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Antisemitismus? Nein: Judenhass!

Anmerkungen zur Kritik einer verfehlten Kategorie

Der europäische Judenhaß, der christlich-religiöse Wurzeln hatte, wurde im 19. Jahrhundert säkularisiert und biologisch umgedeutet (Gobineau, Chamberlin, Marr), und er ist es, der umgangssprachlich mit „Antisemitismus“ bezeichnet wird [1]. Dieser Judenhaß tritt heute so nicht mehr in Erscheinung, oder wenn doch, dann nur ausnahmsweise und marginalisiert, aber er maskiert oder larviert sich, besonders gern, häufig und unverstanden innerhalb der politischen Linken i. w. S., als Antizionismus oder als Islamophilie, die hierzulande, nicht nur, aber besonders häufig als propalästinensisches Engagement auftritt.

Daß die Islamisierung Europas den muslimischen Judenhaß mitbringt, der zwar nicht in seiner Motivation, wohl aber in der Stoßrichtung seiner Impulse unbewußt so vertraut ist, das ist Teil dieser ganz speziellen Willkommenskultur. Aber das wollen die Betroffenen gar nicht wissen, und sie wehren sich stets heftig gegen diese buchstäbliche „Entlarvung“.

Die primären, sicherlich meist nicht bewußten Impulse des Judenhasses können sich dergestalt wieder in der Öffentlichkeit blicken lassen, denn sie werden in der Regel nicht als das erkannt, was sie tatsächlich sind. Und dieselben Leute, die das tun, legen zugleich besonderen Wert auf öffentliche Erinnerungsrituale an den „Holocaust“ (die Shoah), um danach sogleich zu den angeblich befreundeten „Palästinensern“ zu reisen.

Pogrom ist ein russisches Wort, und die „Protokolle der Weisen von Zion“ waren nachgewiesenermaßen eine Fälschung des russisch-zaristischen Geheimdienstes, der Ochrana.

Die Dreyfus-Affäre fand in Frankreich statt, Frankreich, in dem sich heute der muslimische Judenhaß breitmacht, während eben deshalb zehntausende Juden nach Israel ausgewandert sind.

Ein weiteres Zentrum dieses europäischen Judenhasses war Wien, in dem der vaterlose junge Mann aus Braunau leider nicht zum Kunststudium aufgenommen wurde, und der, geprägt vom Zeitgeist dieses damaligen Milieus, statt dessen fatalerweise „beschloß, Politiker zu werden“.

Dieser europäische Judenhaß wütete bekanntlich bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Sein Zentrum war Deutschland, aber Kollaborateure (wie auch deren Gegner) gab es in allen europäischen Ländern. Es ist heute im übrigen kaum noch bekannt, daß der aus Italien stammende Faschismus ebenfalls eine europäische Bewegung und Erscheinung war.[3]

Aus diesen Gründen ist die Fokussierung auf Deutschland zwar nicht falsch, aber stark verkürzt, ungenau und unvollständig. Die deutsche Erinnerungskultur bezieht sich richtigerweise auf diese historischen Prozesse, und sie betont zu Recht die Verantwortung der – schuldlosen – Nachgeborenen vor der Geschichte. Es stellt sich die Frage, was denn konkret aus dieser Verantwortung folgt, also: welche Pflicht im Kantischen Sinne? Aus der darauf gegebenen Antwort ergeben sich Konsequenzen, analog übrigens angesichts anderer Taten anderer ebenso für jene: es darf weder Vergessen einsetzen, noch darf verleugnet oder bagatellisiert werden, was geschehen und nicht mehr zu ändern ist. Was aber falsch und schädlich ist, das ist, Verantwortung als rationale und moralphilosophische Kategorie durch irrationale „Schuld“ zu ersetzen, die den Nachgeborenen eben nicht zukommt.

Der Begriff des Antisemitismus stammt, wie oben erwähnt, von Wilhelm Marr:

„1879 prägte er den Begriff Antisemitismus und gründete die erste antisemitische politische Vereinigung: die Antisemitenliga.“[1].

Gerd Buurmann schreibt hierzu:

„In Berlin erschien im Februar 1879 Marrs Propagandaschrift “Der Sieg des Germanenthums über das Judenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet”, die noch im selben Jahr zwölf Auflagen erlebte. Der Buchdruck machte es möglich. In dieser Schrift grenzt sich Marr deutlich von der traditionellen religiösen Judenfeindschaft ab und behauptet stattdessen, dass die Juden eine fremde Rasse von „Parasiten“ seien, die erfolgreich die Ausbeutung Deutschlands betreiben. Diesen Paradigmenwechsel von Religion zu Rasse verdeutlichte er durch die Benutzung des Begriffs „Antisemitismus“. Marr prägte wesentliche Klischees und Schlagworte. Er legte 1880 mit seiner Schrift “Goldene Ratten und rothe Mäuse” die Basis für die verschwörungstheoretische Gleichsetzung von Judentum, Kapitalismus und Kommunismus, wie sie später Adolf Hitler in “Mein Kampf” vertrat.“[2]

Die heutige Antisemitismusforschung folgt dieser Terminologie nur oberflächlich klassifizierend bis heute, obwohl sie den Begriff weiter faßt als vielfach die Rechtsprechung:

„ (…) Antisemitismus (tritt) nicht einheitlich auf. Zu den vier Grundphänomenen zählt die Antisemitismusforschung christlichen Antijudaismus, anthropologisch-biologistischen Rassenantisemitismus, sekundären Antisemitismus (z.B. Holocaustleugnung) und in bestimmten Konstellationen Antizionismus, wobei die Formen sich oft vermischen. Darauf hat die IHRA Definition von Antisemitismus reagiert. Deutsche Gerichte entscheiden derweil oft an diesen Erkenntnissen vorbei und hängen weiter einer Definition an, die Antisemitismus auf den rassischen Antisemitismus der Nationalsozialisten reduziert.“ (…)[4]

Es fällt auf, daß der heutige Sprachgebrauch sich innerhalb und außerhalb der Wissenschaft, wenn auch in kritischer Absicht, an der Rassen-Terminologie von Marr orientiert. Das ist zumindest eine Verkürzung, wenn nicht sogar falsch. Sollte diese Einschätzung zutreffen, dann wäre die Kategorie des Antisemitismus als verfehlt aufzugeben.

Hierfür spricht, daß sich aus einer umfassenden historischen Betrachtung ein anderes Bild ergibt, denn es handelt sich im Grunde gar nicht um Anti–Semitismus im Wortsinne, sondern es handelt sich um orientalischen und okzidentalen Judenhaß in seinen verschiedenen, historisch bedingten und abgeschichteten, aber sich teils überschneidenden Erscheinungsformen. Zu nennen sind:

  • Koranisch-muslimischer Judenhaß der Araber bereits seit der Medina-Zeit im 7. Jh.
  • Christlich-kirchlicher, d. h. katholisch-mittelalterlich-antijudaistischer Judenhaß und frühneuzeitlich-protestantischer Judenhaß (Luther).
  • Sozioökonomischer, geldwirtschaftlich-kirchenrechtlich bedingter Judenhaß (Geld, Kredit, Zins, Wucher und kanonisches Zinsverbot im Mittelalter bis in die Neuzeit, in Ausläufern bis hin zur modernen Finanzwirtschaft) als Übergangsform zum
  • säkularisierten, anthropologisch-biologischen rassistischen Judenhaß (Gobineau, Chamberlin, Marr),sowie zum
  • europäisch-antizionistischen, palästinensisch-proarabisch-islamophil larvierten Judenhaß ab Ende des II. Weltkriegs, und zum
  • muslimisch-antizionistischen Judenhaß (z. B. Hamas, Hisbollah/Iran).

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Fazit

Aus dieser Sicht handelt es sich bei der Verwendung der Kategorie Antisemitismus in Deutschland mindestens um eine irrige, wenn nicht um eine möglicherweise erwünschte Verkürzung auf die Periode 1933-45, und also insoweit um eine absichtsvolle Falschbezeichnung, um zu verhindern, daß das gesamte Spektrum des historischen Judenhasses im Orient und im Okzident ins Bewußtsein gehoben wird.

Tatsächlich handelt es sich beim muslimischen Judenhaß um den aus den Wurzeln des Islams stammenden, koranisch gebotenen, also den primären und originären uralten Judenhaß der islamisierten Araber im Medina des 7. Jahrhunderts – und danach. Die arabischen Muslime sind selbstverständlich nicht anti-semitisch, denn wären sie es, dann fielen sie selbst mit unter diese Bezeichnung. Daher sollte präzise und umfassend von Judenhaß statt von Antisemitismus gesprochen werden. Das wäre ein Beitrag zur gedanklichen Klarheit.

Anmerkungen

[1] Arthur de Gobineau
https://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_%C3%BCber_die_Ungleichheit_der_Menschenrassen
Houston Stewart Chamberlain
https://de.wikipedia.org/wiki/Houston_Stewart_Chamberlain
Wilhelm Marr
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Marr
https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitenliga
https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(bis_1945)

[2] Gerd Buurmann, Tapfer im Nirgendwo
https://tapferimnirgendwo.com/2018/03/04/eine-enorme-bereicherung/

[3] Stanley Payne: Geschichte des Faschismus – Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung, München-Berlin 2001

[4] http://www.jurablogs.com/go/sind-juden-weiss-wie-antidiskriminierungsrecht-am-antisemitismus-scheitert/3

guenter buchholz
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Prof. Dr. Güter Buchholz, Jahrgang 1946, hat in Bremen und Wuppertal Wirtschaftswissenschaften studiert, Promotion in Wuppertal 1983 zum Dr. rer. oec., Berufstätigkeit als Senior Consultant, Prof. für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Consulting an der FH Hannover, Fakultät IV: Wirtschaft und Informatik, Abteilung Betriebswirtschaft. Seit 2011 emeritiert.

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