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Das Geschwafel der Geisteswissenschaftler

Die Geistes- und Sozialwissenschaften befinden sich in ihrer manieristischen Phase. Manieristische Phasen zeichnen sich aus durch die Verkomplizierung der Ausdrucksmittel, die Verschnörkelung der Gedanken und die Vermischung unterschiedlicher Analyse-Ebenen.

Sinnsuche-bngz6735 Ihr Prinzip ist nicht die Konfusionsvermeidung, also Klarheit, sondern die Konfusionsvermehrung. Die absichtliche Verkomplizierung der Sprache in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist eine weitverbreitete Krankheit.

Karl R. Popper, einer der wenigen Philosophen, die klar denken und schreiben konnten, betont in seinem Artikel „Gegen die großen Worte“ (abgedruckt in der Aufsatzsammlung Auf der Suche nach einer besseren Welt), dass „das grausame Spiel, Einfaches kompliziert und Triviales schwierig auszudrücken“ von vielen Geisteswissenschaftlern als ihre „legitime Aufgabe“ betrachtet wird. Sie haben nichts anderes gelernt, als Menschen „in einem Meer von Worten“ zu ertränken.

Als Beispiele für intellektuelle Hochstapler nennt er Adorno und Habermas. Ihre Aussagen bedürfen nach Popper einer Übersetzung ins klare Deutsch: Adorno: „Die gesellschaftliche Totalität führt kein Eigenleben oberhalb des von ihr Zusammengefassten, aus dem sie selbst besteht“. Poppers Übersetzung: „Die Gesellschaft besteht aus den gesellschaftlichen Beziehungen“. Habermas: „Theorien sind Ordnungsschemata, die wir in einem syntaktisch verbindlichen Rahmen beliebig konstruieren. Sie erweisen sich für einen speziellen Gegenstandbereich dann als brauchbar, wenn sich ihnen die reale Mannigfaltigkeit fügt“. Poppers Übersetzung: „Theorien sollten nicht ungrammatisch formuliert werden; ansonsten kannst Du sagen, was Du willst. Sie sind auf ein spezielles Gebiet dann anwendbar, wenn sie anwendbar sind“. Popper zeigt, dass es sich bei diesen Aussagen um Tautologien und Trivialitäten, „gewürzt mit paradoxem Unsinn“, handelt.

Doch Adorno, Habermas und Co. werden in puncto Begriffsakrobatik und Produktion von Kauderwelsch von den Postmodernisten übertroffen. Der amerikanische Physiker Alan Sokal und sein französischer Kollege Jean Bricmont geben in ihrem Buch Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen Beispiele für die postmodernen Wortspiele: „So also symbolisiert das erektionsfähige Organ den Platz des Genießens, nicht als es selbst, nicht mal als Bild, sondern als der dem begehrten Bild fehlende Teil: darum auch ist es dem ?-1 der weiter oben produzierten Bedeutung gleichzusetzen, des Genießens, den es durch den Koeffizienten seiner Aussage der Mangelfunktion des Signifikanten wiedererstattet: (-1)“ (J. Lacan). Oder: „Existenz als ein Prozess der Entterritorialisierung ist ein spezifisch inter-maschinischer Vorgang, der sich selbst über die Förderung singularisierter existentieller Intensitäten legt“ (F. Guattari).

Bemerkenswert ist, dass die allermeisten Menschen, auch die allermeisten Geisteswissenschaftler, denken, dass hinter solchen Formulierungen etwas besonders Geistreiches, Tiefsinniges und Anspruchsvolles steckt. Sie merken nicht, dass dahinter gar nichts steckt, dass es sich hier um bloße Aneinanderreihung von Fremdwörtern, um sinnlose Sätze, kurz: Nonsens handelt. Jeder kann solche Nonsens-Sätze produzieren. Man braucht dafür nur ein Fremdwörterbuch.

Die Produzenten solcher Texte möchten anderen imponieren, sich als besonders klug, intellektuell und wissenschaftlich zeigen. Das ist für sie wichtig, denn damit rechtfertigen sie die Existenz ihres gut und meist vom Staat bezahlten Berufsstandes. Ein weiterer Zweck dieser Produktion von Nonsens ist die Immunisierung gegen Kritik: Wenn jemand so etwas Kompliziertes schreibt, dann fällt es schwer, ihn anzugreifen.

Die gewöhnliche Reaktion der Leser auf solche Texte lautet: „Ich verstehe das nicht“ oder „Der Text ist unverständlich“. Das zu sagen, ist der größte Fehler, den man machen kann, denn dadurch gibt man den Produzenten solcher Texte das Gefühl der Überlegenheit: Sie haben es geschafft, sich als klüger als die anderen aufzuspielen. Die Aussage „Ich verstehe es nicht“ empfinden sie daher als ein Kompliment. Dass solche Texte von den Lesern nicht verstanden werden, liegt aber nicht an deren intellektuellen Fähigkeiten. Die Texte werden absichtlich so geschrieben, dass man sie nicht verstehen kann. Die Produzenten solcher Texte haben in der Regel auch nichts zu sagen, denn hat man etwas zu sagen, dann kann man es klar und deutlich sagen.

Arthur Schopenhauer hat in seinem Werk Parerga und Paralipomena auf die negativen Folgen der intellektuellen Hochstaplerei für die Jugend hingewiesen, wobei er zu den Hochstaplern in erster Linie Hegel zählte: „Wenn der arglosen Jugend eine Zusammenstellung von Worten, dabei dem gesunden Kopfe alles Denken ausgeht, ein Wischiwaschi, das ans Tollhaus erinnert, dargereicht wird – da wird die arg- und urteilslose Jugend auch solches Zeug verehren, wird eben denken, in solchem Abrakadabra müsse ja wohl die Philosophie bestehen, und wird davongehen mit einem gelähmten Kopf, in welchem fortan bloß Worte für Gedanken gelten, mithin auf immer unfähig, wirkliche Gedanken hervorzubringen, also kastriert am Geiste. Daraus erwächst denn so eine Generation impotenter, verschrobener, aber überaus anspruchsvoller Köpfe, strotzend vor Absichten, blutarm an Einsichten“.

Der Artikel erschien zuerst in einer anderen Fassung auf Eigentümlich Frei.

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Ich studierte Philosophie, Soziologie und Sprachwissenschaften.
Meine Doktorarbeit schrieb ich über den Begriff der Lebenswelt.

Ich stehe in der Tradition des Humanismus und der Philosophie der Aufklärung. Ich beschäftige mich vorwiegend mit den Themen "Menschenrechte", "Gerechtigkeit", "Gleichberechtigung" und "Demokratie".

In meinen Büchern lege ich besonderen Wert auf Klarheit und Verständlichkeit der Darstellung. Dabei folge ich dem folgenden Motto des Philosophen Karl Raimund Popper: „Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann“.

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