Baron Byron

Lord Byron: Lebewohl

Baron Byron
Lord Byron

Dass die Leiden geschiedener Väter auch in der Vergangenheit nicht unbekannt waren, daran möge in der Woche der Frankfurter Buchmesse das folgende erschütternde Gedicht des englischen Romantikers George Gordon Noel, 6th Baron Byron, kurz Lord Byron genannt, in der Übersetzung von Heinrich Heine, erinnern. Er sandte es 1816 seiner Frau Annabella Milbanke, die nach kurzer Ehe mit der gemeinsamen kleinen Tochter zu ihren Eltern geflohen war – wovor, darüber streiten die Biographen und Literaturwissenschaftler bis heute.

Charakterlich waren die Eheleute völlig verschieden, er leidenschaftlich, phantasievoll, zu Scherzen aufgelegt, sie rational, moralisch, manche sagten: bigott. Jedenfalls setzte sie die Scheidung durch, und Lord Byron musste sich neben diesem Skandal (man bedenke die Zeit!) auch mit öffentlich lancierten Vorwürfen der häuslichen Gewalt, der Homosexualität und des Inzests auseinandersetzen. Diese Vorwürfe machten ihn gesellschaftlich zur Unperson und er musste England verlassen. Wie sich herausstellte, für immer, denn er starb mit 36 Jahren als Teilnehmer am griechischen Unabhängigkeitskrieg 1824.

 

Lebewohl

 

Lebe wohl, und seis auf immer,
Seis auf immer, lebe wohl!
Doch, Versöhnungslose, nimmer
Dir mein Herze zürnen soll.

 

Könnt ich öffnen dir dies Herze,
Wo dein Haupt oft angeschmiegt
Jene süße Ruh gefunden,
Die dich nie in Schlaf mehr wiegt.

 

Könntest du durchschaun dies Herze
Und sein innerstes Gefühl,
Dann erst sähst du: es so grausam
Fortzustoßen war zu viel.

 

Mag sein, dass die Welt dich preise
Und die Tat mit Freuden seh, –
Muss nicht selbst ein Lob dich kränken,
Das erkauft mit fremdem Weh?

 

Immer soll dein Herz noch schlagen,
Meins auch, blut es noch so sehr;
Immer lebt der Schmerzgedanke:
Wieder sehn wir uns nicht mehr?

 

Solche Worte schmerzen bitter
Als wenn man um Tote klagt,
Jeder Morgen soll uns finden
Im verwitwet Bett erwacht.

 

Suchst du Trost, wenns erste Lallen
Unsres Mägdleins dich begrüßt:
Willst du lehren Vater rufen
Sie, die Vaters Huld vermisst?

 

Alle meine Fehltritt kennst du,
All mein Wahnsinn fremd dir blieb;
All mein Hoffen, wo du gehn magst,
Welkt, – doch gehts mit dir, mein Lieb.

 

Lebe wohl! Ich bin geschleudert
Fort von allen Lieben mein,
Herzkrank, einsam und zermalmet, –
Tödlicher kann Tod nicht sein.

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