Gesellschaft

  • Vietnam. Der Traum von der Familie

    Es fängt gut an. Ich mag die Leute, die hier vorübergehen, sie sind mir auf Anhieb sympathisch. Ich sitze etwa eine Stunde lang in Hanoi auf einer Bank am Hoan-Kiem-See – dem See des zurückgegebenen Schwertes – und gucke sie mir einfach nur an: junge Familien, die heiter und entspannt wirken und sich zwanglos berühren. Es liegt eine Stimmung in der Luft wie an einem…

  • Wie wir zur Zensurgesellschaft werden

    Ich sag’s ja immer: Bei uns ist der größte, schärfste und gefährlichste Zensor nicht der Staat, sondern die Gesellschaft selbst. Und gerade der Feminismus betreibt das immer schlimmer, etabliert bei uns die Zensur immer stärker. In der amerikanischen, Feminismus-kritischen Literatur wird das schon sehr deutlich beschrieben, dass das dort alles auf dem sogenannten „Silencing” beruht, wo man sich nicht nur niemals Gegenargumenten oder einer inhaltlichen…

  • Die Servicementalität in der Sterbehilfe

    In einer demoralisierten Gesellschaft wird der Ruf nach Legalisierung der Sterbehilfe immer lauter – da ist ein Haken dabei. Viele Menschen sind plötzlich mit einer furchtbaren Gewissheit konfrontiert: Sie werden mitten im Leben von einer sicher tödlichen Erkrankung befallen oder sehen am Ende ihres Lebens einem sicheren Siechtum entgegen. Die eben noch gesunden, zum Sterben eigentlich noch zu jungen Menschen durchlaufen die psychologisch bekannten Stadien…

  • US-Psychiater wollen endlich verlässliche Diagnosekriterien

    Wer derzeit mit einer psychischen Störung diagnostiziert wird, der wird dies in den USA auf Grundlage der Diagnosekriterien wie sie im noch aktuellen DSM IV, dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder, und in Europa auf der Grundlage von ICD-10, der International Classification of Diseases (ICD) festgelegt sind. Mit beiden Klassifikationssystemen verbinden sich erhebliche Probleme: Die Diagnosekriterien sind subjektiv und weich, die auf íhrer…

  • Diversity Management – wem nützt das?

    Diversity ist ein Modebegriff, der auch in der Betriebswirtschaftslehre und in der unternehmerischen Praxis eine gewisse Rolle spielt. Aber es ist eine naive Selbsttäuschung oder ein Ausdruck von Einfalt zu meinen, mit diversity sei Vielfalt im Sinne von Heterogenität gemeint. Fragt man, was der Begriff wirklich – und das heißt praktisch – bedeutet, dann stößt man auf eine strategische sprachpolitische Täuschung. Es fällt auf, dass…

  • Freud, Epiktet und die Meinungsfreiheit

    Meinungsfreiheit ist ein kostbares Gut. Sollte man ihr Grenzen setzen? Oder lassen sich Argumente für uneingeschränkte Meinungsfreiheit finden? Zur Meinungsfreiheit gehören zwei Seiten: derjenige, der eine Meinung äußert, der Adressant, und derjenige, der eine Meinung empfängt, der Adressat. Wenden wir uns zunächst dem Adressanten zu. Die Psychoanalyse fordert, dass ein Patient über alles frei, offen und somit tabulos sprechen soll. Nur so kann er seine…

  • Kollektive Jagd auf einen vermeintlichen Kinderschänder

    Was weibliche Wichtigtuerei anrichten kann Wie fühlt es sich an, wenn man zu Unrecht des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird? Dieser Frage hat sich der dänische Regisseur Thomas Vinterberg mit seinem neuen Epos „Die Jagd“ gestellt. Ich halte den Film, der seit 28.03.13 in den deutschen Kinos läuft, für einen Meilenstein, nicht nur weil er perfekt gemacht und spannend wie ein Hitchcock-Psychodrama ist. Auch nicht, weil…

  • Über die kleinen Leute

    Im VSA Verlag Hamburg ist ein Arbeitsrechtsprozess dokumentiert worden, der bundesweit bekannt wurde, weil es gegenüber einer langjährig tätigen Verkäuferin (Emmely) in einem Supermarkt zu einer fristlosen Kündigung aufgrund einer Bagatelle kam, und dies in einer Zeit, in der mitten in der Finanzkrise die am anderen Ende der Skala befindlichen Fälle millionenschwerer Banker-Boni öffentlich diskutiert wurden. Der Widerspruch beider Erscheinungen könnte größer nicht sein. Er…

  • Wie unsere Presse zum korrupten Desinformationsorgan verkommt

    Presse und Rundfunk erleiden gerade einen dramatischen Qualitätssturz. Es gab mal eine Zeit, in der verstanden sich Journalisten als welche, die untersuchen, aufdecken, konfrontieren, überprüfen. Die nichts glauben, die nichts abschreiben, sondern der Sache auf den Grund gehen. Diese Journalisten gibt es (fast) nicht mehr. Immer stärker werden die Medien von einem neuen Typus von Journalisten durchsetzt, die ihre Position nicht mehr als die eines Kritikers…

  • Das Unwort im Munde herumgedreht

    23. Januar 2013, von Andreas Kraußer, zuerst erschienen bei MANNdat Eine Jury um die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich hat „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres 2012 gekürt. Sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf das Auswahlverfahren hat sich die Jury damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Dagegen gebührt Jörg und Miriam Kachelmann Dank, mit ihrer kreativen Wortschöpfung einen gesellschaftlichen Missstand im wahrsten Sinn des Wortes namhaft gemacht zu haben. Dieser…