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Die Stellung des Menschen im digitalen Kosmos – Wir „digital animals“

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Das Leben ist wie ein großes Surferparadies. Wir surfen von einer Welle zur nächsten, kämpfen mit anderen Surfern um den besten „Move“, während sich einige Haie zwischen uns tummeln und darauf warten bis sich einer von uns in ihr hungriges Maul verirrt. Wir surfen in einem Datenmeer von 1 und 0, in denen Google, Apple und Co. es gierig auf unsere persönlichen Daten abgesehen haben. Das ist – angelehnt an den Philosophen Max Scheler – unsere heutige Stellung im digitalen Kosmos.

Was damals der Anhalter Bahnhof für die Berliner war, ist heute das Internet für jeden Kosmopoliten, nämlich das „Tor zur Welt“. „Dit is das Leben.“, wie der Berliner sagen würde. Und das hängt am drahtlosen Faden, weil wir umgeben von Wlan-Hotspots, inmitten von digitalen Wellen, vor lauter Datenwolken unsere privaten Daten in der digitalen Cloud nicht sehen können. Aber das ist kein Wunder. Schließlich kriegen wir durch die dicke Wolkendecke keine Sonnenstrahlen ab – was jetzt im Winter noch mehr aufs Gemüt schlägt als im Sommer.

Deswegen brauchen wir unsere Smartphones umso mehr. Sie sind unser Lebenselixier in diesen dunklen und tristen Tagen. Die einzige durch ihre hellleuchtenden Displays spendende Lichtquelle, die uns davor bewahrt, dass sich die winterliche Schwermut in eine Depression transformiert. Deswegen wurden die Displays immer größer und deswegen wurden es immer mehr. Das ist unser psychotherapeutisches Hausmittel.

In Großbritannien wurde jüngst ein „Ministerium für Einsamkeit“ gegründet, um Menschen vor Einsamkeit zu schützen. „Die spinnen, die Briten“, würde wohl Asterix sagen. Wahrscheinlich sind die Briten einfach nicht genug verkabelt, verdrahtet und vernetzt. Immerhin vernetzt uns das Internet mit anderen, oder? Dann wäre schließlich auch das Problem mit der Einsamkeit gelöst.

Genauso wie der störende Gang zum Supermarkt, den wir uns dank der digitalen Autobahnen endlich sparen können. Mit nur einigen Klicks können wir unseren Einkaufskorb bei Amazon bestellen. Und auch die störende Freundschaftssuche können wir uns ersparen. Denn via Facebook, und wie diese ganzen Freundschaftsforen alle heißen, haben wir Freunde „mit gewissen Vorteilen“. Kein blödes Selbstaufopfern für den Anderen, keine stumpfsinnige Kritik vom Anderen.

Das Internet ist sozusagen die Atombombe unserer Bedürfnisbefriedigung. Denn mit Akku und Wlan bewaffnet, steht unserer Selbstverwirklichung nichts im Wege. Essen, Schlafen, Wohnen, Freunde. Das alles können wir in den unendlichen Weiten des Internets finden. „Nichts ist unmöglich“, wie Toyota schon seit Jahren weiß.

Dann sind wir schutzlos der analogen Welt ausgesetzt und müssen uns ganz „old-school“-mäßig durch die viren- und bakterientragenden Menschenmengen der Straßen zurechtfinden, um die Zutaten für unser Abendessen zu besorgen. Wie glücklich wir doch sind, wenn bei unserer Rückkehr der Akku wieder aufgeladen und wir endlich online sein können.

Nietzsches Prophezeiung hat sich also erfüllt! Zarathustra – wenn auch in etwas modifizierter Form – hat seinen Weg als „digitale animal“ mit dem Silicon Valley als Hauptquartier auf Erden gefunden. Deswegen folgen wir auch Nietzsches Rat: „Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.“ Das Internet macht‘s möglich.

Einen Akku und Wlan, mehr brauchen wir dank den ANs, den „Anonymen Nietzscheanern“ aus dem Silicon Valley, nicht. Oder mit den Worten Cartesius: „Wlan, ergo sum.“

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