Gesellschaft

  • Obdachlosigkeit – Ein “männliches Schicksal”

    Ausgangspunkt dieses Beitrags ist eine eMail, die mir ein Leser vor einiger Zeit geschickt hat. Darin berichtet er von einem Schriftwechsel mit der BAG Wohnungslosenhilfe e.V., dessen Ziel für ihn darin bestand, die Angabe der BAG, dass 74% der Obdachlosen männlich und 26% weiblich sind, zu verifizieren. Entsprechend hat er bei der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. nachgefragt – und wie es bei eMail-Wechseln mit Institutionen in…

  • Milton Friedman, Richard Nixon und „Affirmative Action“

    In Milton Friedmans Klassiker „Kapitalismus und Freiheit“ stellte der us-amerikanische Ökonom fest: „Es ist eine auffallende historische Tatsache, dass die Entwicklung des Kapitalismus begleitet war von einer beträchtlichen Abnahme des Ausmaßes, in dem bestimmte religiöse, rassische und soziale Gruppen unter besonderen Behinderungen in Bezug auf ihre wirtschaftliche Entfaltung leben mussten, mit anderen Worten diskriminiert wurden.“ In „Kapitalismus und Freiheit“ lieferte Friedman zu gleich die Erklärung…

  • Träume in Schwarzweiß

    Viele können sich nicht mehr vorstellen, wie die Welt aussah, bevor der damalige Außenminister Willy Brandt mit einem historischen Knopfdruck das Farbfernsehen einführte. Damit wurde plötzlich „alles so schön bunt hier“, wie Nina Hagen später singen sollte. Doch es ging nicht so fix, die verschiedenen Farbwelten existierten noch ein Weilchen nebeneinander her. Und es fanden sich gelegentlich noch Zeugnisse aus der Übergangszeit, die mich geradezu…

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    Ökonomische Zeitenwende – eine Rezension

    Das hier rezensierte Buch verdient eine Hervorhebung, weil es in einer Zeit einer großen ökonomischen Krise, vergleichbar mit der von 1929 ff., eine tragfähige Analyse und eine Zukunftsorientierung für das 21. Jahrhundert bietet. In einer Zeit erheblicher politischer und theoretischer Verunsicherung ist das besonders bemerkenswert. Der Autor ist Dr. Johannes Müller, Prof. für Volkswirtschaftslehre seit 1995, der heute an der Hochschule Hannover, Fakultät IV, Abt….

  • Die Todeslust

    Eine Überlegung zum norwegischen Massenmörder Der Dichter Georg Heym schrieb am 6. Juli 1910 in Berlin in sein Tagebuch: Ach, es ist furchtbar. Schlimmer kann es auch 1820 nicht gewesen sein. Es ist immer das gleiche, so langweilig, langweilig, langweilig. Es geschieht nichts, nichts, nichts. Wenn doch einmal etwas geschehen wollte, was nicht diesen faden Geschmack von Alltäglichkeit hinterlässt. Wenn ich mich frage, warum ich…

  • Freiheit und Gemeinschaft

    Im Westen entstehen immer mehr Schönwettergemeinschaften.  Eine – bei der Eröffnung der Ausstellung zum 40. Geburtstag des Stroemfeld- Verlags in Frankfurt ernst oder schalkhaft vorgebrachte – These des Kulturforschers Klaus Theweleit lautete, man könne eigentlich richtig nur derjenigen Gemeinschaft angehören, der man beigetreten ist. Das bedeutet die Ablehnung der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, in die man hineingeboren, das ist die Herkunftsgemeinschaft, oder aber hineingezwungen wurde,…

  • Kann ein Faschist große Literatur schreiben?

    Die Bewertung faschistischer Intellektueller in Europa erfolgt mit zweierlei Maß: Gab es gute und böse Faschisten? Teil 1: Ungarn und Rumänien Mögen andere Länder verdrängen und vertuschen, Du, glückliches Deutschland, bist immer ehrlich, weißt genau Bescheid und alles besser! Denn Deutschland ist das Land der Vergangenheitsbewältigung und hat als solches durch eine zwar recht spät installierte, aber dafür umso intensivere Erinnerungskultur die Bearbeitung der nationalsozialistischen…

  • Medikalisierung, Ökonomie und Ethik

    In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ antwortete der Psychologe Jerome Kagan auf die Feststellung, in den 1960ern seien psychische Erkrankungen bei Kindern praktisch unbekannt gewesen, heute aber sei nach offiziellen Angaben jedes achte Kind in den USA psychisch krank: „That’s true, but it is primarily due to fuzzy diagnostic practices. Let’s go back 50 years. We have a 7-year-old child who is bored…

  • Innovation und Fortschritt zwischen Kultur und Ökonomie

    „Wir müssen die dynamischen Methoden des Kapitalismus nutzen, um Gewinn zu machen – und diese dann auf umso nützlichere und sinnvollere Weise anderen zugute kommen lassen. Aus ethischer wie aus praktischer Sicht ist dies eine der besten Möglichkeiten, gesellschaftliche Veränderungen herbei zu führen.“ Dalai Lama[1] 1 Warum wir dumm werden Die Fähigkeit der Gesellschaft, ihre Probleme, soweit sie aufgrund fundamentaler Widersprüche überhaupt lösbar sind, auch…

  • Vor- und Missverständnisse

    Auch beim Diskurs über Religionen und Glaubensinhalte wird Vorverständnis benötigt. Fehlt die Bereitschaft, dieses zu entwickeln, dann wird nicht korrekt zitiert, werden falsche Belege angeführt. Angst vor der Wahrheit braucht nicht toleriert zu werden, eine vernünftige Kritik darf solche mangelhaften Zitate und Belege auch als solche entlarven. Darüber darf sich derjenige, der das Vorverständnis verweigert und Missverständnisse sät, nicht beschweren. In den ersten Tagen der…