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Ulrich Kutschera über den Gender-Kreationismus

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Ulrich Kutschera (Bild: X. Wang, San Francisco, CA, USA, CC BY-SA 3.0)

Eine Rezension zu „Das Gender-Paradoxon“

Ulrich Kutschera ist Biologe und Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie an der Universität Kassel. Dem breiten Publikum wurde er durch seine Kritik am religiösen Kreationismus bekannt. Seit geraumer Zeit unterzieht er eine andere Form des Kreationismus, den Genderismus, einer grundlegenden Kritik. Für diese Form des Kreationismus ist das Geschlecht etwas Konstruiertes, etwas, was man ändern und wählen kann.

Der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921 – 2006) hat vor 60 Jahren die „Gender-Theorie“ formuliert. Sie besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden. Erst durch Erziehung werden aus Unisex-Wesen Männer und Frauen. Es wird davon ausgegangen, dass das Geschlecht des Menschen nicht primär biologisch, sondern sozial konstruiert, formbar, wandelbar und wählbar ist. Nach Kutschera ist diese Sicht mit dem biblischen Kreationismus verwandt. Letztlich soll der Unterschied zwischen Männern und Frauen nivelliert, dekonstruiert werden.

kutsch parad hhzdfusisAuf den Überlegungen von Money basiert ein politisches Programm: das auf der Vierten Weltfrauenkonferenz beschlossene Programm des Gender-Mainstreamings. Dieses Programm hat nach Kutschera folgende Zielsetzungen:

  1. Auf der Welt sollten weniger Menschen existieren und mehr erotische Vergnügungen verfügbar sein. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie Vollzeitmütter sollten abgeschafft werden.

  2. Da mehr erotische Vergnügungen möglicherweise zu einem Überschuss an Kindern führen könnten, müssen Verhütungen und Abtreibung für alle verfügbar sein; weiterhin sollten homosexuelle Verhaltensweisen gefördert werden, da es hierbei zu keinem Nachwuchs kommt.

  3. Die Welt benötigt einen Sexualkundeunterricht für Kinder und Heranwachsende, der erotisches Experimentieren ermutigt. Des Weiteren sollten die Rechte der Eltern bzgl. Der Erziehung ihrer Kinder abgeschafft werden.

  4. Auf der Welt sollte eine 50 : 50 Männer/Frauen-Quotenregel in allen Lebens- und Arbeitsbereichen eingeführt werden (Grundsatz der Macht-Gleichstellung). Alle Frauen müssen möglichst zu allen Zeiten einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

  5. Religiöse Glaubenssysteme, die mit dieser Befreiungs-Agenda im Widerspruch stehen, sollten diskreditiert und somit der Lächerlichkeit preisgegeben werden.“ (S. 44ff.)

Kutschera widerlegt anhand von vielen Beispielen die in der Gender-Theorie vertretene These, nach der das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung in erster Linie soziale konstruiert ist. Er zeigt, dass Homosexualität nicht frei wählbar ist, sondern biologisch bedingt ist. Der Komponist Pjotr  Iljitsch Tschaikowski versuchte vergeblich, sich von seiner Homosexualität zu befreien. Er konnte nicht durch einen Entschluss seine sexuelle Veranlagung ändern.

Kutschera kritisiert auch die These, dass  es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Obwohl es zahlreiche Bemühungen gibt, Frauen zu Komponisten auszubilden, weisen Frauen keine herausragenden kompositorischen Leistungen auf bzw. nicht so gute Leistungen wie Männer. Da es dafür keine sozio-kulturellen Erklärungen gibt, liegt es offensichtlich an biologischen Differenzen zwischen Männern und Frauen. Daraus folgt jedoch nicht, dass Frauen zweitklassige Menschen sind, hebt mit Nachdruck Kutschera hervor.  Männer und Frauen unterscheiden sich offenbar in ihrer biologischen Verfassung. Daraus folgt, dass bestimmte Fähigkeiten bei dem einen oder anderen Geschlecht besser ausgebildet sind.

Menschen konstruieren sich nicht selbst, sondern entwickeln sich, „evolvieren“, im Laufe von Jahrmillionen. Natürlich spielen dabei Umweltfaktoren eine wichtige Rolle.

Bemerkenswert ist, dass Kutschera seine Aussagen mit Hilfe von gesicherten empirischen Studien belegt. Seine Äußerungen demonstrieren den neuesten Erkenntnisstand der Biowissenschaften.

Die Gender-Ideologie hat sich in der ganzen Gesellschaft, auch im akademischen Bereich, sehr stark ausgebreitet. An sozialwissenschaftlichen Fakultäten wurden Professuren und Institute für Gender Studies eingerichtet. Das reicht aber den Gender-Ideologinnen nicht aus. In neuester Zeit versuchen sie, mit ihren Meinungen auch naturwissenschaftliche Fächer zu beeinflussen. Kutschera zufolge „würde eine genderisierte Biologie den Status einer exakten Naturwissenschaft verlieren und Teil der Sozialkunde werden, was unakzeptabel ist.“ (S. 96) Es ist nicht einfach, diesem Einfluss Einhalt zu gebieten, „denn der irrationale Glaube ist viel stärker als das mühselig erarbeitete naturwissenschaftliche Faktenwissen.“ (S. 96)

Da 95% der Hochschul-Gender-Lehrstellen von Frauen besetzt sind, liegt die Vermutung nahe, dass diese Stellen dazu eingerichtet wurden, um den Anteil von Frauen, also die Frauenquote unter den Professoren zu erhöhen. Somit erscheint die Politik des Gender-Mainstreamings an Universitäten als „getarnte Frauen-Politik“, man möchte hinzufügen: als eine Lobby- und Klientelpolitik für eine bestimmte Gruppe von Frauen.

Es ist verwunderlich, dass es nur wenige mutige Wissenschaftler wie Ulrich Kutschera gibt, die die Ideologisierung der deutschen Universitäten bekämpfen. Das hat offensichtlich tiefere Ursachen, die in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung liegen. Unsere Zeit ist vom postmodernen Nihilismus und Relativismus geprägt. Der Anspruch auf Objektivität wird immer häufiger abgelehnt, strenge wissenschaftliche Argumentation und empirische Überprüfung von Aussagen werden immer seltener verlangt. Es bleibt zu hoffen, dass Kutscheras Haltung und Kampf gegen die Ideologisierung der deutschen Universitäten zu einer Rückbesinnung auf fundamentale Ideale der Wissenschaft führen wird.

Ulrich Kutschera, Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen, LIT Verlag, Berlin 2016.

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Ich studierte Philosophie, Soziologie und Sprachwissenschaften.
Meine Doktorarbeit schrieb ich über den Begriff der Lebenswelt.

Ich stehe in der Tradition des Humanismus und der Philosophie der Aufklärung. Ich beschäftige mich vorwiegend mit den Themen "Menschenrechte", "Gerechtigkeit", "Gleichberechtigung" und "Demokratie".

In meinen Büchern lege ich besonderen Wert auf Klarheit und Verständlichkeit der Darstellung. Dabei folge ich dem folgenden Motto des Philosophen Karl Raimund Popper: „Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann“.

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