diente fortan als Begründung, einem Dialog mit der kritischen Männerbewegung aus dem Weg zu gehen.
Andreas Kemper (2011): (R)echte Kerle (Unrast Verlag).
Andreas Kemper (Hg., u. a. mit Beiträgen von Thomas Gesterkamp, Jörg Rupp, Hinrich Rosenbrock und Robert Claus, 2012): Die Maskulisten. Organisierter Antifeminismus im deutschsprachigen Raum (Unrast Verlag).
Hinrich Rosenbrock (2012) für die Heinrich-Böll-Stiftung („intensiv mitbetreut“ durch Ilse Lenz): Die antifeministische Männerbewegung.
Regina Frey, Marc Gärtner, Manfred Köhnen und Sebastian Scheele (2013) für die Heinrich-Böll-Stiftung: Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie, eine Broschüre, die sich einer besonders perfiden Abart der Unterstellung bedient, Feminismuskritiker seien rechts: „Es wäre verzerrend, die Kritik eines Spiegel-Redakteurs mit der FPÖ oder gar der NPD gleichzusetzen. Es gibt jedoch durchaus argumentative Schnittstellen“.
Robert Claus (2014) für die Friedrich-Ebert-Stiftung: Maskulismus, Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass.
Carsten Wippermann (2016) für das Frauenministerium: Männer-Perspektiven. Auf dem Weg zu mehr Gleichstellung?
Franziska Schutzbach, Katharina Pühl und Henning von Bargen (2017) für die Heinrich-Böll- und die Rosa-Luxemburg-Stiftung: „Gender raus!“ 12 Richtigstellungen zu Antifeminismus und Genderkritik.
Dorothee Beck und Barbara Stiegler (2017) für die Friedrich-Ebert-Stiftung: Das Märchen von der Gender-Verschwörung. Argumente für eine geschlechtergerechte und vielfältige Gesellschaft.
Laura Chlebos, Milan Fröhlich, Marius Hellwig, Simone Rafael, Judith Rahner, Jan Riebe und Rachel Spicker (2018) für die Amadeu-Antonio-Stiftung, gefördert vom Frauenministerium: Antifeminismus als Demokratiegefährdung?! Gleichstellung in Zeiten von Rechtspopulismus.
Judith Rahner, Franziska Schindler und Rachel Spicker (2020) im Auftrag des Deutschen Frauenrats für die Amadeu-Antonio-Stiftung: Auswirkungen von Antifeminismus auf Frauenverbände – Demokratie-Empowerment als Gegenstrategie.
Dorothee Beck, Thomas Gesterkamp, Andreas Kemper, Barbara Stiegler und Henning von Bargen (2021) für die Heinrich-Böll-Stiftung: Antifeminismus auf dem Weg durch die Insitutionen.
Tobias Ginsburg (2021): Die letzten Männer des Westens. Antifeministen, rechte Männerbünde und die Krieger des Patriarchats (Rowohlt Verlag).
Im Prinzip laufen all diese Studien oder Expertisen nach demselben Muster ab: Es gibt weder ein methodisches Konzept noch eine systematische Vorgehensweise, weder eine Offenlegung der Auswahlprinzipien noch Begriffsdefinitionen, weder Begründungen noch Belege (von einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten abgesehen), erst recht keine Links zu den angeblichen Positionen der Angegriffenen, sodass sich die Leser kein eigenes Bild machen können. Behauptungen ersetzen Belege, Klischees und Vorurteile prägen die Schriften, in denen bereits die kritische Auseinandersetzung mit feministischen Positionen als undemokratisch diffamiert und mit Frauenverachtung gleichgesetzt wird. Kritiker werden durchweg in die Nähe zum Rechtsradikalismus gerückt. Sexistischen Pöbeleien vereinzelter Außenseiter in Internetforen wird breiter Raum gewidmet und als Haltung „der Männerrechtler“ dargestellt, Personen und Organisationen hingegen, die die Bewegung prägen, werden entweder ignoriert oder mit den Pöblern in einen Topf geworfen und mit Pauschalurteilen abqualifiziert.
Mit Argumenten wird sich grundsätzlich nicht auseinandergesetzt, geschweige denn deren Berechtigung untersucht, sondern es geht lediglich darum, sie rhetorisch zu unterlaufen, und zwar durch die üblichen demagogischen Tricks: Diffamierung, persönlicher Angriff, Strohmannargumente, Kontaktschuld. Es interessiert nicht, was jemand sagt und ob das richtig ist, sondern nur wo er das sagt oder wem er von fünfzehn Jahren mal die Hand gegeben hat. Andreas Kemper, der gern als „Szenekenner“ hochgespielt wird, genügen freie Assoziationen, um jemanden als rechts, homophob oder antisemitisch zu diffamieren (Kritik an Judith Butlers Ideologie etwa ist für ihn automatisch antisemitisch, weil sie Jüdin ist), Thomas Gesterkamp hat einen ähnlich simplen Standardtrick: Wer als Feminismuskritiker offensichtlich progressiv, demokratisch, liberal, links ist, versucht nach Gesterkamps Lesart einfach nur, seine wahren Absichten zu vertuschen.
Seriöse Bewegungen zeichnen sich durch Kritikfähigkeit aus. Ein Feminismus, der Argumente auf seiner Seite hätte, hätte es nicht nötig, auf Kritik mit Demagogie zu reagieren. Nur Sekten reklamieren für sich göttliche Unfehlbarkeit.
Seminardemagogie
Eine andere Möglichkeit, Seriosität vorzutäuschen, besteht in Workshops und Seminaren, die auch dazu dienen, noch nicht oder nicht hinreichend indoktrinierte Menschen auf Linie zu bringen. Vertreter derer, über die dort hergezogen wird, werden selbstredend grundsätzlich nicht eingeladen. Einige Beispiele:
2010: Männerrechtler_innen – die Bewegung, ihre Positionen und Handlungsfelder, in Mainz vom dortigen Frauenbüro und dem Asta-Frauenrat organisiert, geleitet von Isolde Aigner.
2012: Eine feministische Männerkonferenz, veranstaltet in Berlin vom Frauenministerium unter Mithilfe der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Verein Dissens und dem Bundesforum Männer. Redner u. a. Thomas Gesterkamp.
2013: Frauenfeindlichkeit, veranstaltet von und in der Evangelischen Akademie Tutzing unter Leitung von Ulrike Haerendel, zusammen mit der Evangelischen Staatsakademie München und der Gleichstellungsstelle der Landeshauptstadt München. Hauptreferent: Hinrich Rosenbrock.
2014: Angry white men – Maskulinität am Ende einer Ära, veranstaltet von der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Bundesforum Männer, dem Verein Dissens und der Europäischen Akademie für Frauen (EAF). Gastredner: Michael Kimmel, dessen Buch eine Denkschablone propagiert, die politische Debatten seither maßgeblich mitbestimmt, dass nämlich weiße Männer nicht etwa deshalb zornig sind, weil sie mit realen sozialen Problemen konfrontiert werden, sondern weil sie verlorenen Privilegien nachtrauern würden.
2014: Maskulinismus und Antifeminismus in Bochum, Rednerin u. a. Ilse Lenz. Kritische Fragen im Anschluss werden niedergerufen, die weibliche Redeleitung erklärt: „Wir führen hier keine Dialoge.“
2016: Gender Gaga?! Kritische Analysen der Anti-Gender-Bewegung und Gegenstrategien für die Kirche, veranstaltet vom Evangelischen Zentrum Frauen und Männer und der Gleichstellungsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche.
2019: Wissenschaft im Visier von Antifeminismus, ein Workshop der GEW in Kassel mit Ilse Lenz und Frauke Gützkow, die im Geschäftsführenden Vorstand die Frauenpolitik der GEW verantwortet.
Vor allem aber werden Seminare angeboten, in denen man lernen kann, wie man sich gegen Kritik immunisiert, ohne sich mit deren Inhalten auseinandersetzen zu müssen:
2015: Wer will die Uhr zurückdrehen? Strategien gegen Anti-Feminismus und Homophobie, veranstaltet von den Grünen im Anhörungssaal des Bundestages. Referenten u. a. Volker Beck, Sabine Hark und Anne Wizorek. Die im Titel erwähnten neuen Strategien bestehen offenbar darin, Feminismuskritikern zu unterstellen, sie würden von Russland finanziert werden.
2016: Gegner*innenaufklärung, veranstaltet von der Heinrich-Böll-Stiftung („Antifeminismus ist ein Angriff auf Frauen“). Redner u. a. Ilse Lenz, Andreas Kemper, Thomas Gesterkamp.
2017 finanziert das Bildungsministerium das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg mit knapp 1 Million Euro dafür, im Projekt Reverse Antifeminismus zu erforschen und Handlungsstrategien gegen unerwünschte Kritik zu entwickeln. Das Ergebnis steht bereits zu Beginn fest: „Anti-Feminismus spaltet die Gesellschaft. Das gefährdet die Akzeptanz von Pluralität [!] und damit verbunden auch die Werte einer Demokratie“ (Gender-Professorin Annette Henninger). Die Frage darf gestellt werden, weshalb Feminismuskritiker dem Ministerium so wichtig sind, eine Million Euro für ihre Erforschung auszugeben, aber nicht wichtig genug, um mit ihnen zu reden.
Nach alledem sollte es nicht überraschen, dass die Amadeu-Antonio-Stiftung „eine:n Bildungsreferent:in“ zur Überwachung von Feminismuskritik sucht, Alice Schwarzer gesetzliche Maßnahmen gegen Feminismuskritiker fordert und mehr als zwanzig NROs, darunter die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Einrichtung eines „Demokratieministeriums“ verlangen, in dem Antifeminismus als Hasskriminalität erfasst werden soll.
Fazit
Warum dieser Aufwand, wo die Männerrechtsbewegung doch, wie Feministinnen und ihre Helfershelfer nicht müde werden zu betonen, aus lediglich ein paar hundert verirrten Seelen besteht? Warum diese Angst, Männer könnten sich ohne feministische Aufsicht über ihre Situation unterhalten, warum die Panik, Außenstehende könnten zuhören, ohne zuvor darüber gebrieft worden zu sein, wie sie das Gehörte zu bewerten haben? Das schiere Ausmaß an Ressourcen, Personen, Steuermitteln, die gegen Feminismuskritiker in Marsch gesetzt werden, steht in keinem Verhältnis zum Anlass und zeigt nur allzu deutlich, was dahintersteckt: Männerhass und das Opferabo Frau sind eine gigantische Industrie, und deren Profiteure wollen nicht auf ihre Pfründe verzichten. Ganze Berufsgruppen leiten schließlich ihre Daseinsberechtigung dadurch her. Die Frauenministerin und ihr Personal, Tausende von Frauenbeauftragten in Politik und Industrie, Quotenfrauen, Frauennetzwerke, die Mütterlobby in Verbänden wie VAMV oder MIA, die Frauenlobby in EU und UN, der Deutsche Frauenrat, der Deutsche Juristinnenbund, Scheidungsanwälte, Verfasser manipulierter Geschlechterstudien und und und – wo wären sie ohne den Feminismus?
Dass es Feministinnen vor allem darum geht, ihre finanziellen Privilegien zu verteidigen, wird durch den skandalösen Umgang mit dem Forum Soziale Inklusion (FSI) deutlich, ein ehrenamtlich geführter Verein, der sich für echte Gleichberechtigung und somit auch für die Bedürfnisse von Männern einsetzt und 2021 Fördergelder bewilligt bekam, deren Auszahlung das Frauenministerium mit fadenscheinigen Begründungen bis heute verweigert. Es weiß sich darin einig mit der Feminismuslobby in Politik und Medien, die in konzertierter Aktion ihrer Empörung über die Bedrohung ihrer Besitzstände freien Lauf ließ. Der Deutsche Frauenrat, die Grünen, die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, die Mütterlobby MIA, der politische Informationsdienst ZWD, dpa, Spiegel, Taz, Neues Deutschland, Süddeutsche, Focus, Augsburger Allgemeine, Thomas Gesterkamp und Andreas Kemper – die feministischen Seilschaften hetzen und verleumden wie seit Jahrzehnten, um ihre Pfründe zu sichern.
Der Artikel erschien zuerst auf Das Alternativlos-Aquarium.
Gunnar Kunz hat vierzehn Jahre an verschiedenen Theatern in Deutschland gearbeitet, überwiegend als Regieassistent, ehe er sich 1997 als Autor selbstständig machte. Seither hat er etliche Romane und über vierzig Theaterstücke veröffentlicht, außerdem Kinderbücher, Hörspiele, Kurzgeschichten, Musicals und Liedertexte. 2010 wurde er für den Literaturpreis Wartholz nominiert.