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Gendersternchen und andere Merkwürdigkeiten

Stellen Sie sich vor, Sie hören Rolf Zuckowskis Lied „Wie schön, dass Du geboren bist“, aber statt der Textzeile „Alle deine Freunde freuen sich mit dir“ heißt es auf einmal: „Alle Deine Freunde, Freundinnen und Kinder mit intersexuellem Hintergrund freuen sich mit dir.“

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So oder so ähnlich könnte sich der bekannte Vers anhören, wenn der sprachliche Gender-Unsinn weiter fortschreitet. Oder das Lied wird gar nicht mehr gesungen, oder ausgetauscht, gegen ein gendergerechtes Kinderlied. 

Rolf Zuckowski hält es für möglich, dass seine Lieder bald nicht mehr in öffentlichen Einrichtungen dargeboten werden dürfen, da seine Texte nicht ‚gegendert‘ sind. Er argumentiert, dass die Kinder vielleicht bald gar nicht mehr verstehen, dass mit Freund gleichzeitig auch Freundin gemeint ist und sich die Mädchen dadurch ausgeschlossen fühlen.

Noch ist offiziell nichts passiert, aber der Stein des Anstoßes wurde bereits ins Rollen gebracht. Unlängst hat der Rat für deutsche Rechtschreibung (RdR) getagt, um über das Gendersternchen abzustimmen. Das Gendersternchen ist ein Satzzeichen, das zwischen die maskuline Schreibweise und die feminine Endung eines Wortes gefügt wird und dort als Platzhalter fungiert. Es würde dann beispielsweise nicht mehr Lehrer-/innen heißen, sondern Lehrer*innen. Damit soll die Geschlechtsneutralität des Begriffes verdeutlicht werden, außerdem sollen damit intersexuelle Menschen angesprochen und miteinbezogen werden. Ausgelöst wurde die Diskussion durch eine Anfrage der Landesstelle für Gleichbehandlung in Berlin. Diese wollte wissen, wie man „angemessen über Personen jenseits der beiden klassischen Geschlechter Mann und Frau schreiben kann.“ Als orthografische Möglichkeit kam nun das Gendersternchen auf den Tisch, das die Vielfalt der Geschlechter bedenken und somit die Gleichbehandlung jedes Geschlechts unterstützen soll. Damit folgt die Debatte der irrigen Vorstellung, „sprachliche Gerechtigkeit“ würde zu real gelebter Gerechtigkeit führen.

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Auch wenn sich der RdR vorerst darauf geeinigt hat, dass geschlechtergerechtes Schreiben durch die bisherige Nennung des Männlichen und Weiblichen ausreicht und das Gendersternchen daher nicht nötig ist um gendergerecht zu schreiben, hat das Gendersternchen dennoch bereits Einzug in das Leben genommen. Manche Studenten bringen es sogar sprachlich zum Ausdruck, indem sie zwischen den Wortteilen eine Pause machen. Also beispielsweise: „Lehrer (Pause) innen“ und auch einige Politiker benutzen das Sternchen bereits in ihren Zeitungsbeiträgen und wollen damit ihre angebliche Weltoffenheit und Toleranz demonstrieren.

Das Gendersternchen folgt den sprachlich gendergerechten Inklusionsversuchen, dem Binnen-I und dem Gender Gap, die sich bisher auch nicht durchsetzen konnten.

Das Binnen-I beispielsweise wurde bereits in den 80iger Jahren von der WOZ und Teilen der taz als geschlechtergerechtes Schreiben in ihren Beiträgen eingeführt. Allerdings konnte es sich in der taz nicht durchsetzen, da dessen Verwendung dazu führen konnte, dass die Verwender des Binnen-I einen feministischen Stempel aufgedrückt bekamen. Hieran wird ersichtlich zu welcher Wertung sprachliches Gendern führen, und wie diese Wertung zur Dekonstruktion des Grundgedankens führen kann.

Möglicherweise ist die Ablehnung, diese Schreibweise offiziell zu übernehmen auch hierin begründet. Wird diese Schreibweise ungeachtet dessen von einzeln Stellen verwendet, wird ein nicht anerkanntes sprachliches Mittel verbreitet und kann in der Gesellschaft den Eindruck vermitteln, es wäre richtig und wichtig, diese Schreibweisen zu verwenden. Die Tatsache, dass die offizielle deutsche Rechtschreibung diese Formen ablehnt und die Gründe, die dafür angeführt werden, werden für die Befürworter kein Gewicht mehr haben. Jeder Gegner wird von nun an in die Ecke der Intoleranz gestellt. Denn „Weltoffenheit“ ist mittlerweile gleichbedeutend mit der Bejahung und der uneingeschränkten Anerkennung jeder noch so kleinen Befindlichkeit einer Randgruppe.

Denn wenn man jeder einzelnen Befindlichkeit nachgeht, wird es unmöglich, einen für alle geltenden Konsens zu finden. Vor allem dann, wenn die Forderung aus einer Pseudo-Maßnahme besteht, die an der realen Problematik nichts ändert.

Wenn man nämlich so tut, als seien sprachliche Mittel ein sinnvoller Weg, sich wirklich um die Belange von Unterdrückten bemühen, wieso sollte sich dann noch jemand in anderer Weise darum kümmern? Sich mit Toleranz zu schmücken ist angesagt wie selten zuvor, aber diese auch zu leben, verkommt daneben zu einer blassen Randerscheinung, der niemand Bedeutung beimisst.

Mit Dingen wie dem Gendersternchen erhält die Welt ein Mittel, das Verständnis und Akzeptanz stärken soll, allerdings in den meisten Fällen nur dazu beiträgt, dass sich Diskussionen darüber auflösen, da man ja ein Wort dafür gefunden hat, mit dem man so tun kann, als hätte man sich gekümmert.

Die eigentlichen Probleme von Transgendern werden damit nicht oder kaum gelöst. Auch wenn man weiß, dass Sprache auch das Denken bestimmt, ergibt sich durch das Gendersternchen und das schriftliche Chaos das daraus resultiert, erst einmal eine Sonderstellung für die Betroffenen. Und Sonderstellungen haben meist eines zur Folge: Ausgrenzung und Diffarmierung. Dass das den Betroffenen eher schadet als nutzt liegt auf der Hand. Aber was wünschen sich Transgender eigentlich? Liest man sich beispielsweise durch die Beiträge der Transgender Germany – TGG in Facebook, so erhält man den Eindruck, dass es zu aller erst um Akzeptanz und Toleranz Transgendern gegenüber geht. Ein Leben führen, wie jeder andere Cisgender (also Menschen deren physische und psychische Geschlechteridentität übereinstimmt) auch. Ein selbstbestimmtes Leben ohne Einschränkungen, Anfeindungen und Beeinflussungen, die sie in eine festgelegte Geschlechterrolle hineinpressen wollen.

Die Zeitschrift Emma hat Raewyn Connel interviewt. Raewyn ist eine australische Soziologin, die 60 Jahre als Mann lebte, bevor sie sich für eine Transition entschied. Sie wünscht sich, nicht als drittes Geschlecht klassifiziert zu werden. „Ich glaube, dass es eine wichtige Herausforderung für Feministinnen ist, transsexuelle Frauen nicht als eine Art drittes Geschlecht zu denken. Sondern als Teil der Vielfalt von Frauen, wie junge oder alte Frauen, Frauen mit Behinderung oder Frauen mit Migrationshintergrund.“

Mit der Einführung des Gendersternchens würde dieses dritte Geschlecht rein sprachlich sofort entstehen. Man würde einen Zustand für Transgender schaffen, der sie wieder in eine bestimmte Rolle presst. Ob das für alle wünschenswert ist, bleibt fraglich. Dazu soll noch ein sprachliches System geändert werden, was überhaupt keiner Änderung bedarf! Das Genus-System der deutschen Sprache ist formal und richtet sich nicht generell nach dem biologischen Geschlecht. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wort „Mädchen“, welches das Genus im Neutrum hat, obwohl ein Mädchen biologisch eindeutig weiblich ist – wie schon Mark Twain im 19. Jahrhundert erstaunt feststellen musste.

Wie dieses System im Laufe der Zeit entstanden ist, also wie welches Nomen seinen Genus bekommen hat, lässt sich heute nicht mehr einwandfrei nachvollziehen. Nun mögen auch die zur entsprechenden Zeit herrschenden Machtstrukturen zur Zuweisung der Genera geführt haben, wie es die Linguistin Luise Pusch anführt, aber warum man dieses System deswegen gänzlich in Frage stellen muss erschließt sich mir nicht. Was außer Unsicherheit und Verwirrung erreicht man dadurch? Denn der Wunsch, mit dieser neuen Schreibweise mehr Gerechtigkeit und Sicherheit in diese Welt zu bringen ist ein Trugschluss.

Durch die Sexualisierung des neutralen Genus-Systems richtet man den Fokus erst auf die Andersartigkeit der Geschlechter und verhindert so gerade den Anspruch auf Gleichheit. Die angebliche Diskriminierung die man zu verhindern sucht, wird so erst erzeugt.

Zu oft wird versucht, die Misogynie und die Diskriminierung jeglicher Andersartigkeit des Altertums einfach auszulöschen, als hätte diese Zeit nie stattgefunden. Also darf auch in der Sprache nichts mehr daran erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, in der Frauen und Transsexuelle in diesem Land unterdrückt wurden. Eine tatsächliche Änderung der Zustände erreicht man dadurch nicht. Im Gegenteil. Das Thema Gender wird von der breiten Masse nicht ernst genommen und kommt eher daher wie ein Kreuzzug, der all die dummen Unwissenden mit ihrer schier unermesslichen Weisheit belehren und bekehren will.

Die Vergangenheit lässt sich aber nicht auslöschen. Was man tun kann, um einen guten Umgang mit ihr zu finden, ist sie zu akzeptieren und den nachfolgenden Generationen zu erklären, warum etwas war und warum es gut ist, dass manches heute nicht mehr so ist. Mit Verboten und Zensur erreicht man hauptsächlich, dass sich die Menschen dagegen auflehnen. Um gesellschaftlichen Fortschritt zu erreichen, muss man einen anderen Weg beschreiten.

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