Danke, Kanzlerin!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mich drängt es Ihnen Dank zu sagen für Ihr beherztes Nichtstun und Ihr entschlossenes Abwarten bei der Bewältigung der Griechenlandkrise. Wieder einmal hat sich – wie zwischenzeitlich alle Welt an Ihnen bewundert – Ihre überragende Führungskunst bestätigt.

Das war schon Klasse, wie Sie die Rasselbande aus Athen sich haben austoben lassen. Nicht weniger Klasse war, wie Sie sich über den Sachverstand Ihrer Berater souverän hinweg gesetzt haben. Ihre Landsleute – des undurchsichtigen Gezänks längst müde – haben Sie dankenswerter Weise in Ruhe gelassen und sie nicht mit Entscheidungen belästigt, die sie ohnehin nicht verstehen und beeinflussen können. Wir sind Ihnen deshalb dankbar, dass Sie uns ein Referendum, wie es die armen Griechen haben über sich ergehen lassen mussten, erspart haben. Man sieht ja, was dabei herauskommt.

Wichtig ist doch nur, was „hinten herauskommt“ und dass Sie sich im Augenblick der Entscheidung auf die richtige Seite geschlagen haben, wo immer die auch liegen mochte. Das Ergebnis zumindest lässt sich sehen: Nur schlappe 90 weitere Milliarden Euro für unsere griechischen Nachbarn in drei Jahren. Das ist doch weit weniger als die 330 Milliarden, für die die europäischen Steuerbürger jetzt schon geradestehen müssen. Auch wir Deutsche können uns freuen. Anstatt der 85 Milliarden Euro, die wir wohl in den Wind schreiben müssen, kommen jetzt nur noch einmal 30 Milliarden hinzu. Das ist doch ein schönes Verhandlungsergebnis.

Wenn das Verhandlungspaket im Deutschen Bundestag in der nächsten Woche durch gewunken ist, können Sie sich in aller Ruhe den griechischen Altschulden zuwenden. Wir werden Ihnen, liebe Frau Bundeskanzlerin, bei der Lösung auch der Frage, wie man gutes Geld schlechtem Geld hinterherwirft, unser volles Vertrauen entgegenbringen.

Liebe Frau Bundeskanzlerin,

ich schätze Ihr großes Vertrauen, das Sie Menschen entgegenbringen, die viel versprechen, aber wenig halten. Das nenne ich wahre Nächstliebe. Es ist ohnehin klüger, nicht darauf zu bestehen, was vereinbart wird. Diese Lebensklugheit hat sich im Falle Griechenlands seit jeher bewährt. Sie tun auch diesmal gut daran, der griechischen Regierung nicht zuzumuten, ihre Versprechungen einzuhalten und ihr wohlmöglich noch erniedrigende Kontrollen abzuverlangen. Daran ist schon die „Troika“ gescheitert. Wie Sie wissen dürften, haben die Griechen immer einen Trick gefunden, wie sie lästige Zusagen umgehen können.

Es wäre zudem unklug, sich mit Griechen auf so etwas überhaupt einzulassen. Dabei ziehen Sie nur den Kürzeren. Damit vermeiden Sie im Übrigen auch das lästige Problem, mit dem so viele Politiker zu kämpfen haben: die verflixte Glaubwürdigkeit. Nehmen Sie die Zusagen aus Athen nicht so ernst. Das tut die griechische Regierung doch auch nicht. Also nehmen Sie die Vorschläge aus Athen als das, was sie sind und wie es gemeint sind: als gutgemeinte Absichtserklärungen.

Im Übrigen freuen wir uns auf die nächste Runde im europäischen Krisendrama, in der Sie erneut Ihre überragende Führungsqualität unter Beweis stellen können.

Nun wünsche ich Ihnen einen erholsamen Urlaub; warum nicht auf einer kleineren griechischen Insel, die bleibt, wie man hört, von der geplanten Mehrwertsteuererhöhung verschont.

Ihr Pebs

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