Hass-nhbs2198

„Der abgrundtiefe Hass der Antifeministen“

In der Schweizer Tageswoche macht Franziska Schutzbach keine halben Sachen, wenn es darum geht, die Männerbewegung als Feindbild aufzubauen und Ideologiekritik in Sachen Feminismus durch rabiate Dämonisierungen abzuwehren.

Hass-nhbs2198 Wer in diesem Stil anderen Menschen „abgrundtiefen Hass“ unterstellt, leistet in Sachen Projektionsarbeit Beachtliches. Einige Auszüge des wegen seiner aggressiven, einpeitschenden Haudrauf-Rhetorik insgesamt lesenswerten Artikels:

Wer sich heute feministisch äussert, erntet nicht nur Gegenwind, sondern oft auch Hass. Ob im Internet, beim Nachtessen, an Universitäten oder im Parlament – die deutschen Soziologen Hinrich Rosenbrock und Andreas Kemper zeigen in Untersuchungen, dass der Antifeminismus offensiver geworden ist, bissiger, organisierter. Die Player reichen von Abtreibungsgegnern über Parteien, die Antifeminismus als Wahlprogramm entdeckt haben (zum Beispiel die AfD in Deutschland), Bürgerbewegungen (wie Pegida), christliche Organisationen (wie zukunft.ch), Kirchenvertreter (in der Schweiz Bischof Huonder) über Männerrechtsorganisationen und Journalisten bis hin zur besonders aggressiven Maskulistenszene im Internet (zum Beispiel Agens, MANNdat, WikiMannia, wgvdl).

Was an MANNdat und AGENS „besonders aggressiv“ sein soll – wir werden es im Laufe des Artikels nie erfahren. Stattdessen konstruiert Schutzbach munter Verbindungen, wo keine sind:

Aber was ist Antifeminismus? Ein extremes Beispiel ist der rechtsradikale Attentäter Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 72 Menschen ermordete.

Wir befinden uns hier auf dem Niveau von „Was ist Sozialismus? Ein extremes Beispiel ist der Nationalsozialist Adolf Hitler, der …“ Dass Schutzbach sich lediglich selbst als Fundamentalistin bloßstellt, wenn ihr zu einer kritischen Haltung gegenüber dem Feminismus, die vom Großteil der Bevölkerung geteilt wird, als erstes Massenmord einfällt, scheint ihr entweder gar nicht bewusst oder gleichgültig zu sein. Aber es geht sogar noch besser:

Dabei bringt die neue Opferposition für die Männerrechtler einige Schwierigkeiten, denn das Eingeständnis von Schwäche ist mit ihrem meist traditionellen Männlichkeitsideal nicht kompatibel.

Hier bekommt Franziska Schutzbach bei Ihrer Argumentation das logische Problem, dass sich die von ihr unterstellte Rechtslastigkeit der Männerbewegung nicht damit in Einklang bringen lässt, dass Männerrechtler über Erfahrungen von Benachteiligungen sprechen und eben nicht das für Rechte typische Bild des unerschütterlichen starken Mannes präsentieren. Wer mit der Vorstellung von Männern als Opfer massive Probleme hat, sind ja in Wahrheit die beiden „Soziologen“ Kemper und Rosenbrock, die damit tatsächlich ein reaktionäres Männerbild vertreten. Schutzbach umgeht diese fehlende Logik in ihrer Argumentation damit, dass sie so tut, als sei dies ein Problem der Männerrechtler und nicht ihr eigenes, Feminismuskritik anders als „rechts“ wahrzunehmen.

Der Schweizer Männerforscher Walter Hollstein schreibt vom „männlichen Niedergang“ durch die Frauenbewegung. Meistens wird dabei das Bild einer Weltverschwörung lesbischer Akademikerinnen und Frauenbeauftragter suggeriert, die mit dem „Gender-Prinzip“ an der Zerstörung der traditionellen Geschlechterrollen arbeiten, an der Schaffung eines „Frankenstein ohne Geschlecht“ (BaZ) oder an einer Quote, die nichts anderes als eine „staatliche Umverteilung zulasten der Männer“ sei (NZZ). Solche antifeministischen Parolen sind nicht neu. Bereits im europäischen Mittelalter veröffentlichte Christine de Pizan „Das Buch von der Stadt der Frauen“, mit dem sie gegen antifeministische Haltungen schrieb.

Keine Frage: Die Nerven liegen inzwischen bloß im feministischen Lager. So einen herrlichen Rappel muss man erst mal hinbekommen, bei dem man den Professor für Soziologie und Gutachter des Europarates Walter Hollstein mit „einer Weltverschwörung lesbischer Akademikerinnen“ in Verbindung bringt und Kritik an Menschenrechtsverletzungen wie der sexistisch diskriminierenden Frauenquote mit einer Schrift aus dem europäischen Mitelalter. Eine sachliche Diskussion scheint mit Vertretern der Genderstudien nach wie vor unmöglich zu sein. Jetzt wartet man nur noch auf einen Beitrag, der das Desinteresse eines Spice Girls am Feminismus mit den Hexenverbrennungen vor einigen hundert Jahren vergleicht. Frau Schutzbach, sitzen Sie schon dran?

Der Artikel erschien zuerst auf Genderama.

Ähnliche Beiträge

  • Menschenrechte in Beton

    Zur Achtung der Menschenrechte in Deutschland. Update 2015 „Menschenrechte sind in der Bundesrepublik offenbar nur deklamatorischer Natur.“ Dieser Satz bezieht sich auf das deutsche Familienrecht und ist mehr als zwanzig Jahre alt. Er stammt aus dem Essay „Die Achtung der Menschenrechte in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit. Gedanken zum Jahr der Familie“, den Prof. Dr. Michael Reeken im Jahr 1994 in der Fachzeitschrift „Zentralblatt für Jugendrecht“ veröffentlicht hat….

  • Ein Manifest für den Mann?

    Ein „Manifest für den Mann“ – das müsste doch was für mich sein! Noch dazu ein „notwendiges“. Die erste Forderung, die Ralf Bönt aufstellt, lautet: „Wir brauchen das Recht auf ein karrierefreies Leben.“ Das passt gut zu der Hintergrundmusik, die wir gerade hören: Da singt ein großer Chor von besseren Karrierechancen für Frauen und stimmt das Lob auf die Quote an, weil sie dafür sorgt,…

  • Vereinte Nationen und Google arbeiten an einem feministischen Internet

    Neues vom Frauen unterdrückenden Patriarchat meldet die Washington Post. Die Zeitung spricht von einer „radikalen, gefährlichen Zukunft“: On Thursday, the organization’s Broadband Commission for Digital Development released a damning „world-wide wake-up call“ on what it calls „cyber VAWG,“ or violence against women and girls. The report concludes that online harassment is „a problem of pandemic proportion“ — which, nbd, we’ve all heard before. But the…

  • Von wem geht hier wirklich Sexismus aus?

    Wenige Wochen vor dem Erscheinen von Anne Wizoreks Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht“ erklärte die US-amerikanische Professorin für Geistes- und Medienwissenschaft Camille Paglia, Feminismus sei im Jahr 2014 nicht mehr als „ein Haufen gemeiner Mädchen auf Twitter“. International sammeln die jungen „Women Against Feminism“ immer mehr Anhängerinnen. Und wenige Tage vor dem Erscheinen des Buches erklärte die Schauspielerin Emma Watson vor den Vereinten Nationen,…

  • Nein, Frauen sind keine Opfer!

    Kritikerinnen der #MeToo-Kampagne wird vorgeworfen, sie verhalten sich unsolidarisch gegenüber anderen Frauen. Dabei gibt es gute Gründe gegen die kollektive Opferidentität des #MeToo-Feminismus. Die Reaktion kam prompt und war heftig. Frauen, die die #MeToo-Kampagne kritisierten, wurden als Verräterinnen beschimpft: „Finde eine, die bereit ist, Solidarität gegen ein Schulterklopfen und einen Keks einzutauschen und nutze ihre Identität als Vorwand, um offen frauenfeindlich aufzutreten“, heißt es in…