SPD-ils617

Die Frauenquote ist eine Niederlage!

Die Hauszeitung “Vorwärts”  der deutschen Sozialdemokratie liegt vor wenigen Tagen wieder in meinem Briefkasten. Wie immer blättere ich etwas lustlos drin herum und suche nach Beiträgen, die mich interessieren könnten.

SPD-ils617

Ich lese vom Stolz eines Genossen, in der SPD zu sein, davon, dass Vielfalt der Partei gut tut und dass die SPD eine Politik machen will, in der kein Kind zurückgelassen werden soll.

Dazu braucht es nur „tolle Kitas”, ist sich Manuela Schwesig sicher. Ich stöhne, weil ich weiß, wie problematisch die Situation in den Kitas wirklich ist und wie wenig Anstrengungen auch SPD regierte Länder beim Ausbau von Kitas und deren Qualitätssteigerungen unternommen haben.

Schon auf den ersten Seiten steigt mein Puls und ob der Vereinfachung der Argumente und ihrer Plakativität regt sich spontaner Widerspruch in mir. Man titelt dann weiter, dass jede (!) eine Chance auf Arbeit bekommen soll, vor allem Mütter. Da ist er wieder, der Druck aufs arbeitspolitische Gaspedal zu Lasten von uns Frauen. Am Ende der Lektüre der Zeitschrift dann die Botschaft eines Sieges, den braucht es, um politische Wohlfühlatmosphäre zu verbreiten. Die Frauenquote bekommt einen Lorbeerkranz, sie soll nämlich vor 25 Jahren gesiegt haben.

Liebe Genossen und Genossinnen, so einfach ist das aber nicht. Einen Sieg auszurufen, nur weil man damals auf dem Parteitag im Münster in einer offenen Abstimmung mit 416 Ja- und 54 Nein-Stimmen eine fragwürdige und verfassungsrechtlich nicht unbedenkliche Frauenquote beschlossen hatte, halte ich für extrem verfrüht. Die Frauenquote muss sich an der Realität messen und sich anhand der innerparteilichen Entwicklung bewähren. Eine Sache ist nicht nur deshalb gut, weil sie beschlossen wurde und es Nachahmer dieses Beschlusses gibt. Wenn einer Mist baut und viele diesen Mist nachmachen, dann bleibt es dennoch Mist.Gleichberechtigungsfalle-jkid8924

Allein die wenigen Zahlen, die Thomas Horsmann in seinem Beitrag in der Rubrik Historie vorlegt, nähren weiter meine berechtigten Zweifel an der Frauenquote. Er schreibt, “der Anteil der Frauen in der SPD Bundestagsfraktion betrug damals gerade mal 16 Prozent” und, dass “der Anteil von Frauen als Mitglieder in der SPD seit 1988 auf über 31 Prozent gestiegen” sei. Aha, denke ich spontan, die SPD setzt sich also für eine Frauenquote ein, die höher ist als die tatsächliche Zahl weiblicher Mitglieder. Komisch. Und mal unter uns Betschwestern, die Anzahl der weiblichen Mitglieder gemessen an der weiblichen Repräsentanz in der Bevölkerung ist mit 31 % nicht gerade hoch.

Ich stutze. Damals sollte anscheinend die Frauenquote den Frauen den Weg in die SPD ebnen und es könnte damit der zahnlose Versuch gewesen sein, die Zahl der weiblichen Mitglieder in der Partei erhöhen zu wollen. Thema verfehlt, Aufgabenziel nicht erreicht. Setzen! Sechs!

Wie die Zeitschrift Die Welt (25.2.2013) berichtet, hatte die SPD zum Ende des vergangenen Jahres 477.037 Mitglieder. Das ist die geringste Mitgliederzahl seit dem Zweiten Weltkrieg, heißt es. Seit 1990, also kurz nach Einführung der Frauenquote, hat die SPD die Hälfte ihrer Mitglieder verloren.  Wie Klaus Funken berichtet, geben deutlich mehr männliche Mitglieder als weibliche Mitglieder ihr SPD Parteibuch zurück.

Dieser Mitgliederschwund auch von Frauen schlägt sich allerdings kaum in den Führungsgremien nieder. Es werden munter Ämter an die wenigen Frauen vergeben, die die Partei aufzubieten hat, damit sich die Statistik gemäß der Frauenquote sehen lassen kann und das politisch korrekte Schaufenster in der Republik stimmt.

In einigen SPD Führungsgremien gibt es sogar Spitzenwerte, die bis in die 60% Frauenanteil gehen. Demgegenüber haben allerdings in weniger als 20% der Ortsvereine Frauen den Vorsitz und verzichten lieber gleich auf die sogenante “Ochsentour”.

Die Frauenbewegung hatte ja bereits vor dem Münsteraner Parteitag in Deutschland mächtig auf den Putz gehauen und mit dem §218 für ihre wesentlichen Wünsche sensibilisiert. Wen Frauenrechtlerinnen zur Durchsetzung Ihrer Ziele nicht gebrauchen können, lautet die Botschaft, der/die wird niedergemacht. Wer sich Frauenrechtlerinngen in den Weg stellt, den wissen sie zu beseitigen, war und ist die unverhohlen ausgesprochene Botschaft radikaler Feministinnen, die es gerade in der SPD ausreichend gibt.

Mir scheint, den Frauenkämpferinnen gehen immer mehr die Mittel aus. Inzwischen argumentieren junge Feministinnen bereits mit ihren frischen Brüsten und glauben, die seien so bedeutungsvoll, dass man mit dieser Offenbarung die Welt verändern könnte. Weit gefehlt!

Hans Apel schreibt (in „Der Abstieg, Politisches Tagebuch 1978-1988“): “Doch bis auf wenige Ausnahmen sind wir alle elende Feiglinge. Wir haben Angst vor der organisieren Kraft der Frauen”. Apel proklammiert hier eine Haltung, die Männer und Frauen gegenüber organisierten Frauen schleunigst aufgeben sollten. Eine solche Aussage ist doch kein Ausverkauf eines Marktschreiers, der seine letzten Fische noch verkaufen möchte. Es sollte die Aufforderung an uns sein, sich aufrecht hinzustellen, das Rückgrat zu straffen und mutig voranzugehen. Die Quote muss weg!

Jeder macht mal Fehler, das ist keine Schande, aber eine Chance. Die SPD hat mit jedem Parteitag die Chance, den Fehler, den Antrag 244 auf dem Münsteraner Parteitag 1988 beschlossen zu haben, auszubessern. Sie kann die Frauenquote zurücknehmen und damit einiges wiedergutmachen.

Die Frauenqoute ist und bleibt weit mehr eine Niederlage als ein Sieg. Sie hat die weibliche Lust auf politische Arbeit kaum gesteigert. Sie setzt billig auf bloße Repräsentanz von Frauen im politischen Schaufenster. Die Frauenquote ist ein Blendwerk, mit dem die SPD gute politische Arbeit von Frauen und Männern ausverkauft.

Als politisches Instrument ist die Frauenquote eine Lachnummer. Sie sollte, nach ihrem kurzen Auftritt in der Geschichte der SPD, ihren Hut nehmen dürfen und freundlich aber bestimmt aus der politischen Arena komplementiert werden!

Der Artikel erschien zuerst bei Geschlechterdemokratie.

 

Ähnliche Beiträge

  • Ein Manifest für den Mann?

    Ein „Manifest für den Mann“ – das müsste doch was für mich sein! Noch dazu ein „notwendiges“. Die erste Forderung, die Ralf Bönt aufstellt, lautet: „Wir brauchen das Recht auf ein karrierefreies Leben.“ Das passt gut zu der Hintergrundmusik, die wir gerade hören: Da singt ein großer Chor von besseren Karrierechancen für Frauen und stimmt das Lob auf die Quote an, weil sie dafür sorgt,…

  • Rechts, links, Feminismus

    Warum der Feminismus weder rechts noch links oder vielleicht auch beides ist Als ich in Göttingen studierte, hielt die NPD dort regelmäßig Demonstrationen ab. Deren Hintergrund: Während Rechtsaußen-Akteure im südniedersächsischen Umland gut vertreten waren, schafften sie es nicht, in der Studentenstadt Fuß zu fassen. Wir verstanden die regelmäßigen Demonstrationen also als eine Art Kampfansage, und so nahmen wir – viele Freunde und ich – regelmäßig…

  • Die Diskriminierung des Mannes

    Über die negativen Auswirkungen des Feminismus Fast jede Form des sozialen Wandels kann zu Konflikten führen. Denn Wandel löst komplexe Alltäglichkeiten auf, die sich innerhalb von Kulturen, sozialen Schichten, Ethnien und im Arrangement der Geschlechter als Selbstverständlichkeiten etabliert haben. Solchen Wandel wollte auch die Frauenbewegung bewirken. Sie hat es erfolgreich getan. Unter dem Einfluss des Feminismus hingegen, der ein Resultat der sich auflösenden Frauenbewegung war,…

  • Zombie-Feminismus, Antisexismus und Demokratie

    „Es gibt nur einen Feminismus“, sagt die Grüne Renate Künast. „Zu keinem Zeitpunkt gab es nur einen Feminismus wie die in Stein gemeißelte Lehrmeinung, sondern seit den Anfängen standen stets mehrere Konzepte nebeneinander“, sagt die grüne Böll-Stiftung. Wer das wiederum für einen Widerspruch hält, kennt sich nur mit dem Thema nicht richtig aus. Wer sich aber mit dem Thema nicht richtig auskennt, wird möglicherweise schnell…

  • Feminismus als Demokratiedystopie – #DHMDemokratie

    Warum der moderne Feminismus nicht nur sich selbst gefährdet  Das Deutsche Historische Museum hat Cuncti unter dem Hashtag #DHMDemokratie zu einer Blogparade eingeladen. Das Thema: Was bedeutet mir Demokratie. Lesen Sie heute einen Beitrag unserer Autorin Bertha Stein. Jeder liberal denkende Mensch befürwortet die Gleichberechtigung von Mann und Frau, begreift sie als essentiellen Bestandteil der Demokratie. Der moderne Feminismus aber entwickelte sich zu einer hyperaktiv-autoritär salonfähigen Ideologie, die Mann…

  • Von müden Helden und unwichtigen Toten – eine Zeit-Kritik

    „Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist.“ Anstatt einfache Zuschreibungen zu liefern, welches Geschlecht mächtig und welches hilfebedürftig – oder: der Hilfe wert – sei, plädiert der Text, aus dem…