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Neue Männer

 

„Neue Männer braucht das Land“ – so sang es Ina Deter vor Jahren. Der Song hat sich gehalten, und die Forderung auch. Nun ist es nicht so, dass sich etwa nichts getan hätte. Der blosse Augenschein in unseren Städten zeigt, was vor dreissig oder vierzig Jahren noch unmöglich gewesen wäre: Männer, die Kommissionen machen, Väter, die Kinderwagen schieben, Männer in Pflegeberufen etc.

Die empirische Sozialforschung belegt die Veränderungen. Das Berufsspektrum von Männern ist um einiges „weicher“ geworden, auch die Männer selber: Sie können inzwischen besser über ihre Gefühle sprechen, sie sind kommunikativer geworden, ehrlicher, aufrichtiger, authentischer.

Nun gefällt das nicht allen. Auch jüngeren Männern nicht.

So alteriert sich Philipp Loser im Zürcher „Tagesanzeiger“  über Männer als „Weicheier und Heulsusen“. Damit meint er vor allem: jüngere Väter, die Mühe haben mit der Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbstätigkeit. Seltsam daran ist zunächst einmal, dass Frauen, wenn sie sich über dieses Problem beklagen, niemals diffamiert werden. Männer schon, denn als harte Männer, wie es Loser fordert, dürfen  sie das ja nicht; es ist ein Rollenverstoss. Nun ist die Verteidigung eines solch anachronistischen Männerbildes, wie Loser es noch vertritt, gottseidank eher selten geworden.

In anderer Richtung gibt es allerdings Bemerkenswertes. Von veränderten Männern lassen sich offenbar nicht mehr die Männertugenden des 19. und 20. Jahrhunderts erwarten. Das haben die Ereignisse von Köln in plastischer Deutlichkeit gezeigt. In der NZZ schreibt Cora Stephan: „Die Silvesterereignisse von Köln haben nicht nur die Verletzlichkeit der Frauen, sondern auch die Schwächen des westlichen metropolitanen Mannes offenbart. Wo war er, als es darauf ankam?“ Und: „Der postheroische Mann kann mit «Ehre» wenig anfangen, und auf die Idee, Frauen als schutzbedürftig anzusehen, kommt er schon lange nicht mehr. «Sisters are doing it for themselves.»“ In der Welt doppelt Eckard Fuhr nach: „Der moderne Mann hat in Köln versagt. Die Männer haben ihren Frauen Silvester nicht geholfen. Sie waren gelähmt, orientierungslos und haben die zivilgesellschaftliche Feuerprobe unter verschärften Migrationsbedingungen nicht bestanden.“

Tja, dem mag so sein. Aber wenn man diesen Tatbestand beklagt – zum Teil nach Köln sehr heftig – müsste man auch fragen, warum dem so ist und wie es dazu kam. Eine Erklärungsschiene ist die folgende: Buben werden inzwischen  klammheimlich oder auch ganz offen umerzogen. Der Kindergärtler, der sein kleines Holzschwert in den Hort mitbringt, wird wegen seines „gefährlichen“ Spielzeugs  wieder nach Hause geschickt. Statt lustvollen Ringkämpfen müssen die Buben im Turnunterricht Schleiertänze aufführen. Fussballspielen auf dem Schulhof wird verboten; stattdessen werden Kommunikationszonen für Buben eingerichtet. Alles, was mit bubenhaftem Toben, Raufen und Kräftemessen zu tun hat, wird von weiblichem Erziehungspersonal misstrauisch beäugt, verboten oder sogar bestraft.

Wenn die Mädchen am „Töchtertag“ ausziehen, um sich „richtige“ Männer in den traditionellen Männerberufen am Montageband, beim Hochofen oder in der Auto-Werkstatt zum weiblichen Vorbild zu nehmen, wird Buben beigebracht, Wäsche zu sortieren, zu backen oder Putzmittel zu unterscheiden. Damit es kein Missverständnis gibt: Dass Jungen solche Fertigkeiten erlernen, ist gut, hilft ihnen selbst bei der eigenen Bewältigung des Alltags und ist eine gute Voraussetzung für eine geschlechterdemokratische Arbeitsteilung in der späteren Partnerschaft. Aber Helden, Beschützer und Muterprobte macht das eben nicht. Diesen Zusammenhang muss man sehen, wenn man „Köln“ kritisiert.

Der Artikel erschien zuerst in Basler Zeitung 26.2.2016

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