Gesellschaft

  • Paternalismus: Wissenschaftlich gelenkte Individuen

    Mit Hilfe der modernen Verhaltensforschung will der „libertäre Paternalismus“ Menschen vor „schlechten“ Entscheidungen bewahren – ohne offenen Zwang, dafür aber durch subtile Beeinflussungsversuche. Aus philosophischer Perspektive ist das entmündigend, meint Julian Mintert. Haben Sie sich jemals über Fliegen auf Urinalen in öffentlichen Toiletten gewundert? Sie sind nicht nur eine Verzierung, sondern sollen die Zielgenauigkeit der Männer verbessern und so für mehr Sauberkeit in sanitären Einrichtungen…

  • Paternalismus: Wir lassen uns nicht herumschubsen

    Der Libertäre Paternalismus will Menschen zu sozialgefälligen Entscheidungen anleiten. Für Sean Collins zeigt sich in der „Anschubs-Theorie“ das pessimistische Menschenbild einer Elite, die sich die Bewältigung der eigentlich wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr zutraut. Als das Buch Nudge [sinngemäß: anschubsen]: Wie man kluge Entscheidungen anstößt [1] im Jahre 2008 im Original erschien, schien es, als handle es sich um einen jener kurzlebigen Bestseller wie Freakonomics…

  • Alter, Tod und Lebenssinn

      Denkt der einzelne Mensch an seinen Tod, so wird ihm die Endlichkeit der eigenen Existenz bewusst und er versucht, sein Leben sinnvoll, eigentlich zu entwerfen – so der Philosoph Martin Heidegger. Das solle umso mehr auf ältere Menschen zutreffen, denn sie setzen sich angesichts des immer näher kommenden Todes mit demselben häufiger auseinander als jüngere Menschen. Doch trifft das auf ältere Menschen wirklich mehr…

  • Hilft uns der Tod?

    Mit Epikur gegen Heidegger glücklich werden Die Auseinandersetzung mit dem Tod gehört zu den zentralen Themen der Philosophie. Entscheidend ist dabei die Frage, wie der Mensch mit dem Tod umzugehen hat. Denn vom Umgang mit dem Tod hängt die Gestaltung des Lebens ab. Der deutsche Philosoph Martin Heidegger (1889-1976) und der griechische Philosoph Epikur (341 v. Chr.-271 v. Chr.) haben hierzu zwei entgegengesetzte Vorschläge gemacht,…

  • Wie zu erwarten: Eine antisemitische Allianz formiert sich

    26. Juli 2014, von Prof. Adorján Kovács Was ich am 8. Juni 2010 zum neuen Stolz der Berliner Republik und ihrem geänderten Verhältnis zu Israel und den Juden geschrieben habe, ist so aktuell wie nie.  Die Konsequenzen sehen wir heute auf deutschen Strassen: Antisemitismus ist wieder salonfähig. Der Krieg in Syrien und Irak – interessiert nicht. Der Krieg in der Ukraine – egal. Der Massenterror…

  • Der Brüsseler Anschlag und der Islamofaschismus

    Kürzlich hat Joseph Croitoru das neue Buch von Hamed Abdel-Samad über den islamischen Faschismus in der „SZ“ vernichtend besprochen. Dabei hat sich Abdel-Samad auf die ägyptischen Muslimbrüder konzentriert, deren Mitglied er ja einmal war und die er kennen sollte. Croitoru verurteilt den Begriff des „Islamofaschismus“ und meint: „So ist er hierzulande bei Rechts- wie bei Linkspopulisten, die mit diesem Etikett auch die islamische Religion per…

  • Gutmenschentum und Zynismus

    Es gibt bekanntlich einen manchmal katastrophalen Unterschied zwischen“gut gemeint” – oder der vermeintlich oder tatsächlich guten Gesinnung – und “gut” in einem intersubjektiv begründbaren Sinne sowie, insbesondere, im Sinne der tatsächlichen Folgen. Wer sich dessen nicht bewußt ist und ebenso naiv wie beschränkt auf der persönlichen subjektiven Gesinnung beharrt, um diese zur Geltung zu bringen, der muß anderen, die ebenso berechtigt eine andere subjektive Gesinnung…

  • Pirinçci-Debatte: Jedes Wunder dauert nur drei Tage

    16. Mai 2014 von Prof. Adorján F. Kovács Wie der Ablauf in einem auf Sensationen getrimmten Medienzirkus nun einmal so ist, wird es um Akif Pirinçcis Buch „Deutschland von Sinnen“ langsam ruhiger. Dies kann man auch der Webseite entnehmen, die dem Buch selbst gewidmet ist (die 200 Zuhörer bei der Bonner Autorenlesung waren vielleicht auch nicht der erwartete Andrang). Es lief insgesamt wieder einmal so…

  • Lasst doch mal den Vati ran

    In den Diskussionen um Familienpolitik gehen Väter meistens unter. Warum eigentlich? Am Sonntag war es wieder so weit: Muttertag. Wir haben zwar nach wie vor nicht mehr Rente vom Staat, aber zumindest wieder Blumen von der Familie bekommen und Gebasteltes und kalten Kaffee ans Bett und wir haben uns gefreut. Immer fällt mir dabei eine Zeile aus dem schwedischen Kinderbuch-Klassiker „Hänschen im Blaubeerenwald“ von Elsa…

  • Neues Buch: „Die Beschneidung von Jungen: Ein trauriges Vermächtnis“

    „Die Religionsfreiheit Erwachsener endet an der Körpergrenze von Kindern“ Zwei Jahre nach dem Kölner Urteil hat Prof. Matthias Franz ein neues Buch über die Beschneidung von Jungen geschrieben: „Die Beschneidung von Jungen: Ein trauriges Vermächtnis“ . Die Beschneidungsdebatte scheint noch lange kein Ende zu finden. Die Beschneidung sei in ihrer Tragweite unterschätzt worden. Aus der Buchbeschreibung: „Die Auseinandersetzung um die rituelle, medizinisch nicht begründete Genitalbeschneidung…